Jugend und Politik: Verkehrt mein Kind in rechten Kreisen?

Jugendliche lieben es zu provozieren und Grenzen auszutesten. Wann Sie als Eltern aufhorchen und welche Zeichen Sie kennen sollten.

Es ist nicht immer eindeutig zu erkennen, ob Kinder und Jugendliche unter dem Einfluss rechter und rechtsgesinnter Freunde stehen. Das Klischee-Outfit mit Glatze, Bomberjacke und Springerstiefeln trifft man nur selten an. Dennoch gibt es einige Merkmale und Symbole der rechten Szene, die Sie kennen sollten. So können Sie einschätzen, ob es sinnvoll ist, aktiv zu werden.

Die Wahl der Klamottenmarke

Während der Pubertät ändern Kinder und Jugendliche in kurzen Abständen ihre Präferenzen. Da Kleidung einer der wichtigen identitätsstiftenden Faktoren ist, drücken Teenager damit häufig ihre Zugehörigkeit zu einer Gruppe aus. Sollten sie sich auf einmal für eine der nachfolgend genannten Kleidungsmarken interessieren, könnte dies ein erstes Zeichen sein, achtsam zu werden. Die klassischen britischen Modelabels „Fred Perry“, „Alpha Industries“ oder „Ben Sherman“ werden in der rechten Szene getragen, obwohl sie der britischen Arbeiter- bzw. Skindhead-Kultur entstammen. Dementsprechend werden sie auch von unpolitischen oder sogar linksorientierten Menschen verwendet, um die Ablehnung des Establishments auszudrücken. Die Marke „Lonsdale“ ereilte aufgrund der vier in ihrem Namen enthaltenen Buchstaben „NSDA“ ein ähnliches Schicksal. Durch gezielte Werbekampagnen für eine bunte und offene Kultur konnte sie hier jedoch zu einem großen Teil gegensteuern.

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Eindeutiger ist die deutsche Marke „Consdaple“, die in ihrem Namen das Kürzel der NSDAP trägt. Auch „Thor Steinar“, „Doberman“, „Pro Violence“ und „Troublemaker“ zählen zu beliebten Marken in nationalen bzw. Hooligankreisen. In einigen öffentlichen Plätzen und Etablissements sind sie daher auch verboten. Da organisierte Rechte zunehmend unauffällig auftreten, kann auch das Tragen von Sportmarken wie „Helly Hansen“ oder „New Balance“ ein Indiz sein. Es handelt sich dabei um normale Sportbekleidung, die aufgrund der Markenlogos „HH“ oder „N“ für nationalistische Identitätszwecke instrumentalisiert werden kann. Gruppierungen wie die „Autonomen Nationalisten“ treten zudem bewusst in schwarz gekleidet auf, z. B. mit schwarzen Baseball-Caps und Kapuzenpullis. Damit orientieren sie sich an linksautonomer Kleidung, um eine Erkennung von außen zu erschweren.

Häufig verwendete Zeichen und Symboliken

Als sympathisierende Symbole werden häufig Runen eingesetzt, wobei eine Rune nicht automatisch der rechten Szene zuzuordnen ist. Verboten sind das Hakenkreuz, die Sigrune, die Odalrunde, die Wolfsangel und das Schwert mit Hammer gekreuzt, besonders, wenn sie mit einem Bezug zu nationalsozialistischen Gruppierungen in Erscheinung treten. Nicht verboten, aber mit einer rechten Gesinnung assoziiert, werden die Schwarze Sonne sowie das Keltenkreuz in stilisierter Form. Akronyme wie „WAR“ für „White Aryan Resistance“ oder „WAW“ für „Weißer Arischer Widerstand“ können ein Hinweis auf eine Zugehörigkeit zur rechtsextremen Szene sein. Bekannt sind auch Zahlenkombinationen, hinter denen sich anhand der jeweiligen Stelle im Alphabet Abkürzungen für nationalsozialistische Phrasen verbergen, z. B. 28 für „B“ und „H“ als „Blood & Honour“, eine verbotene Organisation der rechtsextremen Szene. Mehr Hinweise erhalten Sie bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

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Rechte Musik

Von rechter Musik geht für Jugendliche häufig eine Aura exotischer Faszination aus. Rechte Rockbands wie „Landser“, „Störkraft“, „Stahlgewitter“, Kraftschlag“, „HKL“, „Path of Resistance“ oder „Kategorie C“ sind in der Szene bekannte Größen. Außerdem gibt es eine Reihe von Rockbands, die im Verdacht stehen, der rechten Szene nahezustehen oder anzugehören: Bekannte Beispiele sind die „Böhsen Onkelz“, „Freiwild“ oder „Nordwind“.

