Außergewöhnliche Berufe: Ein Interview mit einer Personensucherin

Was macht man, wenn man auf seine alten Tage seine Jugendliebe wiederfinden möchte? Oder wenn man erfährt, dass man adoptiert wurde, aber gern wissen möchte, wer die leiblichen Eltern sind? Dann muss man sich auf die Suche begeben. Wenn einem selbst Ämterwege und Rechercheaufwand zu groß ist, kann man sich an eine Personensucherin oder einen Personensucher wenden. Wir haben mit der Personensucherin Susanne Panter von der Agentur Wiedersehen macht Freude gesprochen und möchten hier Ihren spannenden und außergewöhnlichen Beruf näher vorstellen.

Sie sind von Beruf Personensucherin. Können Sie kurz erklären, was eine Personensucherin macht?

Susanne Panter: „In meinem Fall ist es so, dass ich hauptsächlich Herkunftssuchende begleite, das heißt, Menschen, die ihre biologische Abstammung nicht kennen und ich helfe ihnen dabei, diese ausfindig zu machen und organisiere den Kontakt zu Mutter oder Vater.“

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Wie sind Sie auf die Idee gekommen Personensucherin zu werden? Und wie wird man eigentlich Personensucherin?

Susanne Panter: „Ich hatte eigentlich eine ganz andere Idee, nämlich Ehemaligen-Treffen zu organisieren, deshalb auch der obskure Name meiner Agentur Wiedersehen macht Freude. Aus meiner persönlichen Biographie heraus hab ich mich dann in das Thema Herkunftssuche eingearbeitet, weil das das ist, was auch wirklich gebraucht und angefragt wird.“

Was für Eigenschaften muss man mitbringen, um Personensucher zu werden?

Susanne Panter: „Man braucht Hartnäckigkeit den Ämtern gegenüber. Ein gesundes Rechtsempfinden und juristische Kenntnisse, also man darf keine Angst vor Gesetzestexten haben. Einfühlungsvermögen für die Begleitung bei der Kontaktaufnahme ist auch sehr wichtig.“

Wie sieht Ihr beruflicher Werdegang aus?

Susanne Panter: „Nach dem Abi hatte ich keine Ahnung. Eigentlich wollte ich Journalistin werden. Hab dann aber eine Banklehre gemacht. In einem Abendstudium habe ich dann ein Marketingstudium angeschlossen. Wusste dann aber immer noch nicht, was ich will und bin dann ein Jahr nach New York gegangen, um mein Englisch aufzubessern. Und dann kam ich wieder und hab unter anderem in der Seminar- und Baubranche gearbeitet ‒ ziemliches Jobhopping. Aber mich hat nie was richtig erfüllt, das waren alles nur Zwischenstationen. Ich hab aus Spaß zu einer Freundin mal gesagt: „Vielleicht gibt es den Beruf, den ich mal machen will, noch gar nicht.” Und so war es ja dann auch.“

Wie sieht Ihr beruflicher Alltag aus?

Susanne Panter: „Vormittags telefoniere ich viel mit Ämtern. Dann wird die Post gemacht, eingescannt und eingepflegt. Viele Anfragen bekomme ich per Mail. Hinsichtlich der Kernaufgabe, also dem Suchen und Finden, ist es so: Wenn ich jemanden gefunden habe, dann bekommt derjenige erstmal einen Brief und dann regelt man die Kontaktaufnahme.“

Warum suchen Menschen andere Menschen?

Susanne Panter: „Bei mir sind es hauptsächlich Herkunftssuchen, die Frage nach der eigenen Identität, die Aufklärung von Tabuthemen wie Vaterschaft usw.. Das Bedürfnis zu erfahren, wo denn meine biologischen Wurzeln sind, ist bei Zweifelnden sehr groß. Und es gibt auch ein Recht auf die Kenntnis der eigenen Abstammung. Daneben bekommen wir auch Anfragen über die Suche der Jugendliebe, also auch Herzensangelegenheiten.“

Wie viele Personen haben Sie schon gefunden?

Susanne Panter: „Also insgesamt waren es bisher 3846 Suchende und die Erfolgsquote seit 2011 liegt bei 94,16 Prozent. Das ist aber auch zum Teil der neuen Technik zu verdanken, weil alle irgendwo registriert sind.“

Wie lange hat die längste Suche gedauert? Und wann geben Sie auf?

Susanne Panter: „Ich suche so lange, bis es keinen Anhaltspunkt mehr gibt. Es gibt Suchen die dauern zwei bis drei Jahre. Es gab mal einen Fall, da mussten wir in Standesamtsbüchern recherchieren, die aber vom Schimmel befallen waren. Naja und das dauert dann eine Weile, ehe man auf die zugreifen kann.“

Was ist das Schönste an Ihrem Beruf? Was lieben Sie am meisten?

Susanne Panter: „Das ich dazu beitragen kann, dass Menschen Klarheit bekommen für ihr Leben. Es gibt ja den berühmten Satz: „Ohne Wurzeln keine Flügel“ ‒ und dieses Gefühl zu haben, Menschen zu beflügeln, ist wunderbar.“

Was ist das Schwierigste an Ihrem Beruf?

Susanne Panter: „Gesetze und Ämter. Ich hab manchmal das Gefühl, sobald irgendwo ein Paragraph steht, hören die Leute auf zu denken. Und auch so eine Arbeitsvermeidungsstrategie und Resignation, die da teilweise herrscht. Wenn ich danach arbeiten würde, was die Ämter mir erzählen, dann hätte ich nur halb so viel Erfolg bei meinen Suchen. Aber es ist wiederum auch immer ein gutes Gefühl, wenn man sich dennoch durchsetzt, überzeugen kann und Erfolg hat.“

Was würden Sie jemanden raten, der Personensucher werden möchte?

Susanne Panter: „Wenn man eine Idee hat, egal welche, von der man überzeugt ist ‒ das man auf sein Herz hört und dran bleibt, auch wenn man auf viele Widerstände stößt. An sich und seine Idee glauben ‒ das ist das Wichtigste.“

 

Titelbild: ©privat & ©iStock.com/AnatolyTiplyashin

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