Kreatives Lernen – wie du dir Fakten mit der Loci-Methode besser merken kannst

Manchmal bleibt der Lernstoff einfach nicht im Kopf. Da hilft die Loci-Methode: Man stellt sich einen Raum vor und verbindet den Lernstoff mit Gegenständen. Dabei entstehen Bilder, die helfen, sich den Lernstoff leichter zu merken.

Die Magie unseres Gehirns

Die Loci-Methode, die auch „Routenmethode“ genannt wird, ist eine visuelle, also eine bildliche Lerntechnik. Sie beruht auf einer besonderen Eigenschaft unseres Gehirns, nämlich dem „räumlichen Erinnerungsvermögen‟. Wenn wir in einer Klausur vor einer Frage sitzen, auf die uns die Antwort nicht einfällt, erinnern wir uns häufig daran, wo genau im Buch oder Heft die Antwort steht. Wir können uns nur nicht daran erinnern, was genau.

Die Loci-Methode macht sich dieses Phänomen zunutze. Die Lerntechnik besteht aus zwei Schritten. Im ersten Schritt stellst du dir einen vertrauten Raum oder auch eine Wegstrecke (z. B. deinen Schulweg) vor. In dem Raum oder auf dem Weg legst du eine bestimmte Route fest, d. h. du läufst in Gedanken an bestimmten Gegenständen in einer bestimmten Reihenfolge vorbei. Im zweiten Schritt bindest du beim Lernen wichtige Schlüsselwörter, Zahlen oder Fakten fantasievoll in deine Route ein. Du verbindest also ein Begriff mit einem Gegenstand auf deiner Route und lässt dir ein Bild dazu einfallen.

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Durch das „Abwandern” der Route in deinem Kopf kannst du dich dann an alle Begriffe erinnern, sogar in der richtigen Reihenfolge. Griechische Intellektuelle haben schon vor 2500 Jahren herausgefunden, dass man sich so Informationen leichter und länger merken kann. Heute verwenden Gedächtnissportler die Loci-Methode, um z. B. hunderte Namen innerhalb weniger Minuten zu lernen.

Die Route erstellen – so funktioniert es

Bevor du mit dem Lernen beginnst, solltest du dir eine Route überlegen. Dabei musst du folgende Dinge beachten:

  1. Der Raum oder der Weg, den du dir vorstellst, sollte dir sehr vertraut sein. Du solltest dich häufig dort aufhalten.Beispiel: Der Tag beginnt morgens mit dem Aufwachen im Bett. Das Bett ist also dein erster Routenpunkt.
  2. Die Reihenfolge der einzelnen Routenpunkte oder Gegenstände sollte eindeutig und sinnvoll sein. Du würdest dir also nicht vorstellen, wie du im Zickzack durch deinen Raum läufst, sondern ohne Umwege von A nach B nach C gehen kannst.Beispiel: Neben deinem Bett steht dein Nachttisch. Das ist dein zweiter Routenpunkt.
  3. Die Routenpunkte sollten einprägsam sein. Ausgefallene und interessante Sachen bleiben leichter in Erinnerung.Beispiel: Neben deinem Nachttisch steht eine großer stacheliger Kaktus. Dein dritter Routenpunkt.
  4. Die Routenpunkte sollten nicht zu klein, und nicht zu groß sein. Ein Punkt an der Wand ist z. B. zu klein, ein Wald zu groß.Beispiel: Du willst erstmal frische Luft hereinlassen und öffnest dein Fenster. Dein vierter Routenpunkt.
  5. Die Routenpunkte sollten nicht zu nah oder zu weit entfernt liegen. Wenn sie zu weit entfernt sind, ist die Reihenfolge nicht klar. Wenn die Routenpunkte zu nah liegen, könnten die mentalen Bilder überlappen. Der Abstand der Routenpunkte sollte zwischen 0,5 und 20 Metern liegen.Beispiel: Auf dem Weg vom Fenster zum Bad kommst du an deinem Kleiderschrank vorbei. Dein fünfter Routenpunkt.
  6. Die Gegenstände, die du dir einprägst, sollten nicht beweglich und immer an einem bestimmten Platz sein. Dein Bett, Schreibtisch, Regal eigenen sich z. B. hervorragend. Deine Schultasche eignet sich weniger, außer sie steht immer an einem bestimmten Platz.Beispiel: Im Bad ist das Handtuchregal. Dein sechster Routenpunkt.
  7. Achte darauf, dass die Gegenstände unterschiedlich sind und nicht zu ähnlich aussehen.Beispiel: Gegenüber von dem Handtuchregal ist das Waschbecken. Dein siebter Routenpunkt.

Du kannst dir so viele Routenpunkte überlegen, wie du möchtest. Je mehr du lernen musst, desto länger sollte die Route sein. Denn für jeden Gegenstand bzw. Routenpunkt darfst du nur eine Information abspeichern.

Die Route anwenden

Sobald du deine eigene Route erstellt hast und sie dir merken kannst, kannst du mit dem Lernen beginnen. Angenommen, du musst die letzten sieben Präsidenten der Vereinigten Staaten in der richtigen Reihenfolge lernen: Ford, Carter, Reagan, Bush, Clinton, Bush, Obama. Deine Route könnte dann so aussehen:

  • Ein Ford-Auto (Ford) parkt auf deinem Bett
  • eine Katze (Carter) räkelt sich auf deinem Nachttisch
  • ein großes Reagenzglas (Reagan) steckt neben deinem großen stacheligen Kaktus
  • ein Busch (Bush) ragt in dein Fenster rein
  • aus deinem Schrank ertönt ein lauter Klingelton, weil du dein Handy dort reingelegt hast (Clinton)
  • Busch-Sprößlinge wachsen auf deinem Handtuchregal
  • und Opa steht zusammen mit Mama (Obama) am Waschbecken und putzt sich die Zähne.

Wie du siehst, die Bilder müssen keinen Sinn ergeben. Je ausgefallener sie sind, desto einfacher kannst du dir die Begriffe merken.

Beachte

Wenn du gleichzeitig für verschiedene Klausuren lernst, solltest du dir für jedes Fach eine eigene Route erstellen. So vermeidest du, das Gelernte zu vermischen.

Du kannst dir mit jedem beliebigen Ort eine Route erstellen, sei es ein Raum bei dir Zuhause, dein Schulweg, Spazierweg, Klassenzimmer, die Wohnung deiner Oma, usw..

Funktioniert die Loci-Methode wirklich?

Bei einer Studie des Max-Planck-Instituts* sollten Studenten 40 Wörter in der richtigen Reihenfolge lernen. Sie hatten für jedes Wort 10 Sekunden Zeit. Am Ende der Lernzeit konnten sich die meisten Studenten im Durchschnitt nur an fünf Wörter in der richtigen Reihenfolge erinnern. Ein Teil der Studenten hatte vorher allerdings die Loci-Methode gelernt. Sie konnten im Durchschnitt 35 Wörter in der richtigen Reihenfolge wiedergeben. Das heißt, ihr Gedächtnis konnte sich in der gleichen Zeit 600 Prozent mehr merken, als die Studenten, die ohne die Loci-Methode lernten.

Probiere es einfach mal aus! Wir wünschen dir viel Spaß beim kreativen Lernen!


*Karsten, G. (2004) Erfolgsgedächtnis: Wie Sie sich Zahlen, Namen, Fakten, Vokabeln einfach besser merken. Wilhelm Goldmann Verlag, München.


Foto: © Creative/Shutterstock.com

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