Streiten im Internet – machen oder lassen?

Es vergeht kein Tag, an dem nicht über soziale Kanäle, wie Facebook, neue Streits ablaufen. Viele möchten mitdiskutieren. Aber ist das sinnvoll? Ein Kommentar.

Kommentar von Virginia W.

Es wird im Internet oft über einfache Dinge gestritten. Ereignisse oder Entwicklungen, die man auch in seinem privaten Umfeld diskutiert: das Verhalten von Prominenten oder die neusten Internettrends.

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Was man bedenken sollte

Bevor man mit unbekannten Menschen im Internet diskutiert, sollte man sich fragen, was man damit bewirken möchte: Will ich jemandem widersprechen? Will ich mich konstruktiv über ein Thema austauschen? Will ich neue Perspektiven kennenlernen? Bin ich bereit, die Konsequenzen zu tragen? Denn oft wird online nicht fair diskutiert. Bei dem zurzeit viel diskutierten Thema zur Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen und Asylsuchenden in Deutschland kochen die Emotionen. Nicht selten werden die Diskutierenden persönlich und verletzend. Manche Menschen hetzen sogar gegen andere. Dann kann es schlimmstenfalls zu einer Anzeige bei der Polizei kommen. Beleidigung, Verleumdung und Volksverhetzung sind Straftaten.

Auch für einen selbst gilt: Alles, was man online äußert, ist permanent dokumentiert. Selbst wenn der Kommentar wieder gelöscht wird, ist er über Kopien zu finden, die z. B. Suchmaschinen regelmäßig anfertigen. Diese Kopien kann die Polizei zu Ermittlungszwecken einfordern.

Man sollte Aussagen in einer Diskussion immer mit anderen Quellen und Kommunikationskanälen abgleichen. Gibt es einen allgemeinen Konsens? Ist dieses Thema in der Öffentlichkeit relevant? Und: Macht mein Gesprächspartner einen kompetenten, kritikfähigen Eindruck? Wenn der Diskussionspartner nur auf Pöbeln aus ist, kommt es zu keiner Diskussion. Dann kann man es auch lassen.

Man muss auch bedenken: Andere Mitdiskutierende können einen nicht sehen. Es fehlen Gesten und Mimiken, das individuelle Verhalten, um Aussagen einzuschätzen. Das können auch Smileys nicht ersetzen. So kann es zu Missverständnissen kommen.

Informationen recherchieren und sich auskennen

Viele Diskussionsfans führen an, sie könnten sich online besser über einen Sachverhalt informieren und austauschen. Anders als beim passiven Konsum von Nachrichten oder Zeitungen. Man sollte sich immer vorher umfassend informieren! Egal, ob man on- oder offline diskutiert. Wer nur nachplappert, was andere bereits geschrieben haben, ist unglaubwürdig.

Viele erwarten leicht konsumbierbare, sofort verständliche Informationen, ohne die Quelle zu hinterfragen. Wer die Antwort auf eine umstrittene Frage sucht, wählt die Informationsquellen unbewusst danach aus, welche Erkenntnis man erlangen möchte. Die eigene Vermutung soll bestätigt werden. Also nimmt man lieber den Beleg, der einem zustimmt. Ist das sinnvoll? – Wohl nicht. Darum noch einmal: Quellen checken und sich informieren!

Warum online streiten?

Wenn man sich im Netz streitet, spielen Mimik und Gestik, Alter, Geschlecht, Hautfarbe und körperliche Überlegenheit keine Rolle. Das Internet schafft eine Form der Gleichberechtigung, die es offline häufig leider nicht gibt. Hier äußern sich Menschen, die sonst nie etwas laut sagen würden. Das liegt einerseits daran, dass viele glauben, sie seien im Netz anonym unterwegs. Andererseits erfolgen die Antworten zeitlich versetzt. Man kann also seine Position reflektieren und länger über eine Antwort nachdenken. Das sollte man auch unbedingt tun. Denn: Was in einem persönlichen Gespräch nur ein paar Leute hören, lesen online ungleich mehr Menschen. Wenn man dabei neue, fundierte Informationen in die Diskussionen einbringen kann, ist das positiv. Man sollte sich jedoch nicht auf Hörensagen verlassen.

Aber Achtung: Man könnte meinen, jeder Beitrag hätte online die gleiche Sichtbarkeit wie alle anderen. Da aber z. B. Facebook Kommentare danach filtert, wer die meisten Likes erhält, ist diese demokratische Eigenschaft gefährdet. Dann heißt es wie im realen Leben auch: Wer am lautesten schreit, bekommt die größte Aufmerksamkeit.

Wann nicht mehr streiten?

Es gibt Situationen, in denen man nicht mehr streiten sollte: Wenn es zu groben Beleidigungen oder sogar zu Drohungen kommt, sollte man die Diskussion verlassen. Man kann auch einzelne Nutzer blockieren bzw. Posts bei Facebook melden. Im schlimmsten Fall kann eine Anzeige bei der Polizei erstattet werden. Wichtig ist, sich nicht einschüchtern zu lassen. Es ist immer die freie Entscheidung, einen Streit zu beenden.

Fazit

Da wir die Möglichkeit haben, mit Menschen zu diskutieren, die wir noch nie im Leben gesehen haben und vermutlich nie sehen werden, entstehen Risiken und Chancen, die man in einer Diskussion in der realen Welt nicht hat. Man hat die Chance, mehrere Quellen und Meinungen auszuwerten und sich ein differenziertes Bild zu einem Sachverhalt zu machen. Gleichzeitig werden Risiken sichtbar. Es wird persönlich und unsachlich gestritten. Es ist dann ein Streiten um des Streitens willen. Sollte man also im Internet streiten? Diese Frage muss jeder für sich beantworten.

Findest du, man sollte sich im Internet streiten oder es lieber lassen?

Titelbild: © PathDoc/shutterstock.com

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