Großes Kino: Mandela – vom Untergrundkämpfer zum Nationalhelden

Wie porträtiert man einen Mann, der Großes bewegt hat und bis heute als südafrikanischer Nationalheld und international als der Kämpfer für die Freiheit und gegen Rassentrennung gefeiert wird? Wie wird man der Geschichte Nelson Mandelas in nur 152 Minuten gerecht? Indem man einen Film erschafft, der einen Überblick über sein Leben gibt. Regisseur Justin Chadwick zeigt in seinem Film Mandela – Der lange Weg zur Freiheit das Leben Mandelas von seiner Beschneidung über seine Anwaltstätigkeiten und den Gründungen zweier Familien über seine Zeit als politischer Gefangener bis zur Wahl zum Präsidenten Südafrikas – jedoch nicht ganz ohne Zeitsprünge, das Auslassen einiger Eckdaten und manchmal mit fehlender Tiefe. Aber der Film gibt einen Leitfaden, der zur Eigeninitiative und zur eigenen Recherche zum Thema einlädt.

Mit dem freien Lauf eines jungen Mannes durch ein Feld voller Ähren bei rotgoldener Sonne wird der Zuschauer in Südafrika begrüßt, ihm wird dieses Element in abgewandelter Form immer wieder in dem Film begegnen. Es fundiert als Refrain bei einem nicht ganz geradlinigen Plot, denn das Leben des 2013 verstorbenen Nelson Mandelas ist keineswegs eine leicht abzubildende und verdauliche Kost.

Gedämpfte Heroisierung

Die Exposition beginnt mit dem Ritual der Beschneidung und setzt dann Jahre später mit den Anwaltstätigkeiten des jungen Mandelas (Idris Elba) wieder ein – ein Mann, der sich anfangs sträubt dem ANC (African National Congress) beizutreten, bei Frauen nichts anbrennen lässt und auch dem Feiern nicht abgeneigt ist. Die Heroisierung des großen Mandelas wird somit schon am Anfang des Films etwas abgedämpft: Er heiratet und gründet eine Familie, geht jedoch weiterhin mit anderen Frauen ins Bett und wird gegenüber seiner ersten Ehefrau sogar handgreiflich. Zwar wäre dieser Teil seines Lebens für den weiteren Plot und auch für das Aufzeigen seiner politischen Aktivitäten keineswegs nötig, zeigt jedoch, dass der Film auch den privaten, „menschlichen”, nicht-fehlerfreien Mandela zeigen möchte, was ihm hier auch mit großer Emotionalität gelingt.

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Erst nach der Hochzeit mit seiner zweiten Frau, Winnie Mandela (Naomie Harris), beginnt seine Karriere als radikaler Revolutionär. Das Abtauchen in den Untergrund, in dem er mit anderen Parteimitgliedern des ANC das Bombenbauen erlernt, wird ihm jedoch zum Verhängnis: Er wird gefasst. Eine Rede vor Gericht, in der er und seine Parteimitglieder mitteilen, dass sie für ihren politischen Kampf selbst die Todesstrafe auf sich nehmen würden, rettet ihm das Leben. So verbringt er 27 Jahre seines Lebens als politischer Gefangener.

Der Kampf wird heruntergebrochen

Die Demütigungen der Gefängniswärter, die Mandela und seine Parteikameraden über sich ergehen lassen müssen, machen an dieser Stelle des Films zum ersten Mal richtig deutlich, gegen was der ANC eigentlich kämpft. Und der Kampf Mandelas wird hier heruntergebrochen: Schritt für Schritt will er sich sein Recht erkämpfen – und fängt klein an: Er fordert eine lange Hose für sich und seine Kameraden und bekommt sie dann auch. Nun wird auch deutlich, warum der freie Lauf durch das Ährenfeld eine so zentrale Rolle spielt – er zeigt den Kontrast in Mandelas Leben auf: seine rotgelbe, freie Kindheit und der graue und eingesperrte Alltag im Gefängnis.

Gleichzeitig wird Mandela weiterhin von „seinem Volk” gefeiert. Der Zuschauer fragt sich jedoch zurecht: Warum steht Mandela weiterhin als Symbol für den Kampf für Freiheit und gegen die Rassentrennung, wo er doch 27 Jahre nicht in der Öffentlichkeit steht und nichts bewegen kann? Auf diese Frage gibt der Film keine Antwort, obwohl sie hier benötigt wird, um die weitere Rolle Mandelas definieren zu können.

Keine Spur von inneren Konflikten

Auch an der Stelle als Mandela das Angebot der bedingungsvollen Freilassung annimmt, schwächelt der Film etwas. Was bewegt Mandela dazu, sich entgegen dem Rat seiner Kameraden alleine auf Verhandlungen mit der Regierung einzulassen? Wie wurde aus dem radikalen Revolutionär ein friedlicher Führer? Hier wäre es hilfreich gewesen, den inneren Konflikt Mandelas für den Zuschauer ersichtlicher zu machen, um die Person Mandelas und seine Macht gänzlich verstehen zu können.

Auch ist fraglich, warum nicht erwähnt wird, dass Mandela bereits im Jahr 1993 ein Friedensnobelpreis verliehen wurde oder warum Mosiuoa Gerard Patrick Lekota, der spätere Außenminister Südafrikas, mit Mandela im Film nur einen Satz wechselt und seine Person und spätere Rolle nicht weiter beleuchtet wird. Hier lädt der Film zur eigenen Recherche ein und zeigt, dass es nicht möglich ist, die Zusammenhänge des damals politischen Umbruchs kombiniert mit dem Lebens Mandelas in Gänze abzuzeichnen.

Trotzdem empfehlenswert

Der Film besticht jedoch mit großen Bildern und schreckt gleichzeitig nicht vor Gewaltszenen zurück. Beide Bildarten sind auf ihre Weise ergreifend und anrührend. Auch die schauspielerische Leistung lässt nicht zu wünschen übrig. Um einen Überblick über das Leben des Mandelas zu bekommen, ist der Film optimal, doch darf man sich nicht darauf verlassen, dass der Film eine lückenlose Biographie aufzeigt – das ist in 152 Minuten wirklich nicht möglich.

 

Titelbild: Filmplakat

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