Jenaplan-Schule – Die Pädagogik nach Peter Petersen

Individuelle Förderung, Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt sind die Kernkompetenzen, die Schülerinnen und Schüler an Jenaplan-Schulen erwerben sollen. Wie Kinder dort trotzdem einen staatlich anerkannten Schulabschluss machen, erfahren Sie hier.

Der Unterricht an Jenaplan-Schulen ist ganz anders als an Regelschulen: keine 45-Minuten-Stunden, keine Noten in der Grundschule und kein Sitzenbleiben mehr. Stattdessen stützt sich das Konzept auf die Kombination aus Arbeit, Spiel, Feier und Gespräch. Auch die Altersdurchmischung spielt eine große Rolle. Wir erklären das Schulkonzept und wie es entstanden ist.

Was ist die Jenaplan-Pädagogik und seit wann gibt es sie?

Die Jenaplan-Pädagogik wurde ca. 1924 von Dr. Peter Petersen am Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft an der Universität Jena gegründet. Ziel war es, eine Schulform zu entwickeln, die Kinder individuell fördert und die Gemeinschaft durch jahrgangsübergreifendes Lernen, gegenseitiges Erklären, Feiern und andere Aktivitäten in der Gruppe stärkt. In Deutschland gibt es mittlerweile ca. 40 Schulen, die nach dem Konzept der Jenaplan-Pädagogik organisiert sind. Einige Schulen, die nach dem Jenaplan-Modell unterrichten, werden auch als Peter-Petersen-Schulen bezeichnet.

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Sind Jenaplan-Schulen staatlich oder privat organisiert?

Die meisten Jenaplan-Schulen sind staatliche Schulen, die jedoch Fördervereine haben, um die Kosten für die Umsetzung aller schulischen Aktivitäten decken zu können. Einige Jenaplan-Schulen werden jedoch gänzlich privat finanziert. Dort wird ein Schulgeld verlangt.

Da sich alle Jenaplan-Schulen an den Rahmenlehrplänen der jeweiligen Bundesländer orientieren, können Schülerinnen und Schüler dort, je nach Schulform, staatlich anerkannte Schulabschlüsse erwerben, wie den Hauptschulabschluss, den MSA oder das Abitur.

Wie funktioniert die Jahrgangsmischung an den Jenaplan-Schulen?

An Jenaplan-Schulen werden Schülerinnen und Schüler in jahrgangsgemischten Stammgruppen unterrichtet, die meist drei Schuljahrgänge umfassen. Dies soll bewirken, dass die jüngeren Kinder von den älteren lernen und die älteren beim Erklären ihr Wissen festigen. Ergänzend findet Unterricht auch in altershomogenen Gruppen, dem sogenannten Kursunterricht statt.

Die Einteilung der altersgemischten Stammgruppen sieht meist folgendermaßen aus:

  • Vorschulgruppe: 2 bis 6 Jahre
  • Untergruppe: 1. bis 3. Jahrgang
  • Mittelgruppe: 4. bis 6. Jahrgang
  • Obergruppe: 7. bis 9. Jahrgang
  • Obergruppe: 10. Jahrgang
  • Oberstufe: 11. bis 13. Jahrgang

Jenaplan-Schulen, an denen Schülerinnen und Schüler nach der zwölften Klasse das Abitur machen können, fassen meist die neunte und zehnte Klasse und die elfte und zwölfte Klasse als Abiturklasse zusammen.

Wie findet der Unterricht an Jenaplan-Schulen statt?

Der Unterricht und das soziale Miteinander an Jenaplan-Schulen werden meist von diesen vier Säulen getragen:

Gespräch
Die Gesprächsrunden finden meist in Form eines Sitz- oder Stehkreises statt. Die Kinder sollen ihre Freuden und Ängste zum Ausdruck bringen, Probleme offen ansprechen und empathisch miteinander kommunizieren lernen. Es finden aber auch Themeneinführungen in den Gesprächskreisen statt, Projekte werden vorgestellt oder Ergebnisse präsentiert und ausgewertet. Die Kinder üben dabei, das eigene Verhalten und das anderer zu reflektieren und frei vor anderen zu sprechen.