Aber nicht nur Rock, Metal oder Hardcore sind Musikstile, in denen sich rechte Musik findet. Es gibt auch rechten Hip-Hop. Prominente deutsche Beispiele sind „N’Socialist Soundsystem“ oder „Makss Damage“. Der Gedanke dabei ist, aktuelle Musikströmungen aufzugreifen und so das Interesse bei jungen Menschen zu wecken. Der Text, auch auf Englisch gesungen, wird dann nur bei näherem Hinhören dechiffriert. Im Netz und vor allen Dingen auf YouTube findet sich außerdem Nazi-Techno, der Exzerpte aus Reden und Schriften von Nationalsozialisten, wie z. B. Heinrich Himmler, vertont. Daneben kommt es vor, dass Organisationen wie die NPD-Jugendorganisation CDs mit rechter Musik vor den Schulen verteilen. Auch hier sollten Sie aufmerksam werden, wenn Ihr Kind eine „Schulhof-CD“ zugesteckt bekommen hat. Sprechen Sie mit der Schulleitung oder reden Sie beim nächsten Elternabend offen darüber.

Rechtsextremismus im Netz

Besonders jugendaffine Strömungen wie die „Autonomen Nationalisten“ nutzen das Internet, um ansprechende Musik, Texte und Videos zu verbreiten. Dazu werden eigene Webseiten, Facebook- und Twitter-Profile eingerichtet. Über diese greifen Rechtsextreme andere Nutzerinnen und Nutzer an, verbreiten Ideologien, informieren über eigene Aktionen oder werben Kinder und Jugendliche an. Obwohl Netzwerke wie Facebook oder Twitter Meldefunktionen bei Verstößen gegen die Community-Richtlinien anbieten, klappt es nur in seltenen Fällen, Profile dauerhaft löschen zu lassen. Im Zweifelsfall tauchen neue, ähnlich klingende Profile kurze Zeit später wieder auf. Darüber hinaus gibt es Foren und Chats sowie geschützte Communitys, in die man nur durch eine Einladung eines Mitglieds gelangt. Auch Videoplattformen wie YouTube dienen der Bereitstellung illegaler Videomitschnitte mit nationalsozialistischen Inhalten. Ein weiterer Faktor von Rechtsextremismus im Internet sind die Internet-Versandshops, über die man die eingangs beschriebenen Marken sowie Propagandamaterialien beziehen kann.

Was Eltern tun können

Wenn Sie beobachten, dass sich das Verhalten Ihres Kindes stark ändert und es sich z. B. abwertend gegenüber anderen Kindern oder ehtnischen Gruppen äußert, können Sie sich mithilfe der verlinkten Hinweise erste Informationen einholen. Bleiben Sie ruhig und sprechen Sie mit Ihrem Kind über die beobachteten Veränderungen, ohne sie anzuprangern. Zudem sollten Sie Ihre eigene Meinung klar vor Ihrem Kind kommunizieren. Legen Sie Regeln fest, in denen Sie klarmachen, dass Sie ein rechtsorientiertes Verhalten nicht akzeptieren. So sollten Sie das Äußern rechter Parolen, das Aufhängen rechter Symboliken in Form von Flaggen oder Postern im Zimmer, das Tragen rechter Kleidungsmarken oder das Hören rechter Musik untersagen. Als Konsequenz können Sie Ihrem Kind bewusst machen, dass Sie diese Gegenstände entfernen und zerstören, wenn Sie Ihnen auffallen.

Machen Sie Ihrem Kind deutlich, dass Sie es lieben und unterstützen. Häufig orientieren sich Kinder, die Zuneigung und Kameradschaft suchen, in die rechte Szene. Zeigen Sie alternative Angebote auf, die in Form von Freizeitaktivitäten, Ausflügen oder Treffen organisiert sein können. Hier kann sich Ihr Kind ebenfalls im Kreis anderer Kinder und Jugendliche aufgenommen fühlen und Halt finden. Versuchen Sie sich selbst mit anderen auszutauschen, die einen positiven Einfluss auf Ihr Kind haben können. Bleiben Sie mit Ihren Ängsten und Verunsicherungen nicht alleine. Ihr Kind will sich als Teenager bewusst gegen Sie abgrenzen, sodass die Hilfe von außen sinnvoll ist. Vertrauen Sie schließlich auf die Beziehung zwischen sich und Ihrem Kind. Zeigen Sie ihrem Kind immer wieder, dass Sie da sind. So kann es sich jederzeit an Sie wenden.

Titelbild: © rkl_foto/shutterstock.com

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