Identifikation gegen Vandalismus: Schüler kümmern sich um Schulcomputer

Wie bringt man seinen Schülerinnen und Schüler bei, die technische Ausstattung der Schule ordentlich zu behandeln? Indem man ihnen Verantwortung übergibt und sie vom Anfang bis zum Ende eines Projekts miteinbezieht. „Identifikation gegen Vandalismus‟ lautet der Grundsatz von Axel Seebahn am Ostsee-Gymnasium Timmendorfer Strand. Seebahn ist unser Lehrer der Woche.

Sie haben über die Initiative „Das macht Schule‟ einige Dutzend PCs gespendet bekommen und ein Schulnetzwerk gebaut. Wie lief das Projekt ab?

Axel Seebahn: „Wir haben insgesamt 180 Computerteile erhalten ‒ unter anderem Monitore, Rechner und Drucker. Damit haben wir 35 Arbeitsplätze erschaffen und einen kompletten Computerraum eingerichtet. Die Infrastruktur wurde ausschließlich von Schülern geschaffen, wir haben nur aus Sicherheitsgründen bei den elektrischen Arbeiten externe Hilfe geholt. Das Schulnetzwerk hat uns dank der Computerspenden nur zwischen 4000 und 5000 Euro gekostet ‒ eine extreme Ersparnis.‟

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Steckbrief

Name: Axel Seebahn
Schule: Ostsee-Gymnasium Timmendorfer Strand
Fächer: Deutsch, Englisch, Informatik
Die Schülerinnen und Schüler von heute … müssen – völlig wertungsfrei – anders unterrichtet werden als die SchülerInnen von „gestern“.
Die Schule von morgen … benötigt – neben Geld – Änderungswillen, Optimismus und Engagement von allen Beteiligten.
Ich werde nie vergessen als … wir den LKW mit den Unmengen an Computermaterial (vermittelt von „Das macht Schule“) vor dem Ostsee-Gymnasium ausgeladen haben.

Wie wird der Computerraum verwendet?

Axel Seebahn: „Der Raum wird hauptsächlich für den Informatik- und den sogenannten ITG-Unterricht [Informationstechnische Grundbildung in der 5. und 6. Klasse] genutzt. In den anderen Stunden können andere Kurse die Computer verwenden.‟

Können Schülerinnen und Schüler den Raum auch außerhalb des Unterrichts nutzen?

Axel Seebahn: „Wir haben noch einen dritten Computerraum, der bis vor kurzem in den Pausen und Freistunden für Schüler offen war. Die Aufsicht und Organisation haben damals die Zehntklässler im Rahmen eines Sozialprojekts übernommen. Im Zuge der Umstellung auf G8 sind die Stundenpläne etwas gedrängter und der Raum wird nun für den Unterricht gebraucht.‟

Wer kümmert sich um die Wartung und Betreuung der PC-Infrastruktur?

Axel Seebahn: „Das macht unsere Computer-AG. Die trifft sich immer freitags nach der sechsten Stunde und macht die Wartung und was sonst noch so anfällt. Das ist keine herkömmliche AG, die sich quasi wie ein fortgesetzter Unterricht 45 Minuten spezifisch mit einem Thema beschäftigt. Wir sind in der Regel drei bis vier Stunden zugange und arbeiten alles auf, was so anfällt. Momentan sind sieben Schüler dabei, plus ein Junge, der die Schule gewechselt hat, aber immer noch in der AG mitmacht.

Im Bericht von „Das macht Schule‟ heißt es, dass Ihr Grundsatz „Identifikation gegen Vandalismus” sei. Wie sieht dies im Schulalltag aus?

Axel Seebahn: „Pro Klasse haben wir Medienbeaufragte, die Lehrer bei der Nutzung der digitalen Medien unterstützen. Im Wesentlichen ist der Ansatz, dass man Dinge, mit denen man sich selbst beschäftigt, nicht kaputt macht. Das hat mit positivem Eigennutz zu tun.”

Welche Rolle spielt digitale Bildung am Ostsee-Gymnasium?

Axel Seebahn: „Die Bedeutung von digitaler Bildung ist enorm gewachsen. Ich bin seit 2006 am Ostsee-Gymnasium und seitdem hat sich viel verändert. Im ersten Quartal des nächsten Jahres bekommt unsere Schule mittelfristig ein flächendeckendes modernes WLAN-Netz, damit die bereitgestellten Bildungsressourcen in allen Unterrichtsstunden und von allen Schülern sowie Lehrern sinnvoll genutzt werden können.”

Was würden Sie Lehrerinnen und Lehrern raten, die ihre Schule technisch ausstatten möchten, denen es aber an finanziellen Ressourcen fehlt?

Axel Seebahn: „Das Wichtigste ist, jemanden zu finden, der Lust, Zeit und Erfahrung hat. Im nächsten Schritt ist eine Erhebung zu erstellen ‒ was wird benötigt, was soll mit den Rechnern passieren. Dann kann man verschiedene Quellen abklappern, wie z. B. ‚Das macht Schule‛, um zu schauen, ob jemand solche Geräte vorrätig hat. Es ist ja eher sporadisch, dass Geräte auch in ausreichender Anzahl vorhanden sind. Bei uns hat das aber in der Regel immer gut funktioniert.”

Titelbild: ©Ostsee-Gymnasium Timmendorfer Strand