Montessori-Schulen – „Träumen die da nicht nur?“

Individuelles Lernen im eigenen Tempo – das wünschen sich immer mehr Eltern für ihre Kinder. Deshalb liegen Montessori-Schulen voll im Trend. Hier erfahren Sie alles, was Sie zu der alternativen Schulform wissen müssen.

Was möchten Sie zur Montessori-Pädagogik wissen?

Die Montessori-Pädagogik: Das Wichtigste in Kürze

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©Joaquin Corbalan P/shutterstock.com

Kinder sollen sich in Montessori-Schulen individuell entfalten können, sich selbstständig Wissen in einer anregenden Lernumgebung aneignen und haptisch erfahren. Deshalb gibt es keine Stundenpläne, keine Schulnoten und keinen Frontalunterricht. Stattdessen lernen die Kinder in altersgemischten Lerngruppen mit individuellen Zielvereinbarungen, die sie in Planungsgesprächen mit der Lehrkraft festlegen. Staatliche Schulabschlüsse können an Montessori-Schulen gemacht werden, die Prüfungen dazu müssen jedoch extern an staatlichen Schulen abgelegt werden.

Wie ist die Montessori-Pädagogik entstanden?

Die Montessori-Pädagogik wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von der italienischen Ärztin Maria Montessori begründeten. Sie leitete ein Kinderhaus (Casa dei Bambini) in einem Armenviertel Roms, wo die Kinder selbstständig und frei lernten. 1919 wurde in Deutschland ein Kinderhaus ins Leben gerufen, das sich an der Pädagogik Montessoris orientierte. 1923 eröffnete in Jena die erste deutsche Montessori-Schule. Damit wurde in Deutschland der Grundstein für eine alternative Schulform gelegt, die bis heute besteht und sich immer noch großer Beliebtheit erfreut.

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Auf welcher Philosophie basiert die Montessori-Pädagogik?

„Hilf mir, es selbst zu tun.“ Dieser bekannte Satz von Maria Montessori verweist auf das Ziel ihrer Pädagogik, nämlich eine Erziehung des Kindes zur Selbstständigkeit. Damit meint sie auch, dass Kinder beim Lernen begleitet und nicht angeleitet werden sollen. Kinder, so Maria Montessori, seien von Geburt an neugierig und wollen an dem Leben der Erwachsenen teilhaben. Daher würden sie aus eigener Motivation heraus lernen wollen, solange ihnen die richtige Lernumgebung geschaffen wird. 

Kinder sollen daher selbstständig, frei und im eigenen Tempo ohne Einschränkungen und Wertung lernen. Nur so könnten sie ihr individuelles Potenzial richtig entfalten und zu selbstbewussten, in sich ruhenden Erwachsenen werden.

Langfristig sollen Kinder lernen, Verantwortung für sich selbst, ihre Mitmenschen aber auch für Natur und Umwelt zu übernehmen. Dabei soll ein reflektiertes und entdeckendes Lernen helfen.

Wie findet der Unterricht an Montessori-Schulen statt?

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©Monkey Business Images/shutterstock.com

Den klassischen Frontalunterricht, wie man ihn von Regelschulen kennt, gibt es in der Montessori-Pädagogik nicht. Stattdessen sind folgende Aspekte wichtig für das Lernen an Montessori-Schulen:

  1. Jedes Kind lernt im eigenen Tempo, entweder für sich allein oder im Austausch mit anderen Mitschülerinnen und Mitschülern. 
  2. Der Unterricht findet außerdem fächerübergreifend statt und die Lerngruppen sind meist altersgemischt.
  3. Kinder an Montessori-Schulen dürfen selbstständig bestimmen, welche Lektionen sie wie lange bearbeiten oder ggf. wiederholen wollen. 
  4. Es gibt keine künstliche Unterbrechung der jeweiligen Beschäftigung durch die Lehrkraft oder das Ende einer Unterrichtsstunde. 
  5. Kinder definieren für sich langfristige Lernziele. Diese werden gemeinsam mit der Lehrkraft in Planungsgesprächen entwickelt. 
  6. In einem Lerntagebuch sollen die Kinder reflektieren, was sie gelernt haben.
  7. An Montessori-Schulen gibt es in der Regel keine Noten oder andere Arten von Leistungsvergleich. Konkurrenz ist laut der Montessori-Pädagogik etwas, das die natürliche Neugierde und die individuelle Entfaltung von Kindern eher bremst. 

Welche Rolle spielt der Klassenraum in Montessori-Schulen?

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©Monkey Business Images/shutterstock.com

Der Klassenraum bzw. Lernraum spielt bei Montessori-Schulen eine große Rolle. Lehrkräfte kreieren hier eine vorbereitete Lernumgebung, in der die Kinder auf Materialien zurückgreifen können, die sie fachlich, sinnhaft, kreativ bzw. experimentell oder alltagspraktisch herausfordern. Das können z. B. Bücher, Musikinstrumente, spezielles Montessori-Spielzeug, technische Geräte oder Alltagsgegenstände sein. 

Der Lernraum muss jedoch nicht immer der Klassenraum sein. Um die Umwelt besser erfahrbar zu machen, wird der Unterricht nach draußen sowie in Werkstätten, Bibliotheken oder in Museen verlegt.

Welche Schulabschlüsse sind an Montessori-Schulen möglich?

