„Schulangst“ ist nicht immer Angst vor der Schule

Die Angst vor der Schule hat nicht immer etwas mit dem Schulalltag zu tun. Woher kann die Angst sonst kommen?

Die Schule wird verweigert – aus Angst. Die Angst ist so groß, dass sie körperliche Beschwerden (z.B. Kopf- und Bauchschmerzen, Übelkeit, Kreislaufprobleme, Appetitstörung, Harndrang und Durchfall) mit sich führt. Aber Schulangst ist nicht gleich Schulangst. „Es ist wichtig, die Quellen der Angst zu unterscheiden“, rät Diplom-Pädagoge Dr. Udo Baer. Die Ursachen der Angst geben Aufschluss, ob es sich um Schulangst oder Schulphobie handelt.

Unterscheidung

Schulangst

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  • Schulverweigerung aus Angst vor Überforderung, Gewalt/Mobbing, soziale Angst
  • Körperliche Ausdrucksform der Angst: z. B. Kopf- oder Bauchschmerzen, Übelkeit, Kreislaufprobleme, Appetitstörungen, Schlafstörungen, Harndrang


Schulphobie

  • Schulverweigerung aus Angst vor Trennung von Bezugsperson
  • Typische Familiensituation: Überbehütung o. traumatisches Trennungserlebnis im Vorfeld
  • Körperliche Ausdrucksform der Angst: z. B. Kopf- oder Bauchschmerzen, Übelkeit, Kreislaufprobleme, Appetitstörungen, Schlafstörungen, Harndrang
  • Schulverweigung kann mit Wutausbrüchen einhergehen.

Schulangst oder Schulphobie?

Kinder mit Schulangst fürchten sich vor realen Bedrohungen im Schulalltag, z.B. Mobbing, Leistungsdruck, Prüfungs- oder Versagensängste aufgrund von Lernschwächen. Kinder mit Schulphobie sind hingegen den schulischen Anforderungen gewachsen. Sie haben Angst, ihr Zuhause zu verlassen. „Die Schulphobie ist eine Trennungsangst“, erklärt Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut Dr. Hans Hopf. Die Kinder leiden unter einen krankhaften Angst, ihre Bezugsperson – meistens die Mutter – zu verlassen, z.B. weil ihr während der Schulzeit etwas Schreckliches zustoßen könnte.

Schulphobie ist eine Trennungsangst

Schulphobie taucht häufig bei überbehüteten Kinder im Alter von zehn bis zwölf Jahren auf. In diesem Alter steht die Pubertät an. Die Kinder müssen sich von den Eltern lösen. Das macht Angst, da sie während ihrer Kindheit wenige Situationen allein bewältigt haben. „Sie brauchen ihre Bezugspersonen, um sich sicher zu fühlen“, so der Therapeut. Ihnen fehlt das Selbstvertrauen und die Fähigkeit, sich gegen andere durchzusetzen. So werden sie nicht selten zu Mobbingopfern. Hier verläuft die Grenze zwischen Schulangst, der Angst vor dem Schulalltag, und der Schulphobie, der Trennungangst, fließend.

Die Angst erkennen

Kinder mit Schulangst erfinden ständig Ausreden, um die Hausaufgaben nicht machen zu müssen. Beim Thema Schule blocken sie völlig ab. „Wenn das Kind die sozialen Kontakte reduziert, sich zurückzieht, die Freude erlischt und sich Verstörung breit macht, sollten Eltern achtsam sein“, rät Pädagoge Dr. Udo Baer. Bei deutlichen Zeichen gilt es, sich Hilfe von außen (Vertrauenslehrer/in, Schulpsycholog/in usw.) zu holen.

Bei Kindern mit Schulphobie kommt Wut als Ausdruck der Angst hinzu. Sie können ihren Eltern gegenüber sehr fordernd werden. „Wenn die Kinder in die Schule müssen, tyrannisieren sie ihre Eltern“, so Dr. Hans Hopf. Er warnt, sich von dieser Wut nicht beeinflussen zu lassen. Mitleid unterstützt die kindliche Seite. Da das Kind aber selbstständiger werden muss, sind klare Forderungen notwendig. Bei Anzeichen einer Schulphobie sollten sich Eltern und Kind unbedingt psychologisch betreuen lassen.

