„Stellt euch vor, es ist Schule und alle Kinder wollen hin!”

Alma, Jamila und Lara-Luna gehen in die achte und neunte Klasse der Evangelischen Schule Berlin Zentrum. Mit Ihrem Buch Wie wir Schule machen. Lernen, wie es uns gefällt zeigen die drei auf, wie eine Schule aussehen muss, damit Schülerinnen und Schüler dort gerne lernen.

Schüler sind die besseren Bildungsexperten

Wird ein Schüler oder eine Schülerin gefragt, wie er oder sie die Schule verändern würde, wären die Antworten wahrscheinlich in 95 von 100 Fällen: „Die Noten abschaffen!”, „Nicht nur herumsitzen und zuhören!” und „Nur das lernen, was einen wirklich interessiert!”. Nicht selten werden diese Forderungen als nicht umsetzbare Kinderwünsche von der Hand gewiesen oder die Ernsthaftigkeit dieser Aussagen schon im Keim erstickt. Aber die 13-jährige Alma, die 14-jährige Jamila und die 15-jährige Lara-Luna haben eigentlich Recht, wenn sie behaupten, die Kinder und Jugendlichen, die tagein, tagaus in die Schule gehen, seien die Bildungsexperten Deutschlands. Denn sie wissen, was sie lernen wollen und was Schulen bieten müssen, damit Schülerinnen und Schüler gerne hingehen.

Ein Buch von Schülern für Schüler, Lehrer, Politiker …

Also haben sich die drei auf Nachfrage ihrer Schulleiterin Frau Rasfeld und mit Hilfe des Journalisten Uli Hauser hingesetzt und ein Buch darüber geschrieben. Nicht weil sie Überflieger, hochbegabt oder besonders gute Schreiberinnen seien, wie sie gleich im ersten Kapitel betonen, sondern, weil sie ein Buch über Schule schreiben können, wie wahrscheinlich alle anderen Schülerinnen und Schüler ebenfalls. Die Wünsche von den drei Bildungsexpertinnen unterscheiden sich dabei kaum von den bereits bekannten. Das Besondere aber ist, dass sie Hand und Fuß haben. Das heißt, sie werden bis ins Detail ausgeführt, sie sind logisch durchdacht und mit Beispielen gespickt. Und sie werfen Fragen auf: „Sind Leute, die überall immer eine Eins schreiben, besser gewappnet für später?”

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Warum eigentlich Noten?

Wie wir Schule machen

Wie wir Schule machen © Knaus Verlag

Noten z. B. werden seit Jahrhunderten als Gegebenheit hingenommen und in den meisten Fällen nicht weiter hinterfragt. Aber betrachtet man eine Note etwas genauer, wird einem bewusst, dass eine Note nur eine Zahl ist – eine Zahl von eins bis sechs, die eine Leistung eines Schülers oder einer Schülerin in einem bestimmten Bereich bewerten soll. Die drei Autorinnen Alma, Jamila und Lara-Luna „[…] finden es schlimm, dass es für alles, was man in der Schule tut, Noten gibt”. Und sie haben auch einen triftigen Grund: „Da geht jemand ein ganzes Jahr in die Schule und denkt, es geht vielleicht um ihn. Und dann stehen da Zahlen von eins bis sechs.” Aber auf dem Zeugnis steht „[ü]ber ihn selbst: nichts. Wie er so wirkt. Über seinen Charakter. Was er so macht. Seine Persönlichkeit: null, nada, niente”. Die Empörung der drei Schülerinnen ist spürbar und nicht nur an dieser Stelle schaffen sie es, mit ihrer sympathischen Schreibe und mit ihrem ehrlichen und natürlichen Ton einen zum Nachdenken zu bewegen.

ESBZ macht es anders

Natürlich stammen die von den drei Autorinnen angeführten Beispiele aus ihrem eigenen Schulalltag, von dem sie begeistert scheinen und den sie auch allen anderen Schülerinnen und Schülern in Deutschland wünschen. Alle drei gehen auf die Evangelische Schule Berlin Zentrum (ESBZ) und diese Schule ist „nicht wie andere” und auch „Frau Rasfeld ist keine gewöhnliche Schulleiterin”. An ihrer Schule gibt es beispielsweise bis zur achten Klasse keine Noten, alle Schülerinnen und Schüler lernen in Lernbüros und schreiben nur dann Tests, wenn sie dafür bereit sind. Verantwortung zu übernehmen, Loben zu lernen und Herausforderungen zu meistern, sind wesentliche Bestandteile des Schulalltags der ESBZ.

Schwarze Schulen, weiße Schulen

Dass diese drei Mädchen sehr glücklich mit ihrer Schule sind, wird in dem Buch mehr als deutlich. Aber was ist eigentlich mit den anderen Schulen? Diese werden schwarz und nicht weiß gemalt: Es ist von Fronten zwischen Lehrern und Schülern die Rede; von Konkurrenzkämpfen, die jeder Schüler und jede Schülerin als Einzelkämpfer ausfechten muss, von formenden Pressen, denen Schülerinnen und Schüler hilflos ausgeliefert sind, und von dem Verlorengehen der natürlichen Neugierde. Jedoch darf nicht vergessen werden, dass es in diesem Buch um die subjektive Wahrnehmung dreier Schülerinnen geht, die ihre Erkenntnisse nicht aus Studien, sondern aus eigenen Erfahrungen und Erzählungen ihrer Freunde ziehen, und Objektivität nicht der Anspruch dieses von der Schulleiterin der ESBZ initiierten Buchprojektes war.

Jeder, der sich für das Thema Schule interessiert, sollte dieses Buch gelesen haben!


Wie wir Schule machen. Lernen wie es uns gefällt
von Alma de Zárate, Jamila Tressel, Lara-Luna Ehrenschneider, Mitarbeit: Uli Hauser und Margret Rasfeld der Evangelische Schule Berlin Zentrum
Albrecht Knaus Verlag
ISBN 978-3813506181
€[D] 19,99


Titelbild: Coverbild © Knaus Verlag