Martin Kurz und das Facebook-Projekt

Facebook und Schule? Kann das gut gehen? Martin Kurz ist das beste Beispiel dafür, dass das umstrittene Netzwerk den Schulalltag bereichern und erleichtern kann – man muss nur wissen wie.

Der „Facebook-Teacher“

Martin Kurz ist Lehrer an der hessischen Adolf-Reichwein-Gesamtschule in Langen. Er unterrichtet die Fächer Mathe, Physik und Informatik und ist gleichzeitig Leiter des dortigen Realschulzweigs. Als Lehrer, der Facebook für schulische Zwecke nutzt, gehört er jedoch einer seltenen Spezies an. Und so wurde ihm auch schnell der Spitzname „Facebook-Teacher“ verliehen. Doch als solcher sieht er sich selbst nicht. Er fühlt sich zwar geschmeichelt – trotzdem vergisst er dabei nicht, dass das Netzwerk auch seine Tücken hat.

Um seine Schüler gut auf alle Risiken und Nebenwirkungen vorzubereiten, bildet er regelmäßig Jugendliche aus den höheren Klassenstufen zu Medienscouts aus. Diese gehen dann in die jüngeren Klassen, um über die Gefahren im Internet, Datenschutz & Co aufzuklären. Wenigstens die grundlegenden Dinge sollen den Schülern so beigebracht werden. Ist diese Grundlage erst einmal geschaffen, kann Facebook nicht nur unterhaltsam, sondern auch durchaus nützlich sein.

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Warum ausgerechnet Facebook?

Eigene Moodle-Lernplattformen haben mittlerweile viele – so auch die Schule an der Martin Kurz arbeitet. Doch die Schüler schauen nur selten rein. „Die meisten Schüler sind viel häufiger bei Facebook als im Moodle. Deshalb erreiche ich sie dort viel besser“, sagt er. Das war auch der Hauptgrund für ihn, Facebook überhaupt beruflich zu nutzen. Und beruflich heißt hier wirklich beruflich, denn Herr Kurz tritt im Netzwerk nur als Lehrer und nicht als private Person auf. So betont er: „Ich teile auf Facebook nur, was ich auch im Unterricht erzählen würde.“ Und auch Freundschaftsanfragen überlässt er grundsätzlich seinen Schülern.

Wie kann Facebook für die Schule hilfreich sein?

In den auf Facebook erstellten Gruppen klärt Martin Kurz mit seinen Schülern vor allem Organisatorisches. „So ist im Unterricht einfach mehr Zeit für die wichtigen Dinge“, sagt er. Außerdem werden online Hausaufgaben gepostet oder Fotos, Videos und Links geteilt, die für den Unterricht relevant sind. So können sich die Schüler das Plakat, dass sonst nur im Klassenzimmer hängt, auch zu Hause noch einmal anschauen. Martin Kurz wiederum kann in der Gruppe Tafelbilder (vom Smartboard) hochladen.

Die Facebook-Gruppen dienen also vor allem der Organisation und dem Festhalten von Lernmaterialien – oder, wie Martin Kurz sagt, als „Logbuch“. Doch auch die Funktion der privaten Nachrichten nutzt er, um Schülern Fragen zu beantworten oder Organisatorisches abzuklären. Auch Eltern kontaktieren ihn ab und zu auf Facebook. Die schnelle und jederzeit mögliche Verständigung ist für Kurz einer der größten Vorteile des Netzwerks. Er schätzt es sehr, dass er weder zum Austausch mit der Gruppe noch für das Senden privater Nachrichten zwingend mit den Schülern oder Eltern „befreundet“ sein muss.

Nicht das Maß aller Dinge

Keiner soll gezwungen werden, Facebook zu nutzen, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Wer nicht drin ist, verpasst nichts und wird auch sonst nicht benachteiligt – die Aufgaben stehen nach wie vor auch im Unterricht an der Tafel. Trotzdem schätzt Martin Kurz die Anwesenheit seiner Schüler in den Facebook-Gruppen auf etwa 90 Prozent.

Für ihn selbst ist Facebook längst Alltag. Dennoch würde er gerne auf ein sichereres Netzwerk, wie Mahara umsteigen. Das Problem dabei ist nur, dass man die Schüler dann auch dazu bringen muss, regelmäßig dort reinzuschauen. Was aber die Anwesenheit und Aktivität der Schüler angeht, ist Facebook einfach der Spitzenreiter. Solange man einige Dinge beachtet, kann es eine gute Lösung sein – Martin Kurz macht es vor.

Immer noch neugierig? Auf seinem Blog „Widerspiegel“ können Sie mehr über ihn lesen.

Titelfoto: Martin Kurz bei der Arbeit, © Martin Kurz