Peinliche Panne: US-amerikanische Schulbehörde straft Apple und Pearson ab

Alle Schülerinnen und Schüler der USA sollen Zugang zu digitalen Medien erhalten – das versprach US-Präsident Obama 2013 bei Start der Initiative ConnectEd. Dafür wurden millionenschwere Deals vereinbart. Nun trat eine Schulbehörde vom Vertrag zurück – die Schüler blieben ohne Zugang.

Pearson-Software nicht überall verfügbar

Vorige Woche kam es zum Bruch der Schulbehörde LAUSD (Los Angeles Unified School District) mit Apple und Pearson. Die beiden Firmen hatten versprochen, allen 650 000 Schülerinnen und Schülern in Los Angeles iPads mit einer von Pearson entwickelten Software mit Lerninhalten zur Verfügung zu stellen. Die Software schien jedoch bei einem Großteil der Schulkinder nicht zu funktionieren. Trotz mehrmaliger Hinweise der LAUSD an Pearson wurde das Problem offenbar nicht behoben.

Am 15. April 2015 teilte die LAUSD dann mit, dass sie keine iPads mit der vorinstallierten Pearson-Software mehr kaufen werde. Sie erwägt zudem rechtliche Schritte, um eine millionenschwere Rückzahlung von Apple zu erwirken.

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LAUSD blieb unzufrieden

„Obwohl Apple und Pearson eine hochmoderne Lösung für die Umsetzung der ITI (Instructional Technology Initiative) versprochen haben, wurde diese bislang nicht umgesetzt.“ Diese Aussage konnte man dem Brief entnehmen, den der Rechtsanwalt der Schulbehörde, David Holmquist, an den Leiter der Rechtsabteilung von Apple verfasst hatte. Radiomoderator Eric Leonard veröffentlichte einen Auszug bei Twitter:


Anwalt Brief Apple Pearson

Auszug aus dem Schreiben an Apple und Pearson © Foto: Twitter/ Eric Leonard


Das Verhältnis zwischen der Behörde, Pearson und Apple war bereits zuvor angespannt. Es wurde im November 2014 öffentlich, dass der ehemalige Aufsichtsrat der LAUSD, John Deasy, unter Verdacht stand, geheime Absprachen mit den beiden Firmen getätigt zu haben. Nun sind die Geschäftsbeziehungen endgültig zum Erliegen gekommen. Die Schulbehörde von Los Angeles war nach Aussage Holmquists „extrem unzufrieden“.

Digitale Agenda in Deutschland

In Deutschland nahm sich die Bundesregierung mit der „Digitalen Agenda“ ebenfalls vor, finanziell schwache Schülerinnen und Schüler mit einem mobilen Endgerät auszustatten. Außerdem sollte die digitale Bildung an Schulen durch z. B. Breitbandausstattung verbessert werden. Seitdem sind jedoch keine weiteren Schritte in diese Richtung umgesetzt worden. Die Ende 2014 veröffentlichte „International Computer and Information Literacy Study“ (ICILS) bescheinigt deutschen Schulkindern eine nur mittelmäßige Computer- und Medienkompetenz. Eine Sachverständigengespräch im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung kam in der vergangenen Woche ebenfalls zu einem ernüchternden Ergebnis. Es fehle an Lehrplänen, Sicherheitskonzepten und geschultem Personal, so die Meinung der Experten.





Titelbild: shutterstock/Monkey Business Images