Stephanie zu Guttenberg: „Es gibt Länder, die sind uns Lichtjahre voraus“

Als Aktivistin für den Schutz von Kindern im Internet hat sich Stephanie zu Guttenberg einen Namen gemacht. Jetzt bringt sie im Startup BG3000 digitale Bildung in Deutschland voran.

Frau zu Guttenberg, Sie sind seit Anfang Oktober Mitgesellschafterin der BG3000 und engagieren sich im Bereich Corporate Development. Warum brauchen Kinder und Jugendliche Ihrer Meinung nach digitale Bildung, wie sie in den SMART CAMPS vermittelt wird?

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Stephanie zu Guttenberg: „Ob es uns gefällt oder nicht: Technik und die Neuen Medien sind die Luft, die wir heute atmen. Der richtige Umgang damit wird leider nirgends in Deutschland wirklich gelehrt, genauer gesagt, wird die Vermittlung sogar vollkommen verschlafen.

Für mich ist die Digitalisierung wie ein junger Tiger: Stark, schnell, mächtig und durchaus schön. So wie der junge Tiger gezähmt werden muss, sollten wir als Gesellschaft lernen, Technologien zu zähmen. Damit wir sie sinnvoll und positiv in unser modernes Leben integrieren können. Mit den SMART CAMPS der BG3000 helfen wir dabei, die junge Generation fit für das Leben mit dem ‚Technik-Tiger‘ zu machen.“

BG3000-Smart-Camps-Gesellschafter

Simone Stein-Lücke, Matthias Hocke und Stephanie zu Guttenberg (v. l. n. r.) | © Aleksander Perkovic

 

Welche Erkenntnisse sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Ende eines SMART CAMPS gewonnen haben, wenn es nach Ihnen ginge?

Stephanie zu Guttenberg: „Es geht darum, die Kinder und Jugendlichen zu sogenannten ‚Digital Citizens‘ auszubilden. So wie wir gelernt haben, in einer Gesellschaft zu leben, uns an Rechte und Sitten zu halten, so muss man das auch für das Leben innerhalb des Netzes verlangen. Hinzu kommt der Aspekt der Privatsphäre, die Datensicherheit und der positive, kreative Umgang mit den Neuen Medien. Jugendliche werden in den SMART CAMPS oft das erste Mal mit den Chancen und Gefahren der digitalen Welt vertraut gemacht, in der sie bereits ohne das nötige Know-how unterwegs sind. Die meisten sind passive Nutzerinnen und Nutzer. Denn vergessen Sie bitte eines nicht: Nur, weil die Kinder und Jugendlichen auf einer Social-Media-Plattform unterwegs sind und dort vielleicht Bilder posten, heißt dies nicht, dass sie tatsächlich ‚aktiv‘ im Umgang damit sind.“

Was unterscheidet für Sie einen passiven von einem aktiven Nutzer bzw. einer Nutzerin?

Stephanie zu Guttenberg: „Als passive Nutzerin bzw. passiver Nutzer benutzt man die Plattformen meist genauso, wie es sich der Hersteller vorgestellt hat. Man macht alles für mehr Likes und verbringt unendlich viel Zeit damit. Dabei wird man mit gezielter Werbung bespielt und gleichzeitig werden Daten gesammelt. Daten sind die wertvolle Währung der Neuzeit.

Für mich ist jemand erst dann als Nutzerin bzw. Nutzer aktiv, wenn er bzw. sie sich dessen bewusst ist und die Plattform idealerweise zum produktiven Umgang nutzen kann. Mit unseren P2P-Workshops werden die Schülerinnen und Schüler dafür sensibilisiert und dazu animiert, nachzudenken, auszuprobieren und ‚aktiv‘ zu werden. Die Camps bieten viel Freiraum für junge Kreativität, Diskussionen und eine Trial-and-Error-Kultur. Aus unserer Erfahrung sind die Schülerinnen und Schüler begeistert und gehen mit vielen neuen Eindrücken und Erkenntnissen an ihre Geräte und ihre Accounts zurück. So sieht für mich ein idealer Outcome aus.“

Könnten Sie sich vorstellen, dass die Themen, die Sie mit den SMART CAMPS behandeln, Teil des Regelunterrichts an deutschen Schulen werden?

