Neuer Bildungsmonitor: Keine Verbesserung in 2016?

Zum 13. Mal werden die Bundesländer hinsichtlich der Leistungsfähigkeit des Bildungssystems verglichen. Die Studienmacher zeigen sich von den Ergebnissen ernüchtert.

Stagnation und Rückschritt im Gesamtbild

Es sehe düster aus, vor allen Dingen für die Bildungsintegration von Flüchtlingen und für den Lehrernachwuchs. Zu diesem Schluss kommt der Bildungsmonitor 2016, der vom „Institut der deutschen Wirtschaft Köln“ im Auftrag der arbeitgebernahen „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (INSM) angefertigt wird. Die Studienmacher sprechen in ihrer Pressemitteilung von einer Stagnation im Gesamtbild der untersuchten Handlungsfelder für das gesamte Bundesgebiet. Bei den Bildungsabschlüssen ausländischer Schülerinnen und Schüler seien sogar bereits vor der Flüchtlingswelle im Sommer 2015 Rückschritte zu beobachten. Daher forderten sie Mehrausgaben von 3,5 Milliarden Euro für eine verbesserte Bildungsqualität. Außerdem sollten sich die Bundesländer im Wettbewerb gegenseitig mit neuen Ideen befruchten, findet Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der INSM.

Studienergebnisse schwer nachvollziehbar

Aber es ist nicht alles schlecht: Für fast jedes Bundesland lassen sich in einzelnen Kategorien Spitzenwerte und Anstrengungen im Vergleich zur letzten Vergleichsstudie feststellen. In der Pressemeldung zu der am 18. August 2016 veröffentlichten Studie werden verschiedene Bildungsabschnitte miteinander verglichen. Das erschwert hingegen eine konkludente Auswertung. Hamburg z. B. erreicht Spitzenwerte in der internationalen Ausrichtung. Hamburger Schülerinnen und Schüler erzielen aber häufig nicht die Mindestanforderungen in den Bereichen Lesen und Mathematik. Der Folgeschluss anhand dieses Vergleichs bleibt schwer nachvollziehbar. Klar sind hingegen Aussagen, dass in Thüringen die Bildungsausgaben je Schüler bzw. Schülerin hoch und die Betreuungsbedingungen sehr gut seien. Gleichzeitig habe Thüringen jedoch einen sehr hohen Anteil älterer Lehrkräfte, die in den kommenden Jahren schwer zu ersetzen sein werden. Eine allgemeingültige Aussage ist für ein so komplexes Feld wie das Bildungssystem kaum zu treffen.

Gratis Zugang für Lehrkräfte
Jetzt informieren

Lohn und Anerkennung im Einzelnen

Die ausgewerteten 93 Einzelindikatoren wie die Verfügbarkeit von Ganztagsschulen, Betreuungsmöglichkeiten an Schulen oder die Schulabbrecherquote beziehen sich auf dem Zeitraum 2014 / 2015. Für das Vergleichsjahr 2013 konnten sich vor allen Dingen die Bundesländer Saarland (Platz 6), Hamburg (Platz 5) und Niedersachsen (Platz 9) verbessern. Der Erstplatzierte im Gesamtranking, Sachsen, stagniert im Vergleich zum Vorjahr und zeigt sich damit im sogenannten Dynamikranking auf Platz 14. Letztplatzierter Berlin ist im Vergleich zum Vorjahr bei den Verbeserungsbestrebungen auf Platz 5. Vor allen Dingen die Ausgabenpriorisierung (Platz 2), Berufliche Bildung/ Arbeitsmarktorientierung (Platz 3) und Förderinfrastruktur (Platz 4) sind im Verhältnis zu anderen Bundesländern weit oben im Ranking angesiedelt. Je nach Frageschwerpunkt kann sich also ein anderes Bild der bundesdeutschen Bildungslandschaft offenbaren.

Titelbild: © Cherries/shutterstock.com