Globale Lernkrise: 250 Millionen Kinder können weder lesen noch schreiben

Weltweit können 250 Millionen Kinder weder lesen noch schreiben, obwohl mehr als die Hälfte von ihnen für mindestens vier Jahre eine Schule besucht hat. Woran liegt es, dass so viele Kinder trotz Unterricht keine grundlegenden Fertigkeiten erlernen? Und warum haben 57 Millionen Kinder keinen Zugang zu einer Schule? Der Unesco-Weltbildungsbericht versucht, Antworten zu finden.

UN-Millenniumsziel verfehlt

Bis 2015 sollen den UN-Millenniumszielen zufolge alle Kinder zumindest eine Grundschulbildung erhalten. Doch die Weltgemeinschaft hinkt diesem Ziel gewaltig hinterher, fand der Unesco-Weltbildungsbericht 2013/2014. Denn 57 Millionen Kinder gehen gar nicht zur Schule. Im subsaharischen Afrika, also allen afrikanischen Ländern südlich der Sahara, gehen nur 23% der Mädchen bis zur vierten Klasse in die Schule. In vielen Entwicklungsländern schließt nur jeder dritte Schüler die Sekundarstufe ab.

Doch selbst ein Schulbesuch bedeutet nicht automatisch, dass Kinder lesen, schreiben und rechnen lernen. So kann jeder vierte junge Mensch in Entwicklungsländern keine vollständigen Sätze oder nur Teile eines Satzes lesen, obwohl er oder sie zumindest in die Grundschule ging. Woran liegt das?

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Problem: Lehrermangel

Ursache für die verheerende Lage ist laut Bericht ein dramatischer Lehrermangel. Um allen Kindern eine abgeschlossene Grundschulbildung zu ermöglichen, müssten bis 2015 insgesamt 5,2 Millionen Lehrkräfte eingestellt werden. Momentan gebe es in einigen Ländern Klassen mit weit über 100 Schülerinnen und Schülern.

Außerdem seien Lehrerinnen und Lehrer nicht immer ausreichend ausgebildet. Die Qualität des Unterrichts sei schlecht und würde vor allem ärmere Schülerinnen und Schüler benachteiligen. Dieser Trend sei auch in reicheren Ländern zu beobachten. In Neuseeland etwa erfüllen nahezu alle Schülerinnen und Schüler aus wohlhabenden Familien die Mindestanforderungen in den Klassen 4 und 8, während es nur zwei Drittel der Kinder aus armen Familien tun. „Die Weltgemeinschaft muss sich künftig stärker um die Qualität der Bildung kümmern,” sagt Dr. Roland Bernecker, Generalsekretär der Deutschen Unesco-Kommission. „Die Bildungsqualität muss neben dem gleichberechtigten Zugang eine zentrale Rolle in der Post-2015-Agenda der Vereinten Nationen spielen.“