„Wheelmap macht Schule” – kostenlose Unterrichtsmaterialien über Behinderung & Inklusion

Wie sieht der Alltag von Menschen mit Behinderungen aus? Welche Barrieren gibt es und welche nehmen wir wahr? Was ist eine Behinderung und was behindert? Diesen und ähnlichen Fragen geht das Projekt „Wheelmap macht Schule‟ nach. Wheelmap.org hat kostenlose Unterrichtsmaterialien für die siebte bis zehnte Klasse erstellt, mit denen das Bewusstsein für Menschen mit Behinderungen und für Barrieren geschaffen wird. Wir haben mit Community Managerin Svenja Heinecke von den Sozialhelden, dem gemeinnützigen Verein hinter Wheelmap.org, gesprochen.

Die Idee hinter „Wheelmap macht Schule‟

Wheelmap.org wurde von Sozialhelden im Jahr 2010 ins Leben gerufen und ist eine Online-Karte, auf der man öffentliche Orte nach ihrer Rollstuhlgerechtigkeit bewerten kann. Mit einem Klick kann man auf der Karte Cafės, Restaurants, Kinos, etc. markieren, die zugänglich, eingeschränkt zugänglich oder nicht zugänglich für Rollstuhlfahrer sind. Damit werden mobilitätseingeschränkte Menschen befähigt, ihren Tag besser zu planen und einfacher am öffentlichen Leben teilzunehmen.

Lisa Manthey, eine der Sozialheldinnen und Lehrerin an der Sophie-Scholl-Schule in Berlin, kam auf die Idee, die Wheelmap.org und das Thema Rollstuhlgerechtigkeit für Schülerinnen und Schüler zugängig zu machen. „Vor allem jetzt wo klar ist, dass es zunehmend weniger Förderschulen gibt und Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen in Regelschulen integriert werden, ist großer Bedarf da, über Inklusion zu reden,” erklärt Svenja Heinecke, Community Managerin bei Sozialhelden.

Gratis Zugang für Lehrkräfte
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Projekt als Kurzversion und Langversion

„Wheelmap macht Schule‟ gibt es in zwei Versionen. Einmal für vier bis sieben Unterrichtseinheiten und einmal für zwölf bis 17 Unterrichtsstunden. Im theoretischen Teil setzen sich Schülerinnen und Schüler mit den eigenen Vorstellungen, Berührungsängsten und Erfahrungen in Bezug auf Menschen mit Behinderungen auseinander. Im praktischen Teil schlüpfen die Schülerinnen und Schüler dann in verschiedene Rollen, um die Perspektive zu wechseln und hautnah zu erleben, was im Alltag behindert.

Einige der Kinder und Jugendlichen ziehen als Journalisten los und recherchieren über Rollstuhlgerechtigkeit in einem interessanten Straßenblock. Dabei lernen sie, wie sie angemessen und respektvoll über Menschen mit Behinderungen berichten können. Die Architektengruppe berät Laden-, Kino- oder Cafėbesitzer, wie sie ihre Räumlichkeiten umbauen könnten und welche Kosten auf sie zu kämen. Die Statistikgruppe entwirft einen Fragenkatalog, um herauszufinden, ob und wie in ihrer Nachbarschaft über Barrierefreiheit nachgedacht wird. Die „Mapper“ überprüfen Orte in ihrer Gegend auf den Status der Rollstuhlgerechtigkeit und tragen diese anschließend im Internet auf Wheelmap.org ein. Die fünfte Gruppe bildet die Rollstuhlfahrer, die losziehen, um ganz alltägliche Dinge zu erledigen und dann über ihre Erfahrungen zu berichten.

Praktikabel und anpassungsfähig

Das Projekt ist für die Fächer Sozialkunde, Ethik und Deutsch ausgelegt. „Lehrerinnen und Lehrer sind aber durchaus angehalten, es auf ihre Fächer anzupassen,” sagt Heinecke. „Den theoretischen Teil kann man relativ kurz halten und um vier bis sechs Stunden kürzen. Was sich aber auf jeden Fall lohnt, ist der praktische Teil. Dieser ist sehr spannend für Schülerinnen und Schüler und kann als Projekttag veranstaltet werden.”

Um den praktischen Teil so realistisch wie möglich zu machen, rät Heinecke, Rollstühle zu organisieren. Wenn Kinder und Jugendliche in Rollstühlen durch die Nachbarschaft ziehen, entstehen ganz neue Eindrücke und Geschichten. Sie erleben aus erster Hand, was Barrieren bedeuten und wie selbst eine kleine Stufe zum Hindernis wird. „Es ist wichtig, dass Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler hinterher zusammen reflektieren und die Rollstühle nicht nur für eine lustige Rallye benutzt werden,” mahnt die Community Managerin von Wheelmap.org. Rollstühle können bei örtlichen Organisationen, bei der Caritas, in Krankenhäusern oder auch im Zoo ausgeliehen werden. „Das Projekt funktioniert aber auch einwandfrei ohne Rollstühle,” so Heinecke.

Schülerinnen und Schüler sind begeistert

Die Sophie-Scholl-Schule in Berlin hat „Wheelmap macht Schule” bereits erfolgreich mit 700 Schülerinnen und Schülern umgesetzt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entwickelten einen Blick für Barrieren. „Uns ist aufgefallen, dass es bei den meisten Läden/Orten am Eingang eine kleine Stufe gibt, die man vorher nicht bemerkt hat, aber für Rollstuhlfahrer schon ein großes Hindernis darstellt,” fand Yumisa. Die Schülerschaft sowie die Lehrkräfte waren begeistert, 90 Prozent würden das Projekt weiterempfehlen, ergab eine Umfrage von Wheelmap.org. „Es hat Spaß gemacht, anderen zu helfen und ein Sozialheld zu sein,” sagte Schülerin Cäcilie.

Die Unterrichtsmaterialien können auf Wheelmap.org kostenlos bestellt werden. Weitere Informationen und Erlebnisberichte von teilnehmenden Schulen finden Sie auf dem Blog von „Wheelmap macht Schule”.



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Titelbild: ©Wheelmap.org Klasse der Sophie-Scholl-Schule nach der theoretischen Einführung von „Wheelmap macht Schule“ im Gruppenbild (mit Raúl Krauthausen, Gründer der Sozialhelden)