Schlechte Note für Schulkantinen! Zu viel Fleisch, zu wenig Gemüse

Die Ernährungspyramide kennt fast jedes Kind, doch an den Schul-Caterern scheint sie (fast) spurlos vorbeigegangen zu sein. Denn die Mehrheit der Schulkantinen tischt Kindern und Jugendlichen ungesundes Essen auf. Zu viel Fleisch und zu wenig Gemüse lautet das Urteil einer Studie vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

Den Kindern schmeckt’s, der DGE dagegen nicht


Ernährungspyramide

Ernährungspyramide laut DGE

Pizza, Pommes, Pasta & Co. zählen zum Lieblingsessen der meisten Kinder. Da sind die 12 000 Schülerinnen und Schüler, die für die Studie befragt wurden, keine Ausnahme. Dementsprechend sind drei Viertel von ihnen mit dem Angebot ihrer Schulkantine zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Anders sieht das bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) aus. Ihr stößt das Mensaessen sauer auf. Zu unausgewogen und einseitig seien die Gerichte.

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Laut der DGE sollen Gemüse und Salat täglich auf den Teller. Fleisch soll höchstens zweimal die Woche serviert werden, Seefisch mindestens einmal. Doch die Realität der Schulspeisepläne sieht anders aus: Nur 6,5 Prozent des Mensaangebots entspricht den DGE-Richtlinien.

In 80% der Schulen bekommen Kinder und Jugendliche häufiger als zweimal die Woche Fleisch vorgesetzt und nur in etwa zwei Drittel der Fälle gibt es täglich Gemüse. Seefisch wird selten aufgetischt. Lediglich etwas mehr als die Hälfte der Schulkantinen bieten regelmäßig Fischgerichte an.

Zu wenig Zeit, zu wenig Auswahl


Ernährungspyramide Angebot Schulkantine

So in etwa sieht das Angebot in Schulkantinen aus

Neben einem unausgewogenen Speiseplan kritisiert die Studie, dass die Schülerinnen und Schüler zu wenig Zeit zum Mittagessen hätten. In nur 39% der Schulen dauert die Mittagspause länger als 45 Minuten, wie es die DGE empfiehlt. Das Essen wird allzu oft heruntergeschlungen.

Ein weiterer Kritikpunkt der Erhebung ist das einseitige Mittagsmenü. Lediglich in jeder dritten Grundschule und fast jeder zweiten weiterführenden Schule gibt es zwei Gerichte zur Auswahl. Immerhin bietet fast die Hälfte aller Mensas eine vegetarische Alternative an.

Obwohl der Großteil der Schülerinnen und Schüler zufrieden mit dem angebotenen Essen ist, würde sich ein Fünftel der befragten Kinder und Jugendlichen wünschen, an der Speisenauswahl beteiligt zu sein und hätten auch nichts dagegen, aktiv in der Schulkantine zu werden, sei es den Tisch zu decken und abzuräumen oder Getränke einzuschenken.

Schulverpflegung soll Bestnoten erzielen

Studie

Für die Studie zur Schulverpflegung wertete die Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften bundesweit 760 Speisepläne aus, befragte mehr als 1500 Schulleitungen, 212 Schulträger und über 12 000 Schülerinnen und Schüler.

„Vieles hat sich in den letzten Jahren verbessert: Salatbuffets gehören bereits bei einem Drittel der Schulen zum Standard, mehr als zwei Drittel bieten kostenlose Getränke an. […] Dennoch sind die Herausforderungen nach wie vor groß. Die Vielfalt des Angebots und die Qualität des Schulessens können deutlich verbessert werden‟, teilte die wissenschaftliche Leiterin der Studie, Professor Dr. Ulrike Arens-Azevedo, bei der Veröffentlichung der Ergebnisse mit. Und auch Bundesernährungsminister Christian Schmidt sieht Verbesserungsbedarf: „Unser Ziel muss es sein, bei der Schulverpflegung im positiven Sinne ein Streber [zu werden]. Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder in der Schule etwas Vernünftiges zu essen bekommen.”

Damit Schulkantinen bald Bestnoten erzielen, startet das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine Qualitätsoffensive. Lesen Sie bald hier, wie das Schulessen verbessert werden soll und welche Vorschläge Verbraucherschutzorganisationen dazu haben.

Titelbild: ©Monkey Business Images/Shutterstock
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