Schulzeugnis entschlüsseln – diese Formulierungen sollten Eltern kennen

Schulzeugnisse haben ihre ganz eigene Sprache. Wir erklären Ihnen, was die Formulierungen im Zeugnis Ihres Kindes bedeuten und welchen Schulnoten sie entsprechen.

Auf den ersten Blick liest sich die verbale Beurteilung im Zeugnis Ihres Kindes wie ein Lobgesang, aber beim genaueren Hinsehen fallen Ihnen verdächtige Formulierungen auf. Was bedeutet es, wenn Ihr Kind „sehr kommunikativ“ ist – quatscht es viel mit seinen Mitschülerinnen und Mitschülern oder sorgt es für anregende Diskussionen im Unterricht? Damit Sie in Zukunft solche Aussagen richtig deuten können, haben wir Ihnen die „Zeugnissprache“ verständlich übersetzt.

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Ab wann bekommt mein Kind Noten auf dem Zeugnis?

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©DGLimages/shutterstock.com

In der ersten Klasse erhält Ihr Kind noch keine Noten, sondern ausschließlich schriftliche Beurteilungen des Leistungsstands, des Lernfortschritts und ggf. eine Empfehlung für eine spezielle Förderung. 

Ab der zweiten Klasse bekommen Kinder meist schon richtige Noten, zusätzlich zur verbalen Beurteilung. Außerdem wird das Sozial-, Lern- und Arbeitsverhalten der Schülerinnen und Schüler mithilfe eines gesonderten Bewertungsbogens analysiert. 

Spannend wird es, wenn Ihr Kind seine Förderprognose für den Übergang auf eine weiterführende Schule erhält. Darin sprechen Lehrkräfte eine Empfehlung für die jeweilige Schulform aus und es werden Gesamtdurchschnittsnoten der Fächer angegeben. Die Förderprognose erhält Ihr Kind, je nach Bundesland, am Ende des ersten Halbjahres der vierten bzw. sechsten Klasse.

Ab der Oberstufe gibt es dann ein Punktesystem, sogenannte Leistungspunkte, als Bewertungsrichtlinie. Wie das funktioniert erfahren Sie im Abschnitt Was bedeuten Schulnoten und Leistungspunkte?.

„Stets bemüht“ – Was Lehrkräfte mit bestimmten Formulierungen meinen

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©Annie Spratt/unsplash.com

Wenn Ihr Kind für einzelne Fächer eine verbale Beurteilung erhält, sind die Details zu beachten. Zunächst ist es immer ein sehr gutes Zeichen, wenn ein „sehr“ zur Verstärkung im Text steht. Wenn Ihr Kind also etwas „sehr gut“ beherrscht und „sehr sicher“ im Anwenden von neuen Kenntnissen und Fähigkeiten ist, ist das mit der Note Eins gleichzusetzen.

Falls Ihr Kind für einige Aufgabenarten „noch Hilfsmittel“ oder „Unterstützung“ benötigt, fehlen einige Kenntnisse. Auch wenn es in „bekannten“ Aufgabenstellungen zurecht kommt, scheint es das Thema noch nicht komplett zu beherrschen, um eigenständig schwierigere, weil unbekannte Aufgaben lösen zu können. Das entspricht eher der Note Drei. Wenn im Zeugnis steht, dass Ihr Kind sich in einem Fach „bemüht hat“ bedeutet das meist, dass es noch nicht so gut im Unterricht mitkommt. Es kann helfen, wenn Sie bestimmte Inhalte gemeinsam mit Ihrem Kind wiederholen, um ihm mehr Sicherheit zu geben.

Zu Beginn des Schuljahres gibt die Lehrkraft aus, welche Kompetenzen und Kenntnisse Ihr Kind im Laufe des Jahres erreichen sollte. Steht im Zeugnis nur ein Teilbereich dessen, was im Lehrplan vorgegeben war, dann fehlen noch wichtige Kenntnisse. Konnte Ihr Kind also laut Zeugnis z. B. „sicher im Zahlenraum bis 100 rechnen“, obwohl der Zahlenraum bis 200 vorgegeben war, sollte Ihr Kind die fehlenden Kenntnisse nacharbeiten.

