Edison erfand die Glühlampe, Zuse den Computer und vier Gründerpreisträgerinnen das Scriptpad – ein Interview

Not macht erfinderisch. Wenn sich auf dem Schreibtisch unsortiert die Mitschriften aus dem Unterricht stapeln, aber für die Abiturvorbereitung ordentlich getippte Notizen vonnöten sind, muss eben ein Gerät erfunden werden, was Handschriftliches direkt digitalisiert. Die 19-jährige Nadja Töller aus Bedburg (NRW) hat zusammen mit ihren Freundinnen (Franziska Jörres, Julia Kessen und Anja Geißen) das Scriptpad erfunden, die Planspielfirma InnoWrite gegründet und damit den ersten Platz des Deutschen Gründerpreis 2013 gemacht. Ganz nebenbei haben die vier dann auch noch das Abitur bestanden. Wir haben mit Nadja Töller über Firmenplanung, Handschriften und Zunkunftsträume gesprochen.

Sie haben mit Ihrer Planspielfirma InnoWrite den Deutschen Gründerpreis 2013 gewonnen. Wie sind Sie den Wettbewerb angegangen?

Bei dem Gründerpreis dreht sich alles um den Aufbau einer Firma. Bewertet wird dann der Geschäftsplan, der entworfen wird. Zu diesem Wettbewerb gibt es eine Plattform, auf der in bestimmten Zeiträumen bestimmte Aufgaben erfüllt werden müssen. Hier handelt es sich dann um die einzelnen Bausteine des Geschäftsplans. Einige Aufgabe sind zum Beispiel für diese Geschäftsidee eine Homepage zu erstellen, eine Marktanalyse durchzuführen und einen Finanzplan aufzustellen. In der letzte Aufgabe werden dann all diese Bausteine zusammengenommen und daraus ein vollständiger Geschäftsplan entwickelt.

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Und Ihre Geschäftsplan bestand darin, eine Firma rund um Ihre Idee des Scriptpads zu bauen?

Ja, genau!

Was hat es mit dem Scriptpad auf sich und wie funktioniert es?

Man kann sich das Scriptpad vorstellen wie ein iPad nur noch etwas flacher. Dieses Pad legt man unter etwas, auf das man schreiben möchte, zum Beispiel unter ein Blatt Papier. Dann nimmt man sich einen x-beliebigen Stift und schreibt auf das Papier. Das Scriptpad speichert das Geschriebene auf verschiedenen Geräten, mit denen man dann das Dokument auf den Computer übertragen kann. Das Schriftbild wird einmal in handschriftlicher Form gespeichert und außerdem in Computerschrift umgewandelt.

Handschriften sind ja von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Das Scriptpad kann jede Schrift erkennen und in digitale Schrift umwandeln?

Am Anfang gibt es eine Phase, in der man dem Gerät alles beibringen muss. Und dann sollte es möglichst alle Handschriften dechiffrieren können.

Wie sind Sie auf die Idee des Scriptpads gekommen?

Wir haben mit dem Wettbewerb kurz vor unserem Abitur noch angefangen und haben uns zusammen gesetzt und überlegt, wie wir das angehen könnten. Dann kamen verschiedene Ideen auf den Tisch, zum Beispiel hatten wir auch die Idee eines Lenkrads, das erkennen kann, ob man Alkohol getrunken hat.

Dann haben wir aber bei den Vorbereitungen auf unsere Abiturprüfung festgestellt, dass wir ein riesen Wust an unsortierten Mitschriften aus dem Unterricht haben und uns gewünscht, dass diese ohne unser Zutun schon ordentlich abgetippt sind. Das war die Geburt der Idee zum Scriptpad. Für Recherchezwecke haben wir dann den Smartpen ausprobiert.

Der Smartpen ist ein Stift, mit dem man normal schreibt und der das Geschriebene direkt speichert. Haben Sie sich davon inspirieren lassen?

Ganz am Anfang hatten wir sogar die Idee eines Stiftes, der das Geschrieben direkt digital abspeichert. Leider haben wir dann bei der Recherche festgestellt, dass es einen solchen – eben den Smartpen – schon gibt. Das Negative bei dem Smartpen: Er filmt das Geschrieben und dazu braucht man immer noch mehr Materialien, also zum Beispiel einen bestimmten Schreibblock.
Wir wollten, dass unsere Erfindung eine einmalige Anschaffung ist und keine zusätzlichen Kosten durch zum Beispiel einen Schreibblock entstehen.

Was unterscheidet Ihr Scriptpad von einem iPad, auf dem auch geschrieben werden kann und das Geschriebene direkt digitalisiert?

Wir haben einen Werbeslogan und der besagt, dass wir die alte Welt mit der neuen digitalen Welt verbinden wollen. Auf einem iPad zu schreiben, dauert immer länger als auf einem normalen Blatt Papier. Außerdem gibt es viele Menschen, die mit dem Schreiben auf einem iPad nicht zurechtkommen.

Bei dem Scriptpad bleibt die Handschrift auf dem normalen Blatt Papier, gleichzeitig hat man das Dokument aber auch in digitaler Form zur Verfügung. Das ist der Unterschied zum iPad.

Das Scriptpad kann bestimmt in der Schule und in der Universität sehr praktisch sein, für wen könnte das Scriptpad noch eine Erleichterung darstellen?

Das Scriptpad könnte beispielsweise Journalistinnen und Journalisten oder Sekretärinnen und Sekräteren bei der Arbeit helfen. Für alle Berufe, in denen das Schreiben mit der Hand noch praktiziert wird, ist das Scriptpad praktisch.

Eine weitere Entwicklung des Scriptpads könnte noch sein, dass es Zeichnungen direkt digitalisiert. Hier werden dann natürlich noch ganz andere Berufsgruppen angesprochen.

Das Scriptpad gibt es noch nicht zu kaufen. Was brauchen Sie, damit Sie es marktreif machen können?

Bis jetzt haben wir nur einen „optischen” Prototypen, aber es funktioniert noch nicht. Wir haben die Idee noch nicht weiterdacht, da wir 2013 alle Abi gemacht haben und nun in der Welt verstreut sind.

Um das Produkt wirklich marktreif machen zu können, brauchen wir einen Entwickler, der für uns die Texterkennungssoftware umsetzt. Damit müssten wir eine IT-Firma beauftragen.

Sie sagten, Ihr Team sei nun verstreut. Wie geht es nun mit Ihrer Firma und Ihrer Erfindung weiter?

Franziska aus dem Team ist momentan in Afrika und macht dort ein Praktikum in einem Krankhaus. Anja studiert VWL in Köln. Julia studiert BWL in Köln und ich studiere BWL in Mannheim. Aber wir könnten uns vorstellen, uns einmal mit einer Firma und einem Produkt – es muss nicht unbedingt das Scriptpad sein – selbstständig zu machen.
Der Gedanke der Selbstständigkeit reizt uns sehr.

Titelbild (v.l.n.r.): Franziska Jörres, Julia Kessen, Nadja Töller und Anja Geißen. ©Jenny Jacoby

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