Lese- und Rechtschreibstörung hängen nicht zusammen

Lange wurden Lernschwierigkeiten im Bereich des Lesens und Schreibens als zusammenhängende Lernstörung verstanden. Eine Studie zeigt, dass Kinder, die unter einer Rechtschreibstörung leiden, andere Defizite im Arbeitsgedächtnis aufweisen als Kinder mit einer Lesestörung.

Unterschiedliche Defizite im Arbeitsgedächtnis

Das Arbeitsgedächtnis ist im Gehirn für das kurzfristige Speichern und Verarbeiten von Informationen zuständig und gilt in der modernen Forschung maßgeblich für das Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen. Eine Studie im Rahmen des Forschungszentrums IDeA (Individual Development and Adaptive Education of Children at Risk) beweist: Kinder mit einer Lesestörung zeigen primär Defizite in dem Teil des Arbeitsgedächtnisses, der die Koordination verschiedener Tätigkeiten gleichzeitig und das Abrufen von Informationen aus dem Langzeitgedächtnis steuert. „Kinder mit einer Rechtschreibstörung haben demgegenüber deutliche Probleme in der Phonologischen Schleife, dem Bereich des Arbeitsgedächtnisses, der für die Verarbeitung sprachlicher Informationen verantwortlich ist”, erläutert die für die Studie mitverantwortliche Wissenschaftlerin Janin Brandenburg.

Neue Diagnosekriterien und Fördermaßnahmen erforderlich

Diese neuen Erkenntnisse ziehen nach sich, dass Lernschwierigkeiten im Bereich des Lesens und des Schreibens deutlicher als bisher als verschiedene Störungen und nicht mehr als Variante derselben Störung betrachtet werden müssen. „Es erscheint erforderlich, offizielle Kriterien zur Diagnose von Lernstörungen zu ergänzen und zu spezifizieren“, so Brandenburg. Neben den Kriterien zur Diagnose ist es nötig, gesonderte Fördermaßnahmen für die einzelnen Störungsbilder zu entwickeln, die sowohl isoliert als auch in Kombination auftreten können.

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465 Kinder wurden mehrere Jahre untersucht

Die Studie beruft sich auf eine mehrjährige Untersuchung von insgesamt 465 Kindern, von denen 365 unterschiedliche Lernschwächen und -störungen aufweisen. Gefördert wurde diese Untersuchung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Forschungszentrum IDeA, welches vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), der Goethe-Universität Frankfurt und dem Sigmund-Freud-Institut gegründet wurde.


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