Das Konzept Waldorfschule –was Eltern wissen müssen

Leistungsdruck und ein ständiger Notenvergleich sind vielen Eltern ein Graus. Um ihrem Kind ein alternatives Lernen zu ermöglichen, wählen einige das Konzept der Waldorfschule. Wie darin gelernt wird, erklären wir hier.

Reformpädagogik

In Deutschland gibt es neben staatlichen und privaten Schulen eine dritte Form: Freie Schulen. In diesen „staatlich anerkannten Ersatzschulen in freier Trägerschaft“ wird weitestgehend auf Noten und Rahmenlehrpläne verzichtet. Stattdessen sollen Kinder und Jugendliche individuell gefördert werden. Teilweise sind politische, philosophische oder esoterische Lehren Grundlage für die jeweilige Schulform. Die bekanntesten Konzepte sind die Waldorfschule nach Rudolf Steiner und die Montessorischule nach Maria Montessori. Weitere reformpädagogische Schulformen sind: die Jenaplan-Schule, die Daltonplan-Schule oder die Freinet-Schule.

Das Konzept Waldorf

Der Gründer der Waldorfpädagogik, Rudolf Steiner, wollte das „Denken, Fühlen und Wollen“ im Dreiklang unterrichten. Neben fachlichen Kenntnissen sollten Kinder und Jugendliche künstlerische, praktische und soziale Fähigkeiten erlangen.

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Bei der Waldorfpädagogik steht das Kind als Lerner bzw. Lernerin im Mittelpunkt. Eine Untersuchung der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf (finanziell gefördert durch die Software AG Stiftung sowie die Pädagogische Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen) bestätigte im Jahr 2012, dass Kinder auf Waldorfschulen mit mehr Begeisterung lernten, sich weniger langweilten und individuell gefördert fühlten.

Es geht weniger um vergleichbare Abschlüsse als um individuelle Fortschritte. Einen Leistungsanspruch gibt es trotzdem. Allerdings wird das Kind insofern miteinbezogen, dass es gemeinsam mit den Lehrkräften eigene Lernziele vereinbart und seinen Lernfortschritt dokumentiert. Am Jahresende erhalten Schüler und Schülerinnen ein detailliertes Berichtszeugnis ohne Schulnoten. Ab der neunten Klasse können, neben dem Berichtszeugnis, auch Noten verteilt werden. So werden die Jugendlichen gezielt auf ihre Abschlussprüfungen vorbereitet.

Der Unterricht in Waldorfschulen

Waldorfklassen bleiben bis zum angestrebten Schulabschluss zusammen. Dadurch herrscht ein heterogenes Leistungsprofil in den Klassen. Während ihrer Schullaufbahn werden die Kinder in den meisten Fächern durchgängig vom Klassenlehrer bzw. der Klassenlehrerin unterrichtet. Die Lehrkräfte müssen daher Wege suchen, um jedes Kind individuell zu fördern. Ab der ersten Klasse lernen Waldorfschülerinnen und -schüler zudem zwei Fremdsprachen.

Der Unterricht findet meist fächerübergreifend statt und ist in Schwerpunktthemen, sogenannte „Epochen“, gegliedert.

Waldorfschulen in Deutschland

In Deutschland gibt es nach Angabe des Bundes der Freien Waldorfschulen 245 Waldorfschulen. Häufig vertreten ist das Waldorf-Konzept im Kita- und Grundschullevel. Es gibt auch Waldorfschulen, die von Klasse eins bis 13 unterrichten und somit Grund- und Oberschule vereinen.

Freie Schulen, wie die Waldorfschule, werden vom Staat als Privatschulen eingestuft. Daher fallen zusätzliche Schulgelder an. Diese belaufen sich auf ca. 160 Euro pro Jahr. Der Betrag variiert je nach Region und Schulart. Es gibt an den meisten Waldorfschulen Solidargemeinschaften von Eltern, die finanziell schwachen Familien den Zugang ermöglichen.

„Tanzen die da nicht ihren Namen?“

Waldorfschulen bieten ein breites Spektrum an kreativen und handwerklichen Fächern an, z. B. Eurythmie (Bewegungskunst) oder Gartenbau. Auch Theater- und Projektarbeit sind wichtige Bestandteile des Schulalltags an Waldorfschulen. Beim Fach Eurythmie werden Laute und Töne in bestimmten Bewegungen dargestellt. Dadurch sollen Kinder und Jugendlich ihr Körper- und Selbstbewusstsein schärfen. Sie lernen, durch Tanz und Bewegung ihre Emotionen auszudrücken. Sie können dadurch zwar theoretisch ihren Namen tanzen, machen das jedoch nicht ständig.

Staatliche Abschlüsse

Die Abschlüsse, die an Waldorfschulen möglich sind, sind mit denen der Regelschulen gleichgestellt. Kinder können die Schule mit einem Hauptschulabschluss, dem mittleren Schulabschluss oder dem Abitur verlassen.

Der Bund Freier Waldorfschulen gibt an, dass fast alle Schülerinnen und Schüler den mittleren Schulabschluss erlangen. Über die Hälfte strebe darüber hinaus das Abitur an. Der Bildungsforscher Heinrich Barz gibt an, dass es keine signifikanten Unterschiede zwischen Waldorf- und Regelschulen gäbe, was die Abschlussnoten beträfe.

Das Abitur an der Waldorfschule

Es gibt freie Waldorfschulen, die eine „staatlich anerkannte Oberstufe“ besitzen. Dort können die Lehrkräfte selbstständig das Abitur abnehmen. Das ist in Hessen und bei vielen Hamburger Waldorfschulen der Fall.

An Waldorfschulen ohne diese staatlich anerkannte Oberstufe werden die Abiturientinnen und Abiturienten extern geprüft. Das bedeutet, dass zusätzlich zur Fachlehrkraft Lehrkräfte von staatlichen Schulen sowie Vertreterinnen und Vertreter der Schulverwaltung bei den mündlichen Prüfungen hinzukommen. Die schriftlichen Prüfungen werden neben den Fachlehrern bzw. den Fachlehrerinnen zusätzlich von Lehrkräften der Regelschulen korrigiert. An Waldorfschulen werden für das Abitur vier schriftliche und vier mündlichen Prüfungen abgelegt. Das sind mehr Prüfungen als an staatlichen Schulen.

Der Waldorfabschluss

Die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II legen zusätzlichem zum Abitur den Waldorfabschluss ab. Das geschieht in der zwölften Klasse. Der Waldorfabschluss ist nicht bundesweit einheitlich vorgegeben. Im Wesentlichen umfasst er eine Jahresarbeit, eine abschließende Leistung in Eurythmie, Musik und bildender Kunst sowie ein Klassenspiel, das die Jugendlichen selbst inszenieren und umsetzen. Abschließend erfolgt noch eine Kunstreise.

Elternarbeit gehört dazu

Eltern, deren Kinder eine Waldorfschule oder einen Waldorfkindergarten besuchen, beteiligen sich aktiv am Schulgeschehen. Das können Schuldienste sein, z. B. Kochen oder Begleitung auf Ausflügen. Dadurch soll die Schule als gesellschaftlicher Teil stärker in den Lebensmittelpunkt der Familien gerückt werden.

Titelbild: © Tomsickova Tatyana/shutterstock.com

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