Prävention vor Leichtsinn: Der Anti-Drogen-Tag

Das Drogen einen Bestandteil der Lebenswelt von Schülerinnen und Schülern darstellen, kann keiner negieren. Tagtäglich werden Jugendliche und auch Kinder durch ihr Umfeld, durch Werbung, Filme oder falsche Vorbilder mit Suchtmitteln jeglicher Art konfrontiert. Der Grad vom bloßen Informiertsein zum eigentlichen Konsum ist dabei schmal, allein „dank“ der Vielzahl an Zugangsmöglichkeiten und der z. T. gängigen Verharmlosung durch Freundeskreise, Peergroups oder vermeintlich coolere Schülerinnen und Schüler. Eine Lösung, dem Drogenproblem sinnvoll zu begegnen, ist, rechtzeitig darüber aufzuklären. Drogen richtig einzuschätzen lernen, bevor man falsch damit konfrontiert wird! Wir haben den Anti-Drogen-Tag (26. Juni) zum Anlass genommen, einen Einblick zu geben, wie man der Problematik als Lehrkraft im Schulkontext präventiv und im Falle von Verdachtsfällen begegnen kann.

Ob legale oder illegale Suchtmittel ‒ allesamt sind Drogen und keine davon zu verharmlosen. Die Zahlen des Nikotin- und Alkoholkonsums unter Jugendlichen sind Jahr für Jahr besorgniserregend, auch wenn laut neuesten Studien , hier ein Abwärtstrend zu verzeichnen ist. Hinsichtlich der illegalen Drogen steht Cannabis an vorderster Stelle, doch auch Ecstasy, Heroin/Kokain und Amphetamine sind Jugendlichen nicht unbekannt.

Die verheerenden Folgen, die der Drogenkonsum mit sich zieht, sind hinlänglich bekannt, nur oft nicht den jungen „Opfern”, die noch mit Leichtsinn und Neugier ihre Grenzen testen wollen. Dass schulische Leistungen in Mitleidenschaft gezogen werden, ist sicher noch das geringste Übel, wenn man an die gesundheitlichen Schäden denkt. Um naivem Experimentieren Einhalt zu gebieten, sollte Schülerinnen und Schüler rechtzeitig entsprechendes Faktenwissen vermittelt werden ‒ denn: Aufklärung ist die Mutter aller Präventionen.

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Prävention im Schulkontext

Die Schule stellt einen nicht zu unterschätzenden Rahmen im Kontext der Suchtprävention dar. Hier sind Kinder und Jugendliche über mehrere Jahre vereint und erreichbar. Natürlich kann es keine Aufgabe der Lehrkräfte sein, als alleiniger Ansprechpartner allumfassende Prävention zu leisten, aber im Handlungsfeld Schule stellen sie, durch ihren stetigen Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern, einen wichtigen und unablässigen Bezugspunkt dar.

Die größte Verunsicherung unter Lehrkräften herrscht im Zusammenhang mit illegalen Drogen, daher steht die weitere Ausführung auch im Fokus jener nicht frei zugänglichen Suchtmittel, wobei gerade bei Alkohol keine großen Abstriche zu verzeichnen sind.

Bei einer schulischen Suchtprävention sind alle Lehrkräfte gefragt. Der Rahmen von z. B. Klassenkonferenzen ist daher nicht erst bei aufkommenden Verdachtsfällen für präventive Maßnahmen zu nutzen. Dort kann man Regelungen für die Suchtprävention erarbeiten und entsprechende Aufgaben unter den zuständigen Lehrkräften verteilen. Um einer qualitativ guten und richtigen Prävention nachkommen zu können, sollten Fortbildungen besucht und mit aktuellen Materialien gearbeitet werden, die u.a. von den Initiativen „Keine Macht den Drogen” oder „Sag Nein zu Drogen” angeboten werden (u. a. auch bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der Landesstelle für Suchtfragen erhältlich).

Verhalten in Verdachtsfällen

Sollten Sie als Lehrkraft bei einem Ihrer Schüler ein auffälliges Verhalten bemerken, welches auf den Konsum von Suchtmitteln schlussfolgern lässt, sollten Sie ein Einzelgespräch mit dem Betreffenden aufsuchen und eine Erklärung einfordern. Wichtig ist, zuzuhören und nicht vorschnelle Entschlüsse zu ziehen. Sollte sich der Verdacht jedoch bestätigen, sollten Sie denjenigen damit konfrontieren, aber ohne dabei in der Funktion des ‘Beweisenwollens’ zu handeln. Wichtig ist auch, die Eltern zu informieren und beide Seiten über Ordnungmaßnahmen aufzuklären. Zudem sollten Sie es nicht bei einer Zusammenkunft belassen, sondern weitere Gespräche in Aussicht stellen.

