Auf der Suche nach Hogwarts – mein Austauschjahr in Wales

Wales. Großbritannien. Ich verbinde damit große, alte Internate, wie in „Harry Potter“. Genau das habe ich mir für mein Austauschjahr gewünscht. Aber Harry Potter ließ sich nicht blicken.

Vertraue niemals den Prospekten

Bevor ich losgeflogen bin, war ich total aufgeregt. Ich habe mich gefreut, hatte aber gleichzeitig riesige Angst davor. Kennt ihr das, wenn man auf eine neue Schule geht und Angst davor hat? Genauso war es, bloß noch viel schlimmer, weil ich alle meine Freunde hier lassen musste.
In Wales angekommen, ging gleich ein paar Tage später die Schule los. Ich wusste von Anfang an, dass die Privatschule klein ist. Ich meine, 200 Leute sind nicht viel. Aber dass die gesamte Schule so klein ist, hätte ich nicht gedacht. In den Prospekten war die Schule und der Lageplan des Schulgeländes wirklich groß dargestellt. Das ist nicht nur mir aufgefallen. Daraus habe ich gelernt: „Vertraue niemals der Werbung.“

Schuluniformen, Schulalltag und rote Nasen

Eine Schuluniform musste ich zum Glück nicht mehr tragen. Aber die kleinen Kinder aus der Junior School sahen darin echt süß aus. An den obligatorischen Dresscode der Oberstufe hielt sich ohnehin fast niemand.
Zuerst war alles ein riesiges Durcheinander. Der Oberstufenkoordinator war neu. Wir hatten keinen richtigen Stundenplan. Also konnte es vorkommen, dass man drei verschiedene Fächer gleichzeitig hatte. Nachdem das alles geklärt war, ging der normale Schulalltag los. Aber der Alltag dort hat nichts mit dem Alltag hier zu tun. Da ich auf eine Privatschule war, fing der Unterricht um neun Uhr mit einer unnötigen 20-minütigen Registrationszeit an. In der Zeit versammelten sich alle Klassen in ihren Klassenräumen. Dann wurde geprüft, wer anwesend war und wer nicht. Wer ohne Entschuldigung zu spät kam, musste nachsitzen. Für gewöhnlich ging die Schule bis 16 oder 17 Uhr, mit einer Stunde Mittagspause. Diese wurde aber größtenteils für Clubs, Schulstunden oder für die in Großbritannien beliebten Charity-Veranstaltungen genutzt. Bei diesen ging es meistens darum, Geld für wohltätige Zwecke zu sammeln. So habe ich am „Red Nose Day“ mit einer rot angemalten Nase fast 250 Pfund Spenden gesammelt.

Schlamm-Challenge, schmutzige Bikinis und Miss P.

Austauschjahr in Wales

Klettern © Leia

Damit sich mein Jahrgang besser kennenlernen konnte, sind wir in ein Camp nach Swansea gefahren. In den zwei Tagen gab es eine Reihe von Teambuilding-Aktionen, z. B. einen Floßbauwettkampf und eine Schlamm-Challenge. Den hartnäckigen Schlamm habe ich übrigens bis heute nicht aus meinem Bikini rauswaschen können. Da wir nur sehr wenige Schüler und Schülerinnen waren, bestand eine Jahrgangsstufe aus maximal 20 Schülern und Schülerinnen. In meiner Jahrgangsstufe gab es nur zwei Jungs, John und Bob. Die Schule war wie eine kleine Großfamilie, in der die Lehrer und Lehrerinnen teilweise die Rollen von Gasteltern übernahmen. So auch meine Klassenlehrerin, die von allen liebevoll „Miss P.“ genannt wurde.
Mir gefiel es sehr, in solch kleinen Klassen zu lernen. Die Lehrerinnen und Lehrer hatten wirklich Zeit, auf jeden Schüler und jede Schülerin einzeln einzugehen. Wenn man etwas nicht verstand, erklärten die Lehrer und Lehrerinnen es einem immer wieder – auch außerhalb der normalen Stunden. In fast allen Fächer arbeiteten wir zumeist mit dem eigenem Laptop, so dass man schnell etwas im Internet recherchieren konnte.

Strammstehen für den Direktor

Jeden Dienstag trafen sich die Senior School und Sixth Form (also siebte bis 13. Klasse) zur Assembly. Bei der Assembly handelt es sich um eine Versammlung, in der die wichtigsten Ereignisse der Woche besprochen wurden. Der Ablauf war in der Regel so, dass der stellvertretende Rektor alle aufgeforderte, sich hinzustellen mit den Worten: „Please, stand!“ Anschließend erschien der Rektor, ging nach vorne und begrüßte die Schülerinnen und Schüler mit „Good morning, senior school.“ Woraufhin alle antworteten: „Good morning, Sir.“ Danach forderte er uns auf, uns wieder zu setzen: „Please, sit down.“ Im Anschluss wurden wichtige Vorkommnisse von Lehrerinnen und Lehrerin sowie Schülerinnen und Schülern besprochen.

Kartoffeln naturell, Kartoffelpüree, Ofenkartoffeln …

Austauschjahr in Wales

Speiseraum im Internat © Leia

Im Internat waren wir 31 Jugendliche aus unterschiedlichen Ländern. Viele der internationalen Schülerinnen und Schülern stammten aus Asien.
Das Internat hatte aber Kehrseiten: Das Essen war sehr einseitig und gewöhnungsbedürftig. Die ersten eineinhalb Monate gab es Tag für Tag Erbsen und Kartoffeln. Meine nervige Mitbewohnerin zu Anfang machte das nicht erträglicher.


Viele kleine Dinge wie das WLAN, die Duschen und Toiletten funktionierten meist gar nicht oder nur sporadisch. Mein persönlicher Höhepunkt war der wochenlange Ausfall der Heizungen Mitten im Winter. Aber unsere liebevollen Hauseltern Dave und Yan versuchten immer das Beste aus diesen Situationen zu machen.

Kein Hogwarts …

Ihr seht also, wie in den Harry-Potter-Büchern war mein Austauschjahr leider nicht. Dennoch gab es Geniales wie die Schlammschlacht, Nerviges wie das Internat und gelernt habe ich auch so einiges. Ich würde aber allen raten, sich ihre Schule und ihr Internat im Ausland vorher anzuschauen und mit ehemaligen Schülern und Schülerinnen zu reden, wenn ihr die Gelegenheit dazu habt.

Hier erfährst du noch mehr zu Auslandsaufenthalten:

Leila


Austauschjahr in Wales


Leia M. ist eine 17-jährige Schülerin, ehemalige Leistungsportlerin und Trainerin. Seit Juli 2015 schreibt sie für das Schüler-Magazin von sofatutor




Titelbild: © PRILL/shutterstock.com

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