Umweltfreundlich, gesund und sicher: Zur Schule mit dem Bus mit Füßen

Warum mit dem Auto zur Schule, wenn es auch zu Fuß geht? Das erspart nicht nur Eltern Zeit und Nerven, sondern ist für Kinder eine wesentlich gesündere Alternative zum Elterntaxi. Der Umweltverein Green City in München hat sich diesen nachhaltigen Start in den Schulalltag auf die Fahnen geschrieben und organisiert bereits seit 2005 die unmotorisierte Schulwegbegleitung. Von der Polizei empfohlen und vom Kreisverwaltungsreferat der Landeshauptstadt München gefördert, „fährt” der Bus mit Füßen wie sein motorisiertes Pendant an Haltestellen vorbei und bringt Grundschülerinnen und -schüler sicher zur Schule. Wir haben mit Vanessa Mantini, der Leiterin der Umweltbildung von Green City, gesprochen, die uns näheres zum Bus mit Füßen verraten hat.

Können Sie vorab kurz Green City vorstellen?

Mantini: Uns gibt es seit über 20 Jahren. 1990 wurde der Verein unter dem Namen „München autofrei 2000″ gegründet und war damals noch recht klein. Wir hatten das sehr ambitioniertes Ziel, Münchens Autoverkehr zu halbieren. Der Name unserer Umweltorganisation hat sich mittlerweile geändert, unsere Vision, den Autoverkehr zu reduzieren, verfolgen wir aber weiterhin. Neben diesem Ziel der nachhaltigen Mobilität setzen wir uns für eine ökologische Stadtgestaltung, den Klimaschutz und erneuerbare Energien sowie Energieeinsparung ein. Dies vermitteln wir im Bereich der Umweltbildung mit ganz praktischen Methoden. Unsere Projekte richten sich vor allem an Kinder und Jugendliche, aber auch an Seniorinnen und Senioren. Schließlich endet Bildung nicht mit dem Schulabschluss.

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Wie kamen Sie auf die Idee zum Bus mit Füßen, was ist darunter zu verstehen und seit wann gibt es ihn in München?

Mantini: Also die Idee, muss ich gestehen, kommt nicht von uns, da haben wir über den Tellerrand geschaut. Über den Ursprung gibt es verschiedene Meinungen: Wir haben es in England entdeckt, viele sagen aber auch, dass Australien da Vorreiter war. Dort läuft es unter der Bezeichnung „Walking Bus“ und wir haben das Konzept aufgegriffen und 2004/2005 damit in München begonnen. Wir haben uns morgens um halb acht vor die Schulen gestellt und geschaut, wie die Schulwegsituation so aussieht. Wir waren ganz erstaunt, weil wirklich sehr viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen und dieser Trend sich sogar verstärkt.

Daraufhin haben wir die Schulen angefragt, ob denn Interesse an dem Projekt besteht. Die Schulleiter haben regelrecht aufgeatmet, da dieses zur Schule-Fahren auch gefährlich ist, weil es keine Parkplätze für Eltern gibt. Die halten vor der Schule auf der Straße oder fahren auch schon mal auf den Radweg. Gerade zu Bring- und Abholzeiten ist die Verkehrssituation vor Schulen sehr unübersichtlich.

An zwei Pilotschulen haben wir das Projekt getestet und gemerkt, dass der Bedarf wirklich groß ist. Inzwischen läuft das Projekt an über 30 Grundschulen und wir stellen fest, dass wir mittlerweile gar nicht mehr an die Schulen herantreten müssen, sondern es sind entweder die Schulleitungen oder auch häufig die Eltern selbst, die sich bei uns melden.

Da sich mittlerweile so viele Schulen beteiligen, haben wir den Ablauf etwas geändert: Im ersten Jahr initiieren wir den Bus mit Füßen, übernehmen die Organisation und stellen den Ablauf sicher. Im zweiten Jahr soll das Projekt von engagierten Eltern übernommen werden. Dafür haben wir ein Handbuch entwickelt, welches eine Umsetzung sehr leicht macht. Green City unterstützt natürlich weiterhin den Ansprechpartner, um den Bus mit Füßen auch im Folgejahr für die neuen Erstklässler sicherzustellen.

Gibt es vergleichbare Initiativen in anderen Städten?

Mantini: Die Idee hat sich sehr weit verbreitet. Vor knapp einem Jahr hat sich ein Verein aus Leipzig gemeldet, denen wir eine Art Starthilfe gegeben haben. Deutschlandweit gibt es die Aktionswoche „Zu Fuß zur Schule“ oder „Grüne Meilen sammeln“. Es gibt schon viele Ideen, um den Schulweg umwelt- und bewegungsfreundlicher zu gestalten.

Wer „fährt‟ den Bus mit Füßen und wie wird es organisiert?