Sollte man sich hingegen vertraulich an Sie wenden, sollten Sie damit vorerst auch vertraulich umgehen. Was nicht die Pflicht ausschließt, der Sie als Lehrerin oder Lehrer unterstehen, alle Hinweise hinsichtlich eines Missbrauchs illegaler Drogen ernst zu nehmen und der Schulleitung bekannt zu machen. Sollte sich der Drogenmissbrauch bestätigen, sind auch hier die Eltern zu informieren, ebenso auf streng vertraulicher Basis, so dass dem entsprechenden Schüler keine schulischen oder persönlichen Nachteile entstehen. Streitet der Schüler den Ernst der Lage ab, zeigt sich uneinsichtig und ist nicht zu einer Kooperation bereit, müssen Ordnungsmaßnahmen eingeleitet werden. Sollte der Drogenmissbrauch besonders schwer ausfallen, muss die Polizei hinzugezogen werden. Ist von Seiten des Betroffenen hingegen Einsicht gewährleistet, ist er dazu verpflichtet, eine Suchtberatungsstelle aufzusuchen, gern auch unter Hilfestellung eines Vertrauenslehrers.

Die Zusammenarbeit mit den Eltern

Die bisher aufgeführten Hinweise haben bereits deutlich gemacht, dass die Kooperation mit den Eltern wichtig und notwendig ist. Wie bei anderen Regelverstößen auch ist die Information und anschließende Kooperation mit den Eltern unabdingbar. Darüber hinaus sollten Eltern auch über die präventiven Maßnahmen informiert werden. Bei der Landesstelle für Suchtfragen, den Suchtberatungsstellen und Fachstellen für Suchtprävention kann Unterstützung für Elternabende etc. eingeholt werden. Ebenso wie die Schülerschaft wollen Eltern in Maßnahmen einbezogen werden, was deren Transparenz erfordert. Regelungen, die einzig von oben herab getätigt werden, bergen Oppositionsherde und tragen nicht zu einer gelungenen Umsetzung entsprechender Notwendigkeiten bei (diese und weiterführende Informationen können Sie dem Leitfaden der Gemeinnützigen Initiative „Keine Macht den Drogen” entnehmen).

Weitere Möglichkeiten

Suchtmittelprävention ist eine komplexe Thematik, die sich nicht einfach neben dem Unterricht bewerkstelligen lässt. Daher könnte man die Möglichkeit ergreifen, eine Projektwoche dazu anzusetzen oder für einen bestimmten Zeitraum nach dem Konzept des fächerübergreifenden Unterrichts zu arbeiten. Um einen dauerhaften Zugriff auf die Ergebnisse zu gewährleisten, könnten entsprechende Projektmappen oder Ausstellungen erarbeitet werden. Im Rahmen dieser Maßnahmen ist es auch immer sinnvoll, Experten einzubeziehen. Mediziner, Juristen, die Polizei oder Psychologen sind versierte Ansprechpartner auf diesem Gebiet, die bei Projekten solcher Art hilfreich und motivierend zur Seite stehen können.

Prävention so früh wie möglich

Suchtprävention im schulischen Kontext erfordert eine hohes Maß an Sensibilität, nicht zuletzt, weil auch immer damit gerechnet werden muss, dass es Jugendliche gibt, die bereits Erfahrungen mit Alkohol, Zigaretten und auch illegalen Drogen haben, oder empfänglich dafür sind. Die Lehrpläne verschiedener Bundesländer sehen ein Projekt zur Drogenprävention in Klasse 8 bis 10 vor, was als Erstaufklärung, auch nach Aussagen vieler Schülerinnen und Schüler in entsprechenden Umfragen und Studien, zu spät ist. Daher wird auch von den Aufklärungsinstitutionen empfohlen, Prävention, soll sie wirklich präventiv wirken, früher anzusetzen.

Weitere Informationen, Materialien etc. zur Thematik gibt es u. a. bei:

Verein für Drogenprävention: „Sag nein zu Drogen. Sag Ja zum Leben.”
und dem Gemeinnützigem Förderverein: „Keine Macht den Drogen – Aktiv gegen Sucht und Gewalt”

Foto: ©Brandon Bourdages/shutterstock.com