Sonntag ist Mutmachtag: Die Wochenendschule aus Amsterdam

Kinder brauchen Motivationen, um eigene Zukunftspläne zu schmieden. Aber was ist, wenn die Motivation an allen Ecken fehlt, wenn Eltern keine Vorbilder sind oder sein können und das Umfeld eher demotiviert? Dann ist es schwer zu träumen, sich Erfolgsgeschichten auszumalen und an sich selbst zu glauben. Die ZEIT (Nr. 22) berichtet von einer Psychologin aus Amsterdam, die eine Studie in einem Amsterdammer Problemviertel durchgeführt hat und diese Missstände sie nicht nur haben träumen lassen, dagegen etwas zu tun.

Heleen Terwijn hat vor über 15 Jahren das Projekt „Wochenendschule“ („Weekendschool”, oder auch „Sonntagsschule” genannt) ins Leben gerufen. Nachdem sie die Motivation von Kindern aus dem Amsterdammer Problemviertel Zuidoost erforschte und drei Jahre lang Schülerinnen und Schüler im Alter von acht bis 16 Jahren begleitet hat, stellte sie fest, dass der Unterricht in diesem, dem ersten großen Immigrantenviertel der Niederlande, nicht ausreicht, die Schülerinnen und Schüler hinlänglich auf das Berufsleben vorzubereiten. Vor allem fehle es ihnen an grundlegenden Zukunftsperspektiven und das nicht zuletzt, weil die Vielzahl der Kinder an geringem Selbstwertgefühl sowie Depressionen litten und große Schwierigkeiten darin hatten, sich zu integrieren. Keines der Kinder hatte Wünsche, Visionen oder glaubte daran, mal erfolgreich zu sein. Doch wer sich selbst verwirklichen will, muss auch erstmal wissen, welche Möglichkeiten zur Verwirklichungen gegeben sind – so die Konsequenz der Psychologin, die sie aus ihren Forschungsergebnissen zog und welcher sie so nicht länger hinnehmen wollte.

Ein Ort der Möglichkeiten

Terwijin beschloss, einen Ort zu etablieren, an dem sozial benachteiligten Kindern mögliche Zukunftsperspektiven aufgezeigt werden. Ein Ort, an dem Erwachsene mit Begeisterung von ihren Berufesleben erzählen, was Kinder ermutigen und auch ihr Selbstwertgefühl stärken solle. Das Konzept einer Sonntagsschule stand und die Umsetzung ließ nicht lange auf sich warten. Die Anfänge am eigenen Küchentisch waren mit dem Einstieg des Niederländischen Finanzdienstleisters „International Market-Makers Combination (IMC)” passé und das Projekt konnte richtig durchstarten.

Gratis Zugang für Lehrkräfte
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Kinder, die an der Wochenendeschule teilnehmen, lauschen jeden Sonntag einem Erwachsenen, was dieser von seinem spannenden Berufsleben zu berichten hat, wie der Alltag darin abläuft und was notwendig ist, diesen Beruf zu ergreifen. Doch mit Zuhören allein lässt sich kein umfassender Einblick in die verschiedenen Berufswelten vermitteln. Daher beinhaltet das Programm auch Exkursionen in die Berufspraxis.

Finanziert wird das Ganze durch Sponsoren, Stiftungen und ehrenamtliches Engagement. Die Wochenendschule ist für Schülerinnen und Schüler kostenlos. Sie kommen aus den sozial schwächsten Schulen der Stadt und werden nicht nach Noten, sondern nach Engagement und Interesse ausgewählt, schließlich läuft das Projekt ganze drei Jahre. Dafür muss die Motivation also schon da sein. Und die Motivation, eigene Zukunftspläne zu schmieden und an sich zu glauben, soll mit der Konfrontation beruflicher Biographien wachsen.

Hong-Kong, Brüssel, Berlin?

In den Niederlanden gibt es bisher neun Wochenendschulen, bis nach Hong-Kong und Brüssel haben es Partnerschulen geschafft und die Expansion nach Deutschland und Frankreich ist bereits in Planung.

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Titelbild: ©alphaspirit/shutterstock.com