Hochbegabung beim Kind erkennen und richtig fördern

Ob ein Kind hochbegabt ist, lässt sich nicht unbedingt an den Schulnoten ablesen. Wie Sie herausfinden, ob Ihr Kind eine Hochbegabung hat, erfahren Sie hier.

Was ist Hochbegabung?

Eine einheitliche Definition von Hochbegabung gibt es nicht. Will man der psychologischen Einordnung näherkommen, ist eine Klärung der Begriffe „Begabung“ und „Intelligenz“ unumgänglich. 

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Man geht dabei von fünf Begabungstypen aus: 

Hochbegabung_Typen_Arten-der-Begabung
  • musische Begabung 
  • bildnerisch-darstellende Begabung 
  • praktische Begabung
  • sozialen Begabung (auch interpersonale Intelligenz) 
  • intellektuelle Begabung (Intelligenz im Allgemeinen) 

Diese Kategorien machen deutlich, dass Menschen in ganz unterschiedlichen Bereichen begabt sein können. Die Begabung muss aber überdurchschnittlich hoch in einem oder mehreren Bereichen sein, um als Hochbegabung zu gelten. Die Hochbegabung ist nach Angaben der Studienstiftung des Deutschen Volkes etwa gleich verteilt: 51,8 Prozent der angemeldeten Hochbegabten sind weiblich, 48,2 Prozent sind männlich.

Exkurs: Was meint Intelligenz?

Das Wort Intelligenz kommt vom Lateinischen „intellegere“, wird mit „verstehen“ übersetzt, und heißt im wörtlichen Sinne „auswählen zwischen“. Es geht bei der Festlegung der Intelligenz einer Person ganz grundlegend darum, wie gut jemand eine Situation bewältigen kann bzw. wie gut er oder sie zwischen seinen Optionen wählen kann. In der Psychologie wird mit Intelligenz die kognitive Leistungsfähigkeit beschrieben. Bei der Hochbegabung handelt es sich um eine hohe Ausprägung der allgemeinen Intelligenz im Hinblick auf die verschiedenen Fähigkeiten.

Wichtig: Ab einem Intelligenzquotienten (IQ) von 130 wird von einer Hochbegabung gesprochen. Seltener gibt es noch Formen der Höchstbegabung, die meist ab einem IQ von 145 gelten. Zum Vergleich: Der normale IQ liegt zwischen 85 und 115. Diesen kann man durch einen Test beim Psychologen bzw. bei der Psychologin bestimmen. Kostenlose Online-Tests liefern keine gültigen Ergebnisse, da sie häufig wahllos zusammengestellt wurden und nicht auf das Profil einer Person (und ihre Begabungen) abgestimmt sind.

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So erkennen Eltern eine Hochbegabung bei ihrem Kind

Anzeichen Hochbegabung fur Eltern sichtbar
© Gerain0812/shutterstock.com

Hochbegabung sieht man Kindern nicht an der Nasenspitze, sondern vielmehr am Verhalten an. Es gibt einige „Symptome“, die Anzeichen für eine überdurchschnittliche Begabung sein können.

20 Merkmale für eine Hochbegabung bei Kindern

Ein Indiz kann sein, dass Ihr Kind früh zu sprechen beginnt und bereits in jungen Jahren über einen reichen Wortschatz verfügt. Ein hochbegabtes Kind hat eine schnellere und bessere Auffassungsgabe und Sprachentwicklung, die bereits im Vorschulalter zu einem selbstständigen Erlernen der Lesekompetenz führen kann. Zwischen dem zweiten und fünften Lebensjahr erkundet es die Welt der Buchstaben und Zahlen, erfragt deren Aussprache und Form und bringt sich selbst durch Aneinanderreihungen sowie Wort- und Buchstabenspiele das Lesen bei. 

Des Weiteren hat ein hochbegabtes Kind ein schier unstillbares Interesse, redet unentwegt, erkundet detailliert die Umgebung und hinterfragt altersuntypische und philosophische Themen. Nicht selten wird nach der Zeit, Gott, der Endlichkeit oder der Bedeutung der eigenen Persönlichkeit gefragt. Hinzu kommt, dass ein hochbegabtes Kind meist sehr kritisch ist, selbst den eigenen Eltern gegenüber. Es hinterfragt nicht nur vieles, sondern gibt sich auch nicht mit der erstbesten Erklärung zufrieden.

