Das Abitur stellt sich vor – über Identitätskrisen und andere Probleme

Liebe Schülerinnen und Schüler,
darf ich mich vorstellen? Ich bin das Abitur und das Steckenpferd des deutschen Schulwesens. Ihr dürft mich aber liebevoll „Abi“ nennen. Das ist das einfachste, denn ich ändere gerne mal meinen Namen. Mein Therapeut meint, das liege an meiner Identitätskrise. Aber ihr müsst wissen, ich variiere einfach nur gerne meinen Look. In jedem Bundesland, in dem ich mich aufhalte, tauche ich unter einer anderen Bezeichnung und mit einem anderen Charakter auf. Vielleicht kennt ihr mich als „Einheitsabitur“ oder „länderübergreifendes Abitur“. Mein Lieblingsname ist zurzeit „Zentralabitur“. Ich stehe nämlich gerne im Mittelpunkt. Aber wenn ich recht darüber nachdenke, gefällt mir die Benennung vielleicht morgen schon nicht mehr.
Da ich bald vor eurer Tür stehe, möchte ich ein bisschen über mich erzählen. Ihr müsst schließlich wissen, was euch bevorsteht. Außerdem könnt ihr euch ruhig ein bisschen auf mich vorbereiten. Ich werde euch sagen, was ich von euch erwarte.

Ich bin in 15 von den 16 Bundesländern schon als „Zentralabitur“ bekannt. Ich beuge mich meinen Chefs, den Kultusministern der Länder, und sehe in einigen Ländern seit 2000, in anderen wieder seit 2005 oder 2007 in den schriftlichen Abiturprüfungen der einzelnen Länder gleich aus. Diese länderinterne Vereinheitlichung wird mir jedoch auf Dauer zu langweilig. Ich möchte Großes erreichen und im Mittelpunkt der gesamten Bundesrepublik stehen. Außerdem sagt mein Therapeut, dass ich meine Identitätsstörung überwinden und bundesweit vergleichbar sein muss.

Der Langeweile entgegenwirken – „länderübergreifendes Abitur“ ab 2017

Also habe ich beschlossen, mich ab 2017 „bundesweites, länderübergreifendes, zentrales Abitur“ zu nennen. Das klingt doch groß und gut, nicht wahr?

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Dafür werde ich mir einen Aufgabenpool anschaffen. Ihr könnt euch diesen vielleicht ein bisschen wie einen Kleiderschrank vorstellen. In diesen Kleiderschrank darf jedes Bundesland seine Prüfungsaufgaben für die Fächer Mathe, Deutsch, Englisch und Französisch legen. Dann kann jedes Land der Bundesrepublik aus diesem Kleiderschrank – also dem Pool – die Aufgaben für die Abiturprüfungen zusammenstellen. Das soll bald darauf auch für die naturwissenschaftlichen Fächer möglich sein. Mein Therapeut verspricht sich davon die Überwindung meiner Persönlichkeitsstörung: bundesweite, gemeinsame, länderübergreifende Prüfkriterien und so.

Ich sehe da nur ein kleines Problem:

Stell dir vor, ein Bundesland legt einen gelben Pulli für das Fach Englisch in den Kleiderschrank und ein anderes Land einen blauen. Und das erste Bundesland nimmt dann den gelben für die Prüfungen wieder heraus und das andere auch wieder den blauen. Dann trage ich in dem einen Bundesland einen gelben Pulli und in dem anderen einen blauen. Dann sehe ich zwar länderintern gleich aus, aber bundesweit schon wieder verschieden. Mein Therapeut wird sich bedanken.

Habt ihr das verstanden? Nein? Naja, lassen wir das, bis dahin sind noch viele Verordnungen vom Schreibtisch gefallen.

Mein Gewand 2014 – das „landesübergreifende Abitur“ in sechs Bundesländern

Das Jahr 2014 wird für mich und auch für euch sehr spannend. Mich gibt es nämlich das erste Jahr landesübergreifend – also jedenfalls teilweise.

Besonders die Niedersachsen, die Bayern, die Hamburger, die Mecklenburg-Vorpommener, die Sachsen und die Schleswig-Holsteiner dürfen auf meinen Besuch neugierig sein. In den Fächern Deutsch, Mathe und Englisch tauche ich nämlich in den sechs Bundesländern im gleichen Gewand auf.

Aber eben nur teilweise – in Englisch zum Beispiel als Hörverstehenstest und in Mathe in den ersten Aufgaben – und zwar bei denen ohne Taschenrechner.

In den Fächern Deutsch und Englisch wurden bereits Übungsklausuren geschrieben. Der Probedurchlauf für Mathe folgt dann am 11. Dezember 2013.

Gute Vorbereitung auf das Abitur

Wenn ihr in der 12. oder 13. Klasse des Gymnasiums seid (natürlich wieder abhängig vom Bundesland), dann komme ich euch bald besuchen.
Ich stehe schon in den Startlöchern und bin total fit. Ihr auch?
Ich weiß, während dieser Vorbereitungszeit werden viel Kaffee, Cola, Energydrinks, Schweiß und bei dem einen oder anderen auch Tränen fließen. Dabei bin ich wirklich in Ordnung, wenn ihr gut vorbereitet seid.

In der nächsten Zeit werde ich euch in diesem Magazin jede Woche mit einem Artikel über ein Abiturfach auf dem Laufenden halten. So findet ihr alle Prüfungsthemen auf einen Blick und Tipps und Tricks für die perfekte Vorbereitung. Nächste Woche dürft ihr euch an einem Artikel über das Prüfungsfach Mathe erfreuen. Schaut doch einfach mal vorbei.

Euer (einheitliches), (zentrales), (länderübergreifendes) Abitur

P.S.: Ehrlich gesagt verstehe ich überhaupt nicht, warum es immer alle so groß feiern, wenn ich wieder weg bin. Dabei besitzen sie mich doch dann. Das finde ich echt gemein.

Titelbild: ©iStock.com/IgorZakowski

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