Kinokartenverlosung und Rezension zum Film: „Frau Müller muss weg”

Regisseur Sönke Wortmann verwandelt in seinem neuen Kinofilm eine Grundschule zum Schauplatz elterlicher Frustrationen, die nur auf dem ersten Blick etwas mit der Klassenlehrerin ihrer Kinder zu tun haben. Eine Abrechnung mit Elternhaus und Schulsystem. Rezension und Kinokarten gibt’s von uns!

Constantin Film

„Frau Müller muss weg” ist eine Adaption des gleichnamigen Theaterstücks von Lutz Hübner und präsentiert dem Zuschauer eine amüsante Auseinandersetzung mit dem deutschen Bildungssystem. Bekannt durch die Filme „Der bewegte Mann” (1994), „Das Wunder von Bern” (2003) und „Deutschland. Ein Sommermärchen” (2006) hat Regisseur Sönke Wortmann mit „Frau Müller muss weg‟ eine witzige, im Keim aber auch nachdenklich stimmende Abrechnung mit Elternhaus und Schulsystem vollzogen. Ausgehend von einem Elternabend, den besorgte Übermütter und -väter einberufen haben und der mit jeder fortlaufenden Minute mehr aus dem Ruder läuft, zieht der Film weitere Problemkreise als die der elterliche Fürsorge um die Schulnoten der Kinder nach sich.

Attacke der Helikoptereltern

Es ist Samstagnachmittag: Das Halbjahreszeugnis steht kurz bevor und in drei Monaten gibt es Übergangszeugnisse für die 4. Klassen. Elternteile von fünf dieser Kinder versammeln sich auf dem Schulparkplatz, um mit der „Schuldigen” abzurechnen, die die Gymnasiallaufbahn ihrer Kinder gefährdet. Auch wenn nicht alle Kinder für das Gymnasium geeignet sind, wollen nicht alle Eltern diesen „Missstand” einsehen. So auch nicht die Elternriege im Film, die sich vor Frau Müller aufbaut.

Gratis Zugang für Lehrkräfte
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Entgegen des im Vorspann angestimmten Liedes „Lass doch der Jugend ihren Lauf” bestellen die von ihren eigenen Übererwartungen angestachelten Eltern die Grundschullehrerin Frau Müller (gespielt von Gabriela Maria Schmeide) in die Schule, um ihr nahezulegen, die Klasse abzugeben. Die Zensuren seien zu schlecht, das Klima auch und ganz zu schweigen von den vielen Hausaufgaben.

Elternsprecherin Jessica Höfel (grandios gespielt von Anke Engelke) nimmt das Ruder in die Hand und zögert am wenigsten, als die kleine, unschuldig dreinblickende und mit Süßigkeiten gewappnete Lehrerin den Raum betritt.

Mutter Höfel ist das Inbild einer Karrierefrau: „Zielorientiert” scheint eines ihrer Lieblingsworte zu sein und so will sie auch die Forderung gegenüber Frau Müller durchsetzen. Vorab erklärt sie vor ihren Anhängern, dass keine Gefühlsausbrüche, persönlichen Angriffe und „Volksreden‟ über das eigene Kind gewünscht sind. Sie scheint sich ihrer Sache sicher ‒ doch es kommt alles ganz anders.

Der pädagogische Gegenschlag

Frau Müller hält wenig von dem Vorwurf, dass die Erziehungsberechtigten ihrer Sprösslinge das Vertrauen in ihre pädagogischen Fähigkeiten verloren haben. Die Eltern, die sich in ihrer Absolution („Es geht nicht mehr um Entscheidungsprozesse. Die Entscheidung ist bereits gefallen.”) in Recht und Sicherheit wiegen, müssen einen unerwarteten Gegenschlag der Lehrerin hinnehmen: Am deftigsten müssen die Eltern von Lukas einstecken, der alle 10 Minuten angerufen wird, sobald die Mutter aus dem Haus ist und natürlich aussuchen darf, ob es Tofuwürstchen oder Bio-Putenbrust zum Abendbrot gibt. Laut Müller ist er weder hochbegabt noch unterfordert, so wie es Übermutter und Heulsuse Marina Jeskow (gespielt von Mina Tander) glaubt, sondern hat schlicht und einfach ADS.

Überhaupt versammeln sich laut Lehrerin Müller genau die Eltern an diesem Abend, deren Kinder ihr die größten Sorgen bereiten.

Da gibt es noch ganz andere Probleme

Nachdem sich auch Frau Müller entladen hat, verlässt sie wütend den Raum und vergisst dabei ihre Tasche. Im Glauben, sie hätte sich irgendwo versteckt, machen sich die Eltern im gesamten Schulgebäude auf die Suche nach ihr. Dabei bleibt auch Zeit, die „Fahndung” zu einer kleinen Reise der Selbstreflexion zu gestalten. Arbeitslosigkeit, Affären und Selbstzweifel sind nur einige der Brennpunkte, die vom vermeidlichen Problem wegführen.

Als die Lehrerin wieder den Raum betritt, findet sie Erwachsene vor, die sich noch schlimmer verhalten als ihr Nachwuchs: Vom vielen Schreien, Weinen, Prügeln und Streiten völlig aufgelöst ist plötzlich alles anders …

„Seit wann sind Eltern denn objektiv?‟

Auch wenn die Dramaturgie besonders zum Ende hin nicht ganz stimmig ist, überzeugt der Film durch Witz, großartige Schauspieler und einer durchaus gelungenen Gesellschaftskritik. PISA, Wettbewerbsdruck und überzogene Erwartungshaltungen münden in den unbändigen Willen der Eltern, dass es das Kind unbedingt auf das Gymnasium schaffen muss ‒ komme, was wolle. Das sind Eltern, die eine fast passionierte Sorge um die Zukunft ihrer Kinder hegen ‒ dabei sollen sie der Jugend doch auch mal ihren Lauf lassen.

Kinostart: 15.01.2015
Regie: Sönke Wortmann
Produktion: Constantin Film, Little Shark Entertainment GmbH
Besetzung: u.a. Gabriela Maria Schmeide, Anke Engelke, Justus von Dohnányi, Ken Duken, Alwara Höfels


Gewinnspiel zum Film

Wir verlosen 3 x 2 Kinokarten für „Frau Müller muss weg”. Beantworten Sie einfach folgende Frage im Magazin-Kommentarfeld:

Welche Erfahrungen haben Sie mit Helikoptereltern?

Teilnahmeschluss ist Sonntag, der 18. Januar 2015, um 24 Uhr. Der Gewinner bzw. die Gewinnerin wird ausgelost und per E-Mail benachrichtigt. Der Gewinn kann nicht als Bargeld ausgezahlt werden und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.



Frau Mueller muss weg klein


Titelbild: © 2014 Constantin Film Verleih GmbH