Ein einzelnes dieser 20 aufgeführten Merkmale reicht nicht aus, um auf eine Hochbegabung zu schließen. Sie können jedoch als potenzielle Anzeichen gewertet werden:

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  1. Hochbegabte Kinder lernen sehr früh aus eigener Motivation herausdas Sprechen, Lesen und Rechnen.
  2. Sie verfügen früh über einen großen Wortschatz.
  3. Das logische Denken ist sehr stark ausgeprägt.
  4. Sie beobachten ihre Umgebung sehr detailliert und erforschen ganz unterschiedliche Bereiche.
  5. Sie eignen sich sehr schnell Wissen an und verfügen über eine hohe Merkfähigkeit.
  6. Durch ihre hohe Auffassungsgabe sind sie gleichaltrigen Kindern weit voraus.
  7. Sie freuen sich über schwierige Aufgaben und können diese sehr schnell lösen.
  8. Leichte und routinerte Aufgaben verweigern sie oder scheitern an diesen.
  9. Sie sind lustlos und langweilen sich schnell, wenn sie nicht gefordert werden.
  10. Sie interessieren sich für Bücher und Themen, die ihre Altersstufe weiter überschreiten.
  11. Sie sind oft perfektionistisch veranlagt und äußerst ehrgeizig.
  12. Sie sind sehr selbstkritisch und selten mit sich zufrieden, da sie ihren hohen Erwartungen nicht gerecht werden. Das kann zu Wutausbrüchen führen.
  13. Sie werden allgemein schnell ungeduldig und unbequem.
  14. Sie haben Schwierigkeiten Anschluss an Gleichaltrige zu finden und sich in Gruppen zu integrieren. Sie schließen sich lieber Älteren an.
  15. Gleichzeitig sind sie oft menschenscheu und ängstlich.
  16. Sie neigen zur Belehrung und Besserwisserei.
  17. Sie wollen jede Situation unter Kontrolle haben und diese bestimmen. Somit ordnen sie sich ungern unter und stellen Autoritäten infrage.
  18. Sie verfügen über organisatorisches Geschick.
  19. Sie weisen eine hohe Aktivität bei hoher Ausdauer und Belastbarkeit auf.
  20. Oft sind sie auch körperlich sehr geschickt.

Diagnostik der Hochbegabung

Hochbegabung feststellen
© VGstockstudio/shutterstock.com

Wenn Sie vermuten, dass Ihr Kind hochbegabt ist, sollten Sie sich an einen Psychologen bzw. eine Psychologin wenden, um durch einen standardisierten Intelligenztest Klarheit zu schaffen. Übrigens: Hinreichende Ergebnisse erhält man mit einem Intelligenztest erst nach dem fünften Lebensjahr

Was müssen Eltern beachten, wenn eine Hochbegabung festgestellt wurde?

Sollte eine Hochbegabung festgestellt worden sein, ist es für Sie wichtig, sich im Umgang mit Ihrem Kind nicht am Alter, sondern am Intellekt zu orientieren. Als Regel gilt: Sollte der IQ über 130 sein, ist das Kind in der Regel geistig zwei Jahre weiterentwickelt als Gleichaltrige. Somit darf sich nicht das Kind mit seinem Verhalten anpassen, sondern das Umfeld an das Kind. Eltern können demnach das Überspringen einer Klasse oder eine integrative Förderung im Grundschulbereich in Betracht ziehen, um ihrem Kind den Input zu bieten, den es benötigt. So können Eltern gezielt eine Unterforderung und deren schwerwiegende Folgen vorgebeugen.

Weiterführende Informationen zum Thema Hochbegabung finden Sie auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind e. V. und der Hochbegabtenförderung e. V.

