Uganda, Frauengruppen und Ziegen: Ein Auslandsaufenthalt nach dem Abi

Nach dem Abschluss stehen Schülerinnen und Schüler auf einmal die Welt offen. Während vorher das Leben vom Schulalltag bestimmt war, können sie nun selbst entscheiden, was sie tagein tagaus machen wollen. Eine Ausbildung, Studium oder ein soziales Jahr? Vielleicht auch einfach mal ins Ausland gehen? Die 18-jährige Theresa entschied sich fürs Ausland. Sie wollte Afrika entdecken und machte sich auf eigene Faust auf nach Uganda. Dort verteilt sie Ziegen an Frauengruppen, die diesen als „Sparbüchse” dienen. Ziegen und Sparbüchse? In einem Skypeinterview erzählte uns Theresa mehr über ihr soziales Projekt, wie sie nach Uganda kam und warum jeder mal ins Ausland sollte.

Wie kamst du auf die Idee, nach Uganda zu gehen?

Theresa Rosenberger: „Ich war mit 14 Jahren schon einmal im Ausland für sechs Monate, in einer High School in Neuseeland. Das hat mir sehr gut gefallen. Und weil ich eh nicht wusste, was ich studieren mag und mich nicht kopfüber in irgendein Studium stürzen wollte, habe ich mir gedacht, ich gehe erst einmal ins Ausland. Ich finde es interessant, sein Umfeld zu wechseln, mal von Zuhause wegzukommen und andere Kulturen zu sehen. Afrika ist da besonders spannend. Über eine Freundin habe ich von der Plattform workaway.info gehört. Dort kann man sich auf verschiedene soziale Projekte bewerben. Man bekommt kein Gehalt, dafür aber eine Unterkunft gestellt. Ich wollte eigentlich nach Ghana gehen, da gab es aber keine Projekte. Eine Freundin von mir war schon einmal in Uganda und hat mir erzählt, wie schön es dort ist. Also bin ich nach Uganda gekommen.”

Gratis Zugang für Lehrkräfte
Jetzt informieren

Wie viel Vorbereitungszeit hast du für dein Auslandsaufenthalt gebraucht?

Theresa Rosenberger: „Ich war ziemlich spät dran. Es gibt ja auch offizielle Programme, mit denen man ins Ausland gehen kann z. B. das freiwillige soziale Jahr FSJ oder das Bundesfreiwilligendienst BFD. Die haben aber ziemlich lange Vorlaufszeiten, man muss sich mindestens ein Jahr vorher bewerben. Da ich dafür zu spät dran war, habe ich mich entschlossen, ohne Organisation ins Ausland zu gehen. Der Vorteil dabei ist, dass man mehr Freiheiten hat und sich gegebenenfalls vor Ort noch entscheiden kann, an welchem Projekt man arbeiten möchte. Der Nachteil daran ist aber, dass man keine Rücksicherung hat.”



Haben sich deine Eltern Sorgen gemacht, dass du ohne Organisation nach Uganda gegangen bist?

Theresa Rosenberger: „Am Anfang fanden sie es nicht so lustig, dass ich mir irgendetwas im Internet zusammengesucht habe. Wir haben die Adresse von Freddy, bei dem ich in Mbale wohne, bei Google Maps gesucht, aber leider nicht gefunden. Da war nur eine kleine Schotterstraße. Meine Mutter hat ihn dann einfach angerufen und alles war gut. Ich wusste nicht viel, bevor ich hergekommen bin, aber das klärt sich alles ganz schnell, wenn man mal da ist.”

Es gab also keine bösen Überraschungen?

Theresa Rosenberger: „Nein, ich habe keine negativen Erfahrungen gemacht. Es kann sein, dass manchmal die Informationen nicht ganz stimmen. Als ich z. B. die Bilder von meinem Projekt gesehen habe, dachte ich, dass wir viel mehr im Grünen sein werden. Aber jetzt wohnen wir in der Stadt. Man darf sich halt nicht so viele Vorstellungen machen und muss offen und flexibel sein.

Auf workaway.info kann man sich auch mit Leuten in Verbindung setzen, die schon einmal an dem Projekt teilgenommen haben. So bekommt man vorher schon einmal einen guten Einblick, in das, was einen erwartet.”

An was für einem Projekt arbeitest du?

Theresa Rosenberger: „Zuerst habe ich für zwei Monate an einer Schule als Englischlehrerin gearbeitet. Ab Ende Dezember hatten die Schüler und Schülerinnen dann zwei Monate Ferien und ich habe währenddessen beim Roten Kreuz gearbeitet. Die machen ganz viele verschiedene Projekte: Blutspenden, Frauengruppen, Schulen. Die Arbeit mit den Frauengruppen hat mir am meisten Spaß gemacht. Ein anderer freiwilliger Sozialarbeiter und ich haben uns dann entschieden, selbst ein Projekt mit einer Frauengruppe zu machen, da das Rote Kreuz wenig Zeit hatte. In unserem Projekt verteilen wir Ziegen an Frauengruppen, die diese dann züchten und irgendwann weiterverkaufen, um Einkommen zu generieren.