Arbeit
Die Schülerinnen und Schüler arbeiten in jahrgangsdurchmischten und fächerübergreifenden Stammgruppen. Hier findet der Kernunterricht statt, der meist in projektorientierte und leistungsdifferenzierte Kursphasen unterteilt ist. Eine zeitliche und inhaltliche Strukturierung ermöglichen individuelle und rhythmisierte Wochenarbeitspläne, an denen sich die Kinder orientieren können. Die dynamische Struktur des Unterrichts lässt neben den Arbeitsphasen auch Freiarbeits- und Bewegungsphasen zu. Die Unterteilung in 45-Minuten-Stunden, wie sie meist an Regelschulen zu finden ist, gibt es an Jenaplan-Schulen nicht. Die Lerneinheiten gehen fließend ineinander über und Pausen finden nach Bedarf statt.

Spiel
Auch der spielerische Aspekt kommt in der Jenaplan-Pädagogik nicht zu kurz. Ob Lernspiele, Gesellschaftsspiele, Spielkreise oder Pausenspiele – Kinder sollen mit Spaß lernen und sozial und fair miteinander interagieren, ganz ohne Leistungsdruck. Durch spielerische Interaktionen werden außerdem kreatives Denken, das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit der Kinder gefördert, Spiele nehmen daher einen festen Platz im Unterrichtsalltag an Jenaplan-Schulen ein.

Feier
Neben den üblichen Wochenabschlussfeiern finden an Jenaplan-Schulen auch größere Events statt. Die Planung, Vorbereitung und Durchführung der Feiern liegen meist im Aufgabenbereich der Schülerinnen und Schüler. Gemeinsam Feste zu organisieren und zu feiern soll die wesentlichen Werte des Zusammenlebens vermitteln: Hilfsbereitschaft, Verantwortung gegenüber Mitmenschen übernehmen, Zusammenhalt und der Austausch mit anderen. Die Kinder sollen durch die Feiern in die Gesellschaft innerhalb und außerhalb der Schule eingebunden werden.

Wie werden die Leistungen der Kinder an Jenaplan-Schulen bewertet?

Die Schülerinnen und Schüler an Jenaplan-Schulen erhalten keine Noten, da die individuellen Leistungen ohne den Vergleich mit anderen beurteilt werden sollen. Das gegenseitige Helfen und die persönlichen Fortschritte sollen im Vordergrund des Lernens stehen und nicht der Konkurrenzkampf.

Daher erstellen die Lehrerinnen und Lehrer Arbeits- und Leistungsberichte bzw. Lernentwicklungsberichte. So können sie den Schülerinnen und Schülern ein Feedback zu ihren individuellen Leistungen geben. Selbstreflexion und die Einschätzungen der anderen Schülerinnen und Schüler ist ebenfalls ein fester Bestandteil der Leistungsbewertung. Es geht nicht darum, sich gegenseitig zu vergleichen, sondern die eigene und die individuelle Entwicklung anderer einzuschätzen. Aufgrund der jahrgangsübergreifenden Stammgruppen bleiben Kinder an Jenaplan-Schulen nicht sitzen und müssen dementsprechend Schuljahre wiederholen. Sie werden stattdessen individuell gefördert und können zum Teil länger in den Stammgruppen verweilen.

An vielen Jenaplan-Schulen gibt es ab dem siebten Schuljahr Zeugnisse mit klassischen Schulnoten. Diese ersetzen jedoch nicht den Austausch und das persönliche Feedback. Die Benotung wird jedoch aufgrund der staatlich anerkannten Schulabschlüsse notwendig.

Müssen sich Eltern auch einbringen?

An Jenaplan-Schulen wird viel Wert auf Elternbeteiligung gelegt. Sowohl bei der Planung von Feiern, als auch im Schulalltag in Form von persönlichen Gesprächen, Hofgestaltung, Lesepatenschaften oder Unterrichtsbesuchen sind Eltern angehalten, sich einzubringen. So nehmen sie Anteil an der schulischen und persönlichen Entwicklung ihres Kindes und der innerschulische Zusammenhalt wird dadurch gestärkt.

Weitere Information zur Jenaplan-Pädagogik finden Sie hier:

 

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Titelbild: ©Oksana Shufrych/shutterstock.com

 

 

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