Probleme mit Hochbegabung in der Schule

Probleme in der Schule mit Hochbegabung
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Bei vielen Kindern fällt eine Hochbegabung mit Eintritt in die Grundschule auf. Dabei fällt ein hochbegabtes Kind zunächst häufig eher störend auf, weil es schlicht unterfordert und chronisch gelangweilt ist. Dann nimmt es häufig die Rolle des Klassenclowns ein. Die Ursache: Das Kind fühlt sich missverstanden und wenig akzeptiert.

Hochbegabung kann, muss aber nicht, zu Schwierigkeiten im sozialen Umgang führen. Durch Wutausbrüche oder eine gewisse Streitlust, auch gegenüber älteren Personen, kann Ihr Kind negativ auffallen. Oft wird eine Hochbegabung durch diese negativen Symptome überhaupt erst festgestellt. Sollten Sie sich als Eltern also unsicher sein, nutzen Sie die Beratungsstellen, die wir unter „Information und Diagnostik“ aufgeführt haben oder wenden Sie sich an einen niedergelassenen Psychologen bzw. eine niedergelassene Psychologin.

Problem 1: Überdurchschnittlich intelligent, aber schlechte Noten?

Uberdurchschnittlich intelligent aber schlechte Noten
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Es herrscht die Vorstellung, dass Hochbegabte auch Hochleistungen in der Schule erbringen müssten. Das trifft bei einigen sicher zu, doch gibt es ebenso hochbegabte Kinder, die sich notentechnisch eher im unteren Bereich bewegen und scheinbar kein Interesse an der Schule haben. Im Fachjargon nennt man ein solches Kind „Underachiever“ („Untererfüller“). In der ersten Klasse können die meisten Hochbegabten bereits lesen und langweilen sich beim bunten Nachmalen der Buchstabenreihen. Ein hochbegabtes Kind beschäftigt sich anderweitig und gilt bald als Störenfried. Viel schlimmer als diese unangenehme Form der Langeweile ist, dass das Kind die Einführung in sinnvolle Lerntechniken durch die Lehrerinnen und Lehrer verpasst. Es lernt nicht zu lernen.

Hochbegabte mit Teilleistungsschwäche

So kann es in der Folge auch bei einem hochbegabten Kind zu Teilleistungsschwächen kommen. Damit sind in der Pädagogik einzelne Bereiche gemeint, in denen das Kind nicht so gut ist, wie es für sein Alter bzw. seinen Entwicklungsstand sein sollte. Darunter fallen z. B. Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Schwäche), Dyskalkulie (Rechenschwäche) oder Aufmerksamkeitsschwächen. Wenn diesen Defiziten nicht gezielt begegnet wird, können sie die Begabungen des Kindes in den Schatten stellen und die Entfaltung der überdurchschnittlichen Begabung frühzeitig hemmen. So bleibt die Hochbegabung schlimmstenfalls unentdeckt.

Problem 2: ADHS und Hochbegabung

ADHS und Hochbegabung
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Es kann passieren, dass ein hochbegabtes Kind zusätzlich eine Form der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) aufweist. Um dies festzustellen, sollten Sie mit Ihrem Kind eine Kinder- und Jugendpsychiaterin bzw. einen -psychiater aufsuchen. Die Gemeinsamkeit beider Entwicklungen im menschlichen Gehirn besteht darin, dass es durch neurobiologische Voraussetzungen ungehindert Informationen aufnimmt und verarbeitet. Das kann bei gezielter Förderung ein Vorteil für ein hochbegabtes Kind sein, für ein ADHS-Kind ist das in Hinblick auf die Konzentrationsfähigkeit und soziale Kompetenz aber eine Herausforderung. Es neigt dann zur psychomotorischen Unruhe („Zappelphilipp“), kann sich nur wenig vom Gelernten merken und Emotionen nur schwer allein steuern, und ist dadurch oft verunsichert. Letzteres führt langfristig zu einem verringerten Selbstwertgefühl, einem Rückzug von sozialen Aktivitäten und dem Gefühl, nicht verstanden zu werden. Im schlimmsten Fall kann diese Entwicklung depressive Phasen bei einem Kind auslösen.