Ängstliche Kinder müssen zur Schule

Je länger ein Kind nicht in der Schule war, desto größer wird die Angst. „Geht das Kind nicht in die Schule, kann es sich zu Hause behaglich einrichten. Die Ängste sind nicht erkennbar, erzeugen kein Leiden und können nicht bearbeitet werden“, so Dr. Hans Hopf. Egal, ob das Kind an Schulangst oder Schulphobie leidet, es muss die Schule besuchen. Gleichzeitig sollte ein eventuell herrschender Leistungsdruck reduziert werden. Bei allen Maßnahmen sollten Eltern und Therapeuten bzw. Therapeutinnen eng zusammenarbeiten.

Schulangst und Schulphobie: Wege zum Verständnis und zur Bewältigung. Hilfen für Eltern und Lehrer

von Hans Hopf

Schulangst und Schulphobie

© Brandes & Apsel

„Schulangst ist weitverbreitet und eine reale Angst, etwa vor Prüfungen, vor Beschämung, Verletzung oder Bestrafung. Mobbing und Bullying sind Ausdruck dieser Atmosphäre im sozialen Raum Schule. Aber auch Prüfungs- und Versagensängste plagen das moderne Kind. Ganz anders das Kind mit einer Schulphobie: Es hat Angst, die Schule zu besuchen, obwohl kein objektiver Grund dafür zu erkennen ist. Es leidet meist an Trennungsangst, die mit vielen seelischen und körperlichen Symptomen verbunden ist.
Sowohl Eltern wie auch Lehrer und Kinderärzte werden in das Geschehen um Schulängste hineingezogen. Sie müssen diese mit ihren Kindern bzw. Schülern mitverarbeiten. Das ist nicht immer einfach, und so bieten die Erfahrung und Kompetenz von Hopf in Sachen Angststörungen eine verlässliche Grundlage, um ein komplexes psychisches Geschehen im sozialen Raum zu verstehen. Hopf gelingt es, dies auf anschauliche Weise hervorragend zu vermitteln.”

Verlag: Brandes & Apsel
Format: 14,5 x 20,7 cm, ca. 184 Seiten,
ISBN 978-3-95558-035-3
ca. [D] € 17,90

Keine Angst vor der Schule: Was Eltern tun können

von Bernhard Schön (Herausgeber), Udo Baer (Autor), Waltraut Barnowski-Geiser (Autor)

Schulangst

© Beltz kinder kinder

„Leistungsdruck und Versagensängste, Unsicherheit und soziale Konflikte in der Klasse und auf dem Schulhof – Schulangst ist inzwischen weit verbreitet. Schon in der Grundschule reagieren viele Kinder mit wachsender Angst auf den zunehmenden Stress. Kurz und verständlich werden die verschiedenen Gesichter, die Schulangst annehmen kann, beschrieben und ebenso ihre Quellen. Mit zehn konkreten Hinweisen, wie Eltern ihrem Kind helfen können, seine Schulangst zu überwinden, bietet das Buch praktische Hilfestellung. Und die Autoren geben den Eltern gleich zu Anfang wichtige Hinweise, was man tun muss, damit es gar nicht erst zur Schulangst ihres Kindes kommt. Gesichter der Schulangst • Chronisches Unbehagen und schlechte Laune • Krankheit, vor allem montags und vor Klassenarbeiten • Niemand kommt zum Geburtstag, keine Freunde in der Klasse • Verstummen Quellen der Schulangst • Überforderung beim Übergang zu neuen Schulen • Überforderung durch allgemeinen Druck • Einsamkeit (durch Wegzug der Freunde, Schulwechsel, Mobbing) • Konkrete Ängste (vor älteren Schülern) • Beschämung und Scham Hilfe gegen Schulangst • Konkret schauen und ernst nehmen • Druck vermindern • Lernfreie Zonen • Gemeinsam gegen Beschämung angehen • Schuldgefühle ansprechen • Sicherheiten schaffen, Stärken ausbauen • Wenn keine Worte helfen: Musik, Tanz, künstlerische Gestaltung”

Verlag: Beltz kinder kinder
Format: 21,4 x 16 x 1,2 cm, 128 Seiten
ISBN: 978-3407225023
ca. [D] € 12,95



Titelbild: © altanaka/shutterstock.com
Foto von Dr. Udo Baer: © Udo Baer
Foto von Dr. Hans Hopf: © Hans Hopf

Titelbild: © altanaka/shutterstock.com

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