„Rent-a-Teacherman” – ein Bremer Uni-Projekt für mehr Männer an Grundschulen

Nur etwa jeder Zehnte der Grundschulpädagogen ist ein Mann. Ein Bremer Uni-Projekt will sich nicht damit abfinden, dass Grundschulen eine Frauendomäne geworden sind und vermittelt deswegen Lehramtsstudenten an „männerfreie” Schulen. Außerdem soll mit dem Projekt das Berufsimage der Grundschullehrer aufpoliert werden, erklärt Bildungswissenschaftler Dr. Christoph Fantini mit uns im Gespräch.

Von 40 auf zwölf Prozent ist seit Mitte der 1980er Jahre die Anzahl männlicher Lehrkräfte an Grundschulen in Deutschland gesunken. Im Bremer Durchschnitt unterrichten nur 1,3 männliche Lehrer pro Grundschule, an 17 Schulen arbeiten ausschließlich Frauen. Damit jede Grundschule zumindest einen männlichen Pädagogen hat, kam Fantini auf die Idee, Lehramtstundenten an „männerfreie” Schulen zu vermitteln.

Mehr Vielfalt

Warum ist es so wichtig, dass sowohl Männer als auch Frauen an Grundschulen unterrichten? Was machen Männer anders? „Sie machen nichts anders und auch nichts besser. Es geht einfach darum, weibliche und männliche Rollenbilder und Identifikationsfiguren zu haben”, sagt Fantini. Mit Lehrern können Schüler z. B. besser über typische Jungsthemen reden. Es gehe aber auch um ganz simple Dinge, erklärt Student Hauke Heemann in einem Interview mit der ZEIT: „Beim Sportunterricht muss jetzt nicht mehr die Lehrerin in die Jungsumkleide, das kann ich machen. So bleibt die Intimsphäre gewahrt.”

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Ein anderer „Teacherman” war bereits mit seiner Grundschule auf Klassenfahrt und dabei nicht nur für die Belange der Jungs zuständig. „Klar, ich habe ein Fußballturnier organisiert, aber genauso selbstverständlich habe ich abends vor dem Einschlafen aus einem Buch vorgelesen”, erzählt Julian Cirkovic dem Magazin Schule. Im Sexualkundeunterricht war er aber für die Jungen zuständig und eine Lehrerin für die Mädchen. So brauchte keine Schülerin und kein Schüler falsche Scham haben.

Image aufpolieren

Warum lassen sich so wenige Männer als Grundschullehrer ausbilden? Als Grund wird oft das Einkommen genannt, das niedriger als an weiterführenden Schulen ist. Doch daran alleine kann es nicht liegen. Immerhin bietet der Beruf familienfreundliche Arbeitszeiten und eine sichere Perspektive. Das Problem sei das Image, glaubt Fantini. „Den meisten ist nicht klar, dass nicht nur gesungen und gebastelt, sondern auch wertvolle pädagogische und didaktische Erziehungsarbeit geleistet wird”, so der Bildungswissenschaftler. „Es ist in gewisser Weise auch ein politischer Job. Die Zusammenarbeit mit kulturell heterogenen Elternschaften steht im Mittelpunkt.”

„Rent-a-Teacherman” ist allerdings nur eine temporäre Lösung, um mehr Männer an Grundschulen zu bekommen. Die Studenten, die an Grundschulen vermittelt werden, haben sich bereits zu Beginn ihres Studiums für einen Schulzweig entschieden und können nur schwer und mit viel Zeitverlust ihren Schwerpunkt ändern. Deswegen wollen Fantini und seine Kollegen und Kolleginnen mit der Initiative „Männer an die Grundschulen” das Image der Grundschullehrer aufpolieren und Jugendliche und junge Männer bereits vor Beginn ihres Studiums für den Beruf begeistern. “Interessanterweise haben 80% der Grundschullehrer und Grundschullehramtstudenten vorher schon mit Kindern zusammengearbeitet, entweder als Zivi, in Freizeitgruppen, Praktika, etc .. Sie haben gesehen, wie anspruchsvoll die Arbeit mit Kindern sein kann. Deswegen wären Praktika für Schüler sehr sinnvoll”, meint der Bildungswissenschaftler.

Erfolgreiche Kampagne zum Nachmachen

Im Moment gibt es „Rent-a-Teacherman” nur in Bremen. Fantini ruft aber dazu auf, es ihm nachzumachen. „Das Projekt kann und muss deutschlandweit stattfinden. Es braucht nur zwei, drei Organisatoren, die sich zusammentun und ein bisschen Geld.” Die Initiative wird vom Bremer Bildungssenat mit 10.000 € pro Schuljahr gefördert. Das reicht für zehn Studenten, die jeweils zehn Stunden im Monat an zehn verschiedenen Grundschulen arbeiten.

Obwohl „Männer an die Grundschulen” und „Rent-a-Teacherman” erst seit 2010 bzw. 2012 laufen, trägt die Kampagne bereits Früchte. Im letzten Jahr verzeichnete die Universität Bremen das erste Mal wieder einen Zuwachs an männlichen Studenten im Grundschullehramtsstudium.

Titelbild: © oliveromg/Shutterstock.com