Mantini: Es ist so, dass wir den Bus mit Füßen am Informationsabend für die zukünftigen Erstklasseltern vorstellen. Das ist ein fixer Termin an der Schule, an dem beispielsweise auch der Verkehrspolizist anwesend ist. Wir zeigen unseren Bus mit Füßen-Clip und verteilen den Informationsflyer zum Projekt, damit man sich das zu Hause in Ruhe nochmal durchlesen kann. Die Anmeldung erfolgt entweder über den Flyer oder online auf unserer Seite, per Telefon oder E-Mail. Anhand der Anmeldungen sieht man schön, wie die Wohnorte verteilt sind, so dass wir passende Routen und Busgruppen bilden können. Drei bis fünf Kinder bilden eine gute Gruppe, mehr als acht sollten es nicht sein. Eine angenehme Gruppengröße sind fünf Kinder, weil man ja fünf Wochentage hat, an denen man die Kinder begleitet. Bei dieser Begleitung wechseln sich die Eltern ab, so dass am besten jedes Elternteil einen bestimmten Wochentag übernimmt. Aber auch Eltern, die im Schichtdienst arbeiten, können am Bus mit Füßen teilnehmen. So begleiten sie beispielsweise eine komplette Woche die Kinder und haben so die nächsten Wochen „frei“.
Abschließend organisiert Green City einen Elternabend für alle Bus mit Füßen-Eltern, bei dem die Gruppen vorgestellt, Adressdaten ausgetauscht und Formales, wie Ablauf, Haftungsfragen etc. besprochen werden. Es werden Zeiten und Haltestellen festgelegt, wie eben bei einer normalen Buslinie. Das sind einfach Treffpunkte, an denen andere Kinder dazu stoßen und der Bus dann auf seine vollständige Größe wächst und man am Schluss gemeinsam an der Schule ankommt.

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Kann man mit dem Bus dann „nur‟ zur Schule oder auch zurück nach Hause „fahren‟?

Mantini: Das ist unterschiedlich. Auf alle Fälle ist er für den Morgen, also den Hinweg gedacht, weil ja alle Kinder um acht Uhr, bzw. viertel vor acht, in der Schule sein müssen. Dadurch, dass wir das klassenübergreifend organisieren, gestaltet es sich bei dem Rückweg etwas schwieriger, da die Schüler ja unterschiedliche Schlusszeiten haben.
So kann es dann sein, dass in kleineren oder veränderten Konstellationen zurückgelaufen wird.

Wer kann alles „mitfahren‟?

Mantini: Grundschüler der 1. und 2. Klasse. Die Dritt- und Viertklässler laufen meist schon alleine.

Gibt es den Bus mit Füßen das gesamte Jahr über?

Mantini: Das Projekt selber startet immer im September mit dem neuen Schuljahr. Uns ist es wichtig, dass das Projekt die Kinder zu mehr Selbstständigkeit befähigen soll, sie mündig macht für den Verkehr, dafür besprechen wir ja auch Verkehrsregeln usw.. Wir geben als Maßgabe ein halbes Schuljahr vor, so lange sollen die Kinder auf alle Fälle in Begleitung laufen. Wenn sie dann fit sind für ihren Schulweg, sollten sie ihn weiterhin in der Gruppe, aber ohne elterliche Begleitung zurücklegen.

Wie sind die Rückmeldungen von Seiten der Schülerinnen und Schüler, der Eltern und der Schulen?

Mantini: Wenn man die Busse laufen sieht, auch ohne Begleitung, dass ist wirklich schön. Die Kinder haben total viel Spaß an dem Projekt und sie laufen übrigens bei jedem Wetter gern.

Die Schulen sind ebenfalls sehr begeistert von dem Projekt. Die Lehrer geben die Rückmeldung, dass sie auch merken, welche Kinder jetzt im Bus mit Füßen zur Schule gekommen sind, weil sie einfach ruhiger im Unterricht ankommen, weil sie sich schon bewegt haben, sich schon gegenseitig austauschen konnten – im Gegensatz zu den Schülern, die alleine im Auto sitzen.

Bei den Eltern müssen wir eigentlich am meisten Überzeugungsarbeit leisten, weil diese sich ihre Flexibilität bis zum Ende bewahren wollen. Aber wenn sie dann am Bus mit Füßen teilnehmen, erhalten wir überwiegend positive Rückmeldungen. Auch ein schöner Nebeneffekt und was wir gar nicht angedacht hatten, ist, dass sich die Eltern untereinander vernetzen und kennenlernen, was ja auch seine Vorteile mit sich bringt, wenn man z. B. mal über den Schulweg hinaus eine Betreuung für sein Kind benötigt. Das ist schön zu sehen, dass man damit auch eine Art nachbarschaftliche Struktur fördert.

Vielen Dank für das Interview!

Aktuell kann man sich wieder anmelden. Wer also Interesse hat und aus München kommt, kann sich direkt mit Green City in Verbindung setzen.

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Bilder: ©TobiasHase/GreenCity e.V.