Kinder können an Montessori-Schule alle staatlichen Abschlüsse ablegen, also die Bildungsreife, das MSA oder Abitur. Die Prüfungen müssen jedoch extern an staatlichen Schulen gemacht werden, da diese an Montessori-Schulen nicht angeboten werden können. Es gibt jedoch einen Montessori-Abschluss, der neben dem MSA am Ende der Sekundarstufe I gemacht wird. Dieser wird auch als „Große Praktische Arbeit“ bezeichnet. Die Jugendlichen wählen jeweils ein Thema, das zu ihren individuellen Interessen und Neigungen passt, setzen dieses praktisch um und präsentiert es am Ende. Dabei werden sie von einer Tutorin oder einem Tutor betreut, die bei der Themenfindung und der Umsetzung begleitet.

Übersicht: Montessori-Schulen in Deutschland

In Deutschland gibt es mittlerweile über 1.000 Schulen und Kindergärten, die nach der Pädagogik von Maria Montessori erziehen bzw. unterrichten. Der Montessori Dachverband Deutschland e.V. liefert eine aktuelle Übersicht der Montessori-Einrichtungen in den jeweiligen Bundesländern.

Vergleich: Regelschule vs. Montessori-Schule

Hier finden Sie eine Übersicht, was genau an Montessori-Schulen anders ist, als an Regelschulen und worin sich beide Konzepte ähneln:

Montessori-Schule Regelschule
altersgemischte Lerngruppen meist altershomogene Klassen
Kinder beschäftigen sich je nach Lerntempo und Interesse mit Schulfächern und Themen Unterrichtsstunden in einem bestimmten Fach zu einem gemeinsamen Thema
individuelle Lernziele (Reflexion im Lerntagebuch) Bewertung anhand von Noten
verschiedene Lernorte (Klassenraum, Bibliothek, draußen etc.) Unterricht meist im Klassen- oder Fachraum
dauerhafte Auswahl an Materialien im Klassenraum zum individuellen Entdecken Materialien werden meist von der Lehrkraft gezielt vorbereitet und ausgeteilt
Prüfung zum Schulabschluss extern Schulabschluss an derselben Schule möglich
Lehrkräfte führen vor und regen damit zum eigenständigen Lernen an Lehrkräfte erklären Themen meist im Frontalunterricht für die ganze Klasse

Montessori-Schule: Erfahrungen einer Mutter 

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Mama Katharina, Co-Autorin des Blogs Stadt Land Mama, wünschte sich für ihre Tochter eine Schule, wo sie gerne lernt und individuell gefördert wird. Doch nicht alle verstanden die Entscheidung für das Montessori-Konzept.

„Unsere Tochter geht seit zwei Jahren auf eine Montessori-Schule. Seitdem habe ich oft das Gefühl, mich dafür rechtfertigen zu müssen. In vielen Köpfen ist noch drin, dass die Kinder dort nur lernen müssen, wenn sie Lust haben und dass sie leistungsmäßig hinterherhinken. ‚Aber wir leben nun mal in einer Leistungsgesellschaft. Meinst du nicht, dass sie später Probleme bekommt, wenn sie an Druck nicht gewöhnt ist?‘, werde ich oft gefragt.

Dass wir in einer Leistungsgesellschaft leben, kann ich nicht verneinen. Aber Kinder sind keine kleinen Erwachsenen und sollten Zeit haben, in Ruhe ihren Platz in unserer Gesellschaft zu finden. Ich möchte einfach nicht, dass Leistung für meine Achtjährige an erster Stelle steht.“

Dass Kinder in Montessori-Schulen nur träumen und nicht so viel lernen, wie in Regelschulen, kann Mama Katharina nicht bestätigen. Eher im Gegenteil:

„Ich kann nicht behaupten, dass meine Tochter nichts leistet. Sie lernt jeden Tag Neues und ist begeistert bei der Sache. Und das Beste ist: Sie geht gerne in die Schule. Weil sie dort alles in ihrem Tempo machen kann. Weil sie länger bei einem Thema bleiben kann, wenn sie etwas besonders interessiert. Obwohl alle Kinder in ihrem Jahrgang unterschiedlich weit in den Fächern sind, stellt meine Tochter keine Vergleiche an. Sie wertet nicht, sondern bleibt komplett bei sich selbst. Sie merkt, dass man ihr vertraut und sie individuell fördert.“

Auch in der altersübergreifenden Lerngruppe profitiert Katharinas Tochter von dem Austausch mit den anderen Kindern:

„Da meine Tochter in einer jahrgangsübergreifenden Klasse ist, lernt sie mit Kindern von der ersten bis zur dritten Klasse zusammen. Die Übergänge sind da fließend. Die Größeren helfen den Kleineren, übernehmen Verantwortung. Das tut beiden Seiten gut.“

Vor allem im Vergleich zu ihrer eigenen Schulzeit findet Mama Katharina die Lernatmosphäre im Unterricht ihrer Tochter bemerkenswert:

„Ich konnte einmal im Unterricht hospitieren. Die Atmosphäre da war ganz anders, als ich sie aus meiner Schulzeit kannte. Die Kinder saßen in Gruppen zusammen, einige rechneten auf dem Boden liegend. Manche Kinder hatten sich in den Flur zurückgezogen, um mehr Ruhe zu haben.“

Nach zwei Jahren Montessori-Schule kommt Mama Katharina nun zu folgendem Fazit, was das alternative Schulkonzept betrifft: 

„Unsere Tochter macht genau die Erfahrungen, die wir uns für sie gewünscht hatten: Sie sieht Lernen als etwas Wunderbares und nicht als Last an. Sie muss keine Höchstleistungen vollbringen, sondern macht alles so gut, wie sie kann. Bisher sind wir sehr glücklich mit unserer Entscheidung für diese Schulart – und können uns eine Regelschule nicht mehr vorstellen.“

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Titelbild: ©Paige Cody/unsplash.com

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