Schule mit Medienverbot – was Schüler dagegen tun

Medien verboten? Wie soll das denn gehen – und warum sollte man so etwas tun? Für die Schülerinnen und Schüler der Theodor-Storm-Schule in Husum ist es verboten Handys, Mp3-Player, Laptops oder Tablet-PCs in der Schule zu benutzen – auch während der Pausen oder Freistunden. Lediglich in einem Glaskasten von weniger als 20 Quadratmetern dürfen die Geräte gezückt werden. Die Schulleitung hofft so Cyber-Mobbing zu verhindern. Das ein solches Verbot dafür nötig ist, bezweifeln nicht nur die Schüler – auch manche Lehrkräfte halten es schlicht für nicht durchsetzbar. Seit der Einführung arbeitet die Schülerschaft daran, das Verbot zu kippen. Schritt für Schritt, aber mit Erfolg.

Der Anfang vom Ende

Bei der Schulkonferenz im Mai 2010 wurde die neue Hausordnung vorgestellt. Darunter ein Paragraph, bei dem den anwesenden Schülervertretern glatt die Gesichter entgleisten:

„3.2. Die Nutzung elektronischer Medien jeglicher Art ist grundsätzlich für Schülerinnen und Schüler auf dem gesamten Schulgelände untersagt. Damit ist auch das Anfertigen von Bild- und Tonaufnahmen nicht gestattet.“

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Das war der Stand der Dinge vor knapp drei Jahren. Unterdessen wurde das Verbot mehrfach gelockert. So läuft momentan eine Testphase, in der die Schülerinnen und Schüler auch in der Pausenhalle und der Mensa Smartphone und Co. benutzen dürfen. Bild- und Tonaufnahmen sind aber nach wie vor verboten. Im November wird dann entschieden, ob diese Regelung weiter bestehen darf.

Hinter Glas

Vor der Lockerung mussten die Schülerinnen und Schüler, die ein elektronisches Gerät benutzen wollten, in den Glaskasten verschwinden ‒ mit nur einer Steckdose ausgestattet und kaum Empfang. Kein idealer Ort zum Surfen und Telefonieren, dementsprechend schlecht war das „Mediengefängnis“ auch besucht. Stattdessen wurde das Handy doch lieber schnell im Klassenzimmer rausgeholt.

„Da viele Lehrer mit dem Verbot eher locker umgehen, ist das auch kein großes Problem“, sagt Schülervertreter Michel Schröder. Doch eine handvoll von ihnen hält sich genauestens an das Verbot. Bei mehrfachen Verstößen drohen den Schülern sogar Verweis oder Ausschluss von Klassenfahrten. „Doch solche Strafen kommen mittlerweile kaum noch vor“, erklärt Michel.

Unter Verdacht

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Poster, © Julius Neu

Mobbing ist ein ernstzunehmendes Problem – das sehen auch die Mitglieder der Schülervertretung so. „Cyber bedeutet aber nicht schlimmer“, sagt Michel. „Mobbing passiert leider überall – auch außerhalb der Schule.“ Daran hat sich seiner Meinung nach auch mit dem Verbot nichts geändert. Wer mobben will, der schafft das auch so. Die Schülerinnen und Schüler fordern, dass mit Hilfe von Aufklärung, Prävention und Aktionen gegen Mobbing vorgegangen wird – und nicht durch Verbote, die jeden unter Generalverdacht stellen. Die neuen Medien sind heute kaum noch wegzudenken und der richtige Umgang mit ihnen sollte möglichst früh und praxisnah gelernt werden – eben in der Schule.

Gespräch gesucht

Seit das Verbot eingeführt wurde, sucht die Schülervertretung immer wieder das Gespräch mit der Schulleitung, den Lehrkräften und Eltern. Einige Lehrkräfte, die ohnehin nicht ganz vom Medienverbot überzeugt waren und selbst gerne die neuen Medien nutzen, verrieten der Schülervertretung Tipps für gute Argumente. Nach den ersten Lockerungen des Verbotes gaben die Schülerinnen und Schüler noch mehr Gas: Infobroschüren, Plakate und Protestaktionen folgten.

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Protestaktion, © Alexander Schulz-Falkenhain

Da Michel Schröder fleißig zum Thema bloggt und sogar bei der re:publica dazu gesprochen hat, bekommt das Verbot viel Aufmerksamkeit in den Medien. Da das kein besonders gutes Licht auf die Schule wirft, ist die Schulleitung seitdem viel kooperativer. „Es geht uns auf keinen Fall darum, irgendjemanden zu erpressen. Aber wenn die Aufmerksamkeit dazu beiträgt, dass man gemeinsam an einen Verhandlungstisch kommt, hat es sich schon gelohnt“, stellt Michel klar.

Wie es weiter gehen soll

Im November wird sich herausstellen, ob die Testphase erfolgreich war und die Nutzung der Medien in Pausenhalle und Mensa weiter erlaubt bleibt. Doch für Michel hat sich die Sache damit noch nicht erledigt. Er wünscht sich, dass seine Schule in Zukunft mehr digitalen Mut beweist. Die Schulleitung sollte keine Angst vor den neuen Medien haben, sondern sie in den Unterricht einbinden und den Schülern so die nötige Kompetenz vermitteln, gut damit umzugehen.

Titelfoto: Schülervertreter Michel Schröder, © Thomas Lorenzen