Bewertung von Arbeitsweise und Sozialverhalten 

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Wenn Ihr Kind „stets für neue Themen zu begeistern“ war, oder „über das gesamte Schuljahr hinweg“ eine hohe Lernbereitschaft zeigte, ist es ein sehr guter Schüler bzw. eine sehr gute Schülerin. Wenn das Wörtchen „stets“ in der Bewertung fehlt, weist das eher auf eine gute Leistung hin. Wenn Ihr Kind sich „nicht von sich aus“ an Neues herantraute, ist das ein Zeichen dafür, dass es noch nicht selbstständig genug arbeitet.

Um herauszufinden, wie gut Ihr Kind mit Aufgabenstellungen umgeht, lohnt es sich darauf zu achten, ob es „zielstrebig“ und „motiviert“ oder „bei Interesse“ mitarbeitet. Diese Formulierungen machen den Unterschied zwischen sehr guten und lediglich befriedigenden Leistungen.

Wenn die Arbeitsweise Ihres Kindes als „überaus gründlich“ beschrieben wird, entspricht das meist der Note Eins. Auch eine „große Selbstständigkeit und Motivation“ passt dazu. Wenn etwas mit einem „besonderen Lob“ versehen wurde, können Sie es als das einordnen, was es ist: Eine herausragende Leistung.

Eine Bewertung der Arbeitsweise, in der beschrieben wird, dass Ihr Kind im Unterricht „sachbezogen“ antwortete und Lernziele „oft“ oder „größtenteils“ erfüllt hat, meint, dass es noch Bereiche gibt, die es regelmäßig üben und auch zu Hause vertiefen sollte. 

Gutes Zeugnis oder schlechtes Zeugnis?

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©fizkes/shutterstock.com

Ob Ihr Kind gut und selbstständig lernt oder zusätzliche Hilfe benötigt, können Sie anhand der unterschiedlichen Formulierungen einschätzen. Hier finden Sie eine Übersicht, an der Sie sich beim Lesen von Schulzeugnissen orientieren können:

Note Eins bis Zwei Note Drei bis Vier Note Vier bis Fünf
überaus oft war bemüht
sehr sicher nach Aufforderung hatte große Schwierigkeiten
stets mit Hilfe war nicht in der Lage
besonders weitgehend selten
zielstrebig größtenteils nie
motiviert zum Teil wenig
engagiert sachbezogen fällt noch schwer
zügig im Allgemeinen benötigt noch oft
verantwortungsbewusst nach einiger Übung nur unter Anleitung
vollständig meistens nur manchmal
sorgfältig häufig kaum
außergewöhnlich wechselhaft sehr unsicher
eigenständig zurückhaltend desinteressiert

Kritische Formulierungen im Zeugnis

Bei diesen Formulierungen sollten Sie als Eltern aufpassen. Sie wirken auf den ersten Blick positiv, können aber auch kritisch gemeint sein. Was in dem Fall Ihres Kindes zutrifft, sollten Sie bei der Lehrkraft erfragen:

Formulierung Was auch gemeint sein könnte
kommunikativ verquatscht, lenkt andere Kinder ab
aufgeweckt zappelig, unruhig
selbstbewusst stört den Unterricht, lässt sich nichts sagen
meist bemüht, aber nicht ausreichend
in der Regel häufig, aber noch nicht oft genug

Wie setzen sich die Zeugnisnoten zusammen?

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Ob die Beurteilungen in den verschiedenen Fächern eher positiv oder negativ ausfallen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die folgenden Dinge berücksichtigt die Lehrkraft Ihres Kindes, wenn sie Noten vergibt und Verbalbeurteilungen schreibt:

  • die Qualität und Quantität der mündlichen Beiträge Ihres Kindes
  • alle Noten, die Ihr Kind bei Tests, Arbeiten, Projekten, mündlichen Leistungskontrollen oder für die Hefterführung erhalten hat
  • regelmäßiges und sorgfältiges Erledigen der Hausaufgaben
  • das Lerntempo Ihres Kindes
  • individuelle Verbesserung oder Verschlechterung in dem jeweiligen Fach
  • generelle Ordnung und Sorgfalt
  • gezeigtes Engagement und aufgewandter Fleiß
  • allgemeines Arbeitsverhalten im Unterricht
  • Lernschwierigkeiten oder -störungen, die mit einem Nachteilsausgleich, der Auslassung der Note oder einer Teilbewertung in dem jeweiligen Fach einhergehen

Was bedeuten die Schulnoten und Leistungspunkte?

