Schulen im WM-Fieber: Unterricht darf während WM später beginnen

Kleine Fußballfans dürfen morgens während der Fußballweltmeisterschaft länger schlafen, das haben die Kultusministerien von acht Bundesländer beschlossen. Wann der Unterricht beginnt, können Schulen selbst entscheiden. Einige Bundesländer lehnen die Unterrichtsverlegung allerdings ab, die Schülerinnen und Schüler müssen trotz später Anstoßzeiten pünktlich zur ersten Stunde da sein. Wie sieht es an Ihrer Schule aus und was halten Sie von dem späteren Unterrichtsbeginn?

Sommermärchen für acht Bundesländer

Schulen in acht Bundesländern dürfen den Unterricht nach hinten verlegen, so lange die versäumten Stunden nachgeholt werden. Ob und wann der Unterricht zur WM in Berlin, Brandenburg, Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen, Sachsen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen beginnen soll, liegt in der Verantwortung der Schulen, gaben die Bildungsbehörden bekannt. Eine Sonderregelung oder besondere Erlaubnis sei nicht nötig.

Sieben rote und eine gelbe Karte

Eine rote Karte für eine Unterrichtsverlegung gibt es dagegen für Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein, bestätigte die KMK-Präsidentin Sylvia Löhrmann der Bild.

Gratis Zugang für Lehrkräfte
Jetzt informieren

Schülerinnen und Schüler in Hessen dürfen auf das Achtelfinale hoffen. Wenn die deutsche Nationalmannschaft die Vorrunde schafft, haben Schulen in Hessen Spielraum, den Unterrichtsbeginn zu verschieben.

Fußball „nur eine Nebensache”

Obwohl es die Kultusministerien erlauben, haben einige Schulen sich gegen eine Unterrichtsverlegung ausgesprochen. So müssen Kinder und Jugendliche z. B. im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen pünktlich zur ersten Stunde im Klassenzimmer sitzen. „Wie heißt es so schön? Fußball ist die schönste Nebensache der Welt! Aber eben nur eine Nebensache‟, begründet Schulleiter Rainer Beha seine Entscheidung. Auf die WM werde aber trotzdem Rücksicht genommen. So werden Klassenarbeiten nicht in die erste Schulstunde gelegt, wenn Deutschland am Abend zuvor spielt.

Logistische Planung – WM und Schule

Ein späterer Unterrichtsbeginn benötigt allerdings viel logistische Planung. Vor allem in ländlichen Gegenden ist der Schulbeginn perfekt auf den Schulverkehr abgestimmt. Busse kommen morgens oft nur einmal, um die Kinder von den Dörfern zur Schule zu bringen und auch der Nachmittagsverkehr ist mit dem Unterrichtsende getimed. In solchen Fällen bietet es sich an, den Unterricht flächendeckend um eine Stunde nach hinten zu verschieben, wie es wohl in Brandenburg der Fall sein wird.

Für welche Spiele?

Dass der Schulalltag während der gesamten WM nach hinten verlegt wird, ist unwahrscheinlich. Denn vor allem geht es um Spiele der deutschen Fußball-Elf. Die spielt allerdings häufig gar nicht so spät. In der Vorrunde ist entweder um 18 oder 21 Uhr Anpfiff. Anders würde es dann ab dem Achtelfinale werden. Da geht es immer erst um 22 Uhr los.

Doch wie sieht es für Schüler und Schülerinnen anderer Fußballnationen aus? An Schulen mit einem hohen Anteil von Kindern aus Kroatien oder Bosnien z. B. müssen die Schulkonferenzen von Fall zu Fall entscheiden. Die Türkei ist bei der WM nicht dabei.

Wie steht es an Ihrer Schule?

Viele Schulen können also individuell entscheiden, ob der Unterricht nach hinten verlegt wird und wann er beginnen soll. Wie sieht es an Ihrer Schule aus? Dürfen fußballbegeisterte Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte ausschlafen?


Update 10.06.2014: Bayern hat einen späteren Unterricht mittlerweile abgelehnt. Auch Lehrerverbände haben sich gegen Fußball-Ausnahmen ausgesprochen. Mehr dazu finden Sie in unserem Artikel WM: Bayern, Lehrerverbände und Schulleiter lehnen späteren Unterrichtsbeginn ab


Titelbild: © Alexandru Cristian Ciobanu/Shutterstock