Das Ziegenprojekt gab es schon vorher. Wir haben es sozusagen übernommen und ein bisschen verändert. Bevor wir die Ziegen verteilen, sprechen wir uns mit den Frauen ab, ob es für sie Sinn macht, Ziegen zu halten. Ein Tierarzt erklärt ihnen dann, wie sie die Ziegen am besten halten können, wie sie erkennen, ob die Tiere krank sind, usw.



Was sind das für Frauengruppen, mit denen du zusammenarbeitest?

Theresa Rosenberger: „Die Gruppen bestehen bereits in den einzelnen Communities. Der Grundgedanke hinter den Frauengruppen ist gegenseitige Unterstützung. Sie sparen zusammen und wenn eine von den Frauen mal Geld braucht, kann sie es sich von der Gruppe ausleihen, anstatt einen Kredit bei einer Bank aufzunehmen, wo sie hohe Zinsen zahlen müssten.

Wie läuft das Ziegenprojekt genau ab?

Theresa Rosenberger: „Wir haben jetzt im April 15 Ziegen an eine Gruppe gegeben. Die Gruppe entscheidet selbst, wer die Ziegen bekommt. Das erst und fünft geborene Zicklein wird dann innerhalb der Gruppe weiterverschenkt. Die anderen Zicklein dürfen die Frauen behalten oder verkaufen, wenn sie Geld brauchen, wenn z. B. die Kinder in die Schule kommen oder sie irgendwelche Medikamente brauchen. Das funktioniert quasi wie eine Sparbüchse. Die einzige Bedingung ist, dass die erste geschenkte Ziege nicht verkauft oder geschlachtet wird. Wenn sich jemand nicht an die Abmachung hält und eine Ziege einfach schlachtet, stoppen wir das Projekt.”

Woher kommt das Geld, um die Ziegen zu kaufen?

Theresa Rosenberger: „Am Anfang wollte ich es als eine einmalige Aktion machen und nur eine Gruppe unterstützen. Ich habe eine E-Mail an meine Familie, Freunde und Bekannte geschickt und erzählt, was ich mache. Dabei sind so viele Spenden zusammengekommen, dass wir das Projekt auf andere Gruppen ausweiten konnten. Momentan arbeiten wir mit acht Gruppen. Da ich nur noch einen Monat in Uganda bleibe, wählen wir gerade einen Governing Board aus den acht Gruppen, die dann das Projekt selbständig weiterführen können und nicht an Externe gebunden sind.



Was war die größte Umstellung in Uganda? Hattest du einen Kulturschock?

Theresa Rosenberger: „Das Wetter war eine der größten Umstellungen. Es gibt hier Regen- und Trockenzeit und ist teilweise unerträglich heiß. Da kann man gar nicht viel arbeiten. Deswegen machen die Leute auch so vielen Pausen hier.

Die Menschen hier sind auf jeden Fall auch ganz anders. Die Leute beschweren sich viel weniger als bei uns Deutschland, obwohl sie ja viel mehr Gründe hätten, sich zu beklagen. Das Leben auf der Straße ist auch viel aktiver. Die Menschen reden viel mehr miteinander, auch wenn sie sich nicht kennen. Das macht man in Deutschland nicht. Viele Ugander, die schon einmal in Europa waren, sagen, dass die Europäer sehr unfreundlich sind, weil man sich nicht mit Fremden unterhält.

Generell gefällt es mir hier sehr gut. Es ist nicht immer einfach, aber auf jeden Fall eine gute Erfahrung.”

Was sind die größten Herausforderungen?

Theresa Rosenberger: „Hier gibt es nicht so viele Weiße und die meisten denken, dass alle Weißen reich sind und das Geld vom Baum nehmen. Am Anfang weiß man nicht immer, was man sagen soll. Man sieht, dass die Person Geld braucht, aber man kann ja nicht an jeden Geld austeilen. Es ist schon hart, Straßenkinder zu sehen und zu wissen, dass es nicht hilft, denen Geld in die Hand zu drücken, weil es nicht ankommt und keine langfristigen Änderungen bringt.”



Weißt du schon, was du machen magst, wenn du zurück nach Deutschland kommst?

Theresa Rosenberger: „Ich habe überlegt, soziale Arbeit oder Psychologie zu studieren. Aber ich weiß es noch nicht sicher. Ich glaube, mir geht es da so wie vielen anderen.”

Was würdest du Schülerinnen und Schülern raten, die überlegen, ins Ausland zu gehen?

Theresa Rosenberger: „Ich glaube, nach der Schule ins Ausland zu gehen, ist immer eine gute Sache. Man lernt andere Kulturen kennen und kommt aus seiner gewohnten Umgebung raus. Man lernt so viel fürs Leben. In den letzten sechs Monaten habe ich mehr als in den letzten zwei Jahren gelernt. Man erfährt, wie andere Menschen mit Problemen und Herausforderungen umgehen. Ich finde es besonders spannend, in andere Kulturen einzutauchen. Ich lerne hier nicht nur über die ugandische Kultur, sondern auch über viele andere Länder, da ich mit internationalen Menschen zusammenwohne, z. B. mit einer Amerikanerin, einem Türken und einem Rumänen. Ich glaube ein Auslandsaufenthalt ist für jeden gut.”


Bilder: ©Theresa Rosenberger