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Mit einer Eins oder einer Drei Minus kann man als Eltern etwas anfangen. Aber was genau ist eigentlich mit „mangelhaft“ oder „ausreichend“ gemeint und sind 15 Punkte gut oder schlecht? Wir erklären es Ihnen.

Verbale Beurteilung Note Bedeutung
Sehr gut 1 Die Leistung in dem Fach entspricht den Anforderungen in vollem Umfang.
Gut 2 Die Leistung in dem Fach entspricht voll den Anforderungen.
Befriedigend 3 Die Leistung in dem Fach entspricht den Anforderungen im Allgemeinen.
Ausreichend 4 Die Leistung in dem Fach entspricht noch den Anforderungen, weist jedoch Lücken auf.
Mangelhaft 5 Die Leistung in dem Fach entspricht nicht bzw. überwiegend nicht den Anforderungen. Die nötigen Grundkenntnisse sind jedoch vorhanden.
Ungenügend 6 Die Leistung in dem Fach entspricht nicht den Anforderungen. Die nötigen Grundkenntnisse sind nicht vorhanden.

In der Oberstufe wird die Leistung Ihres Kindes dann nach einem Punktesystem, den sogenannten Leistungspunkten, bewertet. Dieses reicht von 15 Punkten (Eins plus) bis 0 Punkten (Sechs). Hier finden Sie eine Übersicht:

Leistungspunkte Note
15 Punkte 1+
14 Punkte 1
13 Punkte 1-
12 Punkte 2+
11 Punkte 2
10 Punkte 2-
9 Punkte 3+
8 Punkte 3
7 Punkte 3-
6 Punkte 4+
5 Punkte 4
4 Punkte 4-
3 Punkte 5+
2 Punkte 5
1 Punkte 5-
0 Punkte 6

Was nicht im Zeugnis stehen sollte

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Lehrerinnen und Lehrer sind dazu angehalten, sich ein vielfältiges und umfassendes Bild von jedem Schüler und jeder Schülerin zu machen. Das heißt, neben den Noten für Leistungskontrollen, Hausaufgaben, Ordnung der Arbeitsmaterialien, Mitarbeit und Extraarbeit wird von der Lehrkraft protokolliert, wie sich das Kind im Unterricht verhält. Bei der Formulierung müssen Lehrerinnen und Lehrer einiges beachten:

  1. Das Ziel der verbalen Beurteilung ist es, differenzierte und ergänzende Angaben zum Lern- und Leistungsstand des Kindes zu machen. Eine allgemeingültige Bewertung sollte hier nicht zu finden sein.
  2. Es darf keine persönliche Meinung der Lehrkraft einfließen.
  3. Die Note sollte nicht anhand der Beschreibung ablesbar sein.
  4. Aussagen zum Charakter des Schülers bzw. der Schülerin haben nichts im Zeugnis zu suchen.
  5. Die Aussagen zu den Kompetenzen in einzelnen Bereichen sollten sich nicht mit den Aussagen zum Lern- und Arbeitsverhalten vermischen.
  6. Zum Lern- und Arbeitsverhalten sollte die Einschätzungen aller Lehrkräfte des Kindes berücksichtigt werden.

Das Gespräch mit der Lehrkraft sorgt für Klarheit

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Eltern, die nach dem Lesen des Zeugnisses ein ungutes Gefühl oder Fragen haben, sollten sich am besten direkt an den Klassenlehrer bzw. die Klassenlehrerin wenden. Das sorgt schnell für Klarheit und unnötige Sorgen können aus der Welt geschafft werden. Gemeinsam lassen sich außerdem Mittel und Wege finden, die das Kind rechtzeitig aus der Gefahrenzone „Anschluss verpasst!“ holen. Förderstunden oder altersgerechte Nachhilfe können dabei einiges auffangen. Auch mit den Lernvideos, Übungen und Arbeitsblättern von sofatutor kann Ihr Kind Wissenslücken in kürzester Zeit schließen und dabei mit Freude lernen.

Titelbild: ©Lukassek/shutterstock.com

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