Smartphones für alle – Große Koalition will SchülerInnen mobile Endgeräte schenken

Auch wenn während der langen Verhandlungen der Großen Koalition viele Themen ausgeschlachtet und viele Kämpfe ausgefochten werden mussten ‒ in einem Punkt waren sich Union und SPD schnell einig: Die Digitalisierung besonders an Schulen in Deutschland muss vorangetragen werden. So will die Koalition, laut Abschlusspapier der Arbeitsgruppe „Digitale Agenda”, jedem Schüler und jeder Schülerin in Deutschland ein Smartphone oder ein Tablet-Computer schenken, wie die Welt berichtet.

Laut PISA liegt Deutschland im Bereich „Lernen mit digitalen Medien” im internationalen Vergleich weit hinten. Wie schon die Kommissarin für Bildung, Kultur und Jugend, Androulla Vassiliou, aufklärte, sei der „Klassenraum des 21. Jahrhunderts” papierlos. Davon seien die Bildungsorte hierzulande noch weit entfernt. Dass uneingeschränkt jeder Schülerin und jedem Schüler ein mobiles Endgerät zur Verfügung stehen soll, scheint also ein Schritt in die richtige Richtung zu sein, oder etwa nicht?

Ein wichtiger Schritt in Richtung Lernen 2.0?

Der rountinierte Umgang mit Tabletts und Smartphones stellt heutzutage eine unabdingbare Voraussetzung für den zukünftigen Arbeitsmarkt dar. Laut Vassiliou werden im Jahr 2020 in 90 % der Jobs digitale Fähigkeiten gefordert sein. Die Schülerinnen und Schüler müssen folglich auf diese Entwicklung optimal vorbereitet werden, damit Deutschland europaweit wettbewerbsfähig bleibe, so die Kommissarin für Bildung, Kultur und Jugend.

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Doch mit einem „Hier hast du ein Smartphone und nun eigne dir damit digitales Know-How an!” ist es nicht getan. Nach der Veröffentlichung des Plans wurden schon erste Stimmen laut, dass eine solche Maßnahme nur sinnvoll wäre, wenn das größtenteils noch analoge Schulsystem Richtung digitalem Unterricht weitergedacht werden würde: Das Zauberwort ist E-Learning. Damit wäre ein sinnvolle Einbringung der mobilen Endgeräte gewährleistet und Deutschland würde dem papierlosen „Klassenzimmer des 21. Jahrhunderts” ein paar Schritte näher kommen.

Andernfalls jedoch könnte der Besitz eines Smartphones im Unterricht zu einem wichtigen Ablenkungsherd werden und einen noch krasseren Medienbruch zwischen analogem Lernen in der Schule und einem digitalen, außerschulischen Alltag bei den Schülerinnen und Schülern hervorrufen.

Und wer zahlt?

Oftmals wird die Frage der Finanzierung als Grund am Mangel digitaler Ausstattung in den deutschen Bildungszentren genannt. Diese ist jedoch auch, nachdem das „Recht auf ein Smartphone” in der Arbeitsgruppe „Digitalen Agenda” beschlossen wurde, noch nicht geklärt:
Schätzungen zufolge wird das Vorhaben, jeder und jedem der 11 Millionen in Deutschland lebenden Schülerinnen und Schüler ein Smartphone oder ein Tablet-Computer zur Verfügung zu stellen, rund eine halbe Milliarde Euro jährlich kosten, so die Welt. Wer die vielen mobilen Endgeräte zahlen soll, steht noch in den Sternen und damit das Vorhaben noch unter Finanzierungsvorbehalt.

Noch mehr digitale Pläne

Weitere Maßnahmen niedergeschrieben auf dem Abschlusspapier der „Digitalen Agenda” wirken wie ein Widerspruch zur „Smartphoneverschenkung” oder aber wie eine weise Voraussicht: Eine verstärkte Bekämpfung von Cybermobbing und Internetsucht. So sollen Mobbingvorfälle im Netz leichter zur Anzeige gebracht werden können und Suchtberatungsstellen sowie der Schutz der Privatsphäre ausgebaut werden.

Darüber hinaus solle, laut Welt, basierend auf einem „bildungs- und forschungsfreundliche[n] Urheberrecht” gemeinsam mit den Ländern, die „digitale Lehrmittelfreiheit” verstärkt werden.

Alle Maßnahmen seien jedoch noch von der großen Koalitionsrunde abzusegnen. Somit bleibt spannend, wie sich die Dinge am Ende wirklich entwickeln.

 

Titelbild: ©shutterstock.com/Sergey Novikov