Ein Hauptproblem, warum sich eine Hochbegabung in Verbindung mit ADS / ADHS nicht richtig ausprägen kann, ist, dass sich ein ADHS-Kind schnell ablenken lässt und dann auch Routineaufgaben nicht in Ruhe und mit Fokus erledigen kann. Manchmal ist ein hochbegabtes Kind, das an ADS leidet, also nicht hyperaktiv ist, nicht in der Lage, sich von einem  bestimmten Gedankengang zu lösen. Dadurch lernt es scheinbar langsamer als andere, macht dann aus Unsicherheit darüber Fehler oder neigt zu Tagträumen.

Aber: Natürlich ist nicht jedes unruhige oder tagträumerische Kind krank oder braucht ärztliche Hilfe. Aufmerksame Eltern können durch Beobachten, Nachfragen und gezielte Unterstützung viel von dem auffangen, was ein hochbegabtes Kind im Schulleben beeinträchtigen könnte.

Hochbegabung ist ein Potenzial

Hochbegabung ist ein Potenzial
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Eltern können ihr Kind gut fördern, wenn sie einmal erkannt haben, worin es begabt ist. Neben der Schule gibt es auch noch spezielle Zentren zur Hochbegabtenförderung, in denen das Kind weitere Impulse bekommt. Im Alltag sollten Eltern auf folgende Punkte achten:

  1. Bremsen Sie nicht den Lerneifer des Kindes. Ermöglichen Sie es Ihrem Kind, sich mit neuen Dingen zu beschäftigen oder sich Wissen anzueignen.
  2. Unterstützen Sie Ihr Kind durch Möglichkeiten des selbstständigen Lernens: Bibliotheksausweise, Lernportale, z. B. sofatutor, Kinderunikurse, eine eigene Enzyklopädie oder eine gut ausgestattete Mediathek auf dem Fernseher können helfen, den Wissensdurst Ihres Kindes zu stillen.
  3. Schlagen Sie neue Themen und Gebiete vor, in denen sich Ihr Kind intellektuell austoben kann.
  4. Unternehmen Sie gemeinsam Dinge, für die sich Ihr Kind begeistert: Museumsbesuche, Ausflüge in die Natur, um Feldproben zu sammeln, Konzerte, Lesungen oder Theaterstücke bieten gute Reize für die Synapsen Ihres Kindes.
  5. Ihr Kind stellt Ihnen unheimlich viele Fragen? Beantworten Sie alles, was Sie können, aber lassen Sie auch mal Fünfe gerade sein und geben Sie offen zu, wenn Sie etwas nicht wissen.
  6. Nutzen Sie Begegnungsstätten, z. B. Zentren für die Begabtenförderung, um Ihr Kind mit anderen Hochbegabten in Kontakt zu bringen.
  7. Sprechen Sie auch offen über eventuelle Herausforderungen und Schwächen mit Ihrem Kind. Versuchen Sie gemeinsam an Methoden zu arbeiten, um diese auszugleichen.
  8. Vermitteln Sie ihm Strategien, um besser mit der Familie, anderen Kindern oder Autoritätspersonen, z. B. in Arztpraxen, zurechtzukommen. 
  9. Gönnen Sie sich selbst auch immer wieder Ruhezeiten, um Energie zu tanken und abzuschalten. Das hilft Ihnen und Ihrem Kind gleichermaßen.

Fazit: Eine Hochbegabung macht sich häufig schon in jungen Jahren bemerkbar, ist jedoch nicht immer eindeutig ersichtlich. Sie kann einzelne oder mehrere Teilbegabungen betreffen. Für Eltern eines hochbegabten Kindes ist es wichtig, diese Ausprägungen als Potenzial zu sehen, das es bei ihrem Kind zu fördern gilt. So können Sie sicherstellen, dass sich Ihr Kind nicht vor seinen Fähigkeiten versteckt oder diese leugnet, um nicht anzuecken.

Ob hochbegabt oder nicht ‒ jedes Kind hat individuelle Fähigkeiten und Stärken, die erkannt und gefördert werden sollten.

Titelbild: ©Kiselev Andrey Valerevich/shutterstock.com

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