Stephanie zu Guttenberg: „Ich kann es mir nicht nur vorstellen, sondern es wäre dringend erforderlich. Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland leider wirklich hinterher. Der richtige Umgang mit der neuen Welt muss wie das kleine Einmaleins gelehrt werden. Es braucht hierzu nicht nur ein eigenes Unterrichtsfach, sondern jede Schule bräuchte theoretisch eine eigene IT-Abteilung. So machen es alle Länder, die bei der Digitalisierung der Schulen vor uns liegen.

Es obliegt uns als BG3000 jedoch nicht, das Schulsystem zu verändern, sondern wir konzentrieren uns voll und ganz auf möglichst viele junge Menschen, die JETZT weitergebildet werden müssen. Diese Generation hat keine Zeit, auf die Verantwortlichen in der Politik zu warten.“

In welcher Verantwortung sehen Sie die Eltern bei der Vermittlung von Medienkompetenzen?

Stephanie zu Guttenberg: „Die Eltern haben eine wichtige Aufgabe bei der Vermittlung von Medienkompetenzen. Jedoch fehlt es vielen Eltern auch an ausreichender Erfahrung im Umgang mit den Medien. Schließlich sind immer noch eine Vielzahl der Eltern selbst nicht mit dem Internet aufgewachsen. Leider ist es aus diesem Grund häufig so, dass Eltern ihren Kindern entweder aus Unwissenheit und Unsicherheit das Feld vollkommen alleine überlassen oder es den Kindern gänzlich untersagen. Beides ist natürlich falsch. Das A und O ist eine offene Kommunikation mit den Kindern und das selbst gelebte Vorbild.

Ich kann beispielsweise meinem Kind sehr schlecht verbieten, ständig seine Zeit am Smartphone zu verbringen, wenn ich es ihm selbst so vorlebe. Man kann je nach Alter gemeinsam mit seinen Kindern eine ‚Medien-Ordnung‘ für die Familie erstellen. Darin sind dann Dinge wie sogenannte technikfreie Zonen, Nutzungsdauer etc. geregelt. Eine gute technikfreie Zone ist z. B. das gemeinsame Essen. Hier hat weder ein Smartphone noch ein Laptop etwas zu suchen. Natürlich müssen sich die Eltern genauso daran halten. Auch wenn sie nicht mit den Neuen Medien aufgewachsen sind, so können sie dennoch über Werte und Verhaltensweisen mit ihren Kindern reden. Wenn man seinen Kindern Werte wie Kameradschaft, Fairness, Hilfsbereitschaft, Vorsicht im Umgang mit Fremden beibringt, so bezieht sich dies sowohl auf das reale Leben als auch auf das digitale im Netz. Eltern sollten zudem unbedingt Interesse signalisieren an dem, was ihre Kinder im Netz so tun.

Eltern sollten sich von ihrem Kind eine Social-Media-Plattform erklären lassen, wenn sie sich nicht damit auskennen! Damit signalisieren sie Interesse an ihrem Kind. Es fühlt sich ernstgenommen. Außerdem kann man als Erwachsener von den Kindern und Jugendlichen eine Menge dazu lernen.“

Wie sieht Schule Ihrer Meinung nach in zehn Jahren aus?

Stephanie zu Guttenberg: „Ich kann Ihnen leider nicht sagen, wie deutsche Schulen in zehn Jahren aussehen werden. Denn das hängt stark von denen ab, die jetzt in der entscheidenden Verantwortung stehen. Wann werden sie endlich die Dringlichkeit dieses Themas begreifen? Es gibt Länder, die sind uns hier Lichtjahre voraus. Entscheidend ist: Das Netz, die Neuen Medien und die Digitalisierung werden nicht verschwinden.

Ich wünsche mir aber, dass in zehn Jahren Schulen den Kindern und auch den Jugendlichen das ganze notwendige Rüstzeug mitgeben können, welches sie für ein Leben mit der modernen Technologie benötigen. Dazu gehört nicht nur der effiziente und geschulte Umgang mit allen Möglichkeiten, sondern auch die Erkenntnis, dass es eine Balance geben muss zwischen der virtuellen und der realen Welt. Zum einen muss der Umgang mit digitaler Technologie selbstverständlich werden. Zum anderen muss die Erkenntnis erwachsen, dass wir Pausen und Momente als Menschen brauchen, in denen wir eine technologiefreie Zeit verbringen: Zeit, um uns mit Freunden zu treffen, Sport zu treiben, zu spielen, zu kommunizieren und einfach nur abzuschalten.“

Titelbild: © BG3000

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