Lesen, mitlesen, vorlesen ‒ nicht nur am Vorlesetag

Am 15. November findet der zehnte bundesweite Vorlesetag statt. Dieser Tag will ein Zeichen für das Lesen und die Freude daran setzen. Ein Grund mehr die Seiten des (Vor)lesens genauer zu studieren: Warum Lesen so wichtig ist, können Sie beim Lesen dieses Artikels erfahren.

Vorleser gesucht

2004 gab es den ersten Vorlesetag, initiiert von der Wochenzeitschrift DIE ZEIT und der Stiftung Lesen. Damals engagierten sich 2000 aktive Vorleser in 350 Städten. Im letzten Jahr erreichte der 9. Vorlesetag eine neue Dimension: Mit 48.000 Vorleserinnen und Vorlesern präsentierte er sich in einer Vervierfachung der Teilnehmerzahl. Das Konzept ist einfach: Am Vorlesetag kann jeder mitmachen der Freude am Vorlesen hat. Alles was man braucht ist eine Vorlesegeschichte und einen passender Ort. Neben den üblichen Leseorten wie Schulen, Bibliotheken oder Buchhandlungen können Leseaktionen auch an ungewöhnlichen Orten stattfinden – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt (nähere Informationen unter: www.vorlestag.de). Mit einem kleinen Beitrag leistet man also Großes für eine lebendige Lesekultur und der Freude am Lesen. Das lassen sich auch viele Prominente nicht zweimal sagen: Anne Will, Gregor Gysi, Markus Lanz und Jette Joop sind nur einige der bekannten Persönlichkeiten, die am 15. November das Ziel verfolgen, die Begeisterung für das (Vor)lesen zu wecken und Kinder mit einem unserer wertvollsten Kulturgüter vertraut zu machen.

Lesen – so wichtig und doch so unbeliebt?

Lesen bildet, erweitert den Horizont und ist die Voraussetzung dafür, sich Wissen selbst anzueignen. Grundlage des Lernens ist schlicht und einfach das Lesen. Dass das hierzulande aber doch nicht so einfach ist, zeigen uns alljährlich PISA-Studien und OECD-Berichte auf. In der Lesekompetenz deutscher Kinder machen sich große Defizite bemerkbar. Bei der internationalen Schülerleistungsstudie PISA mit dem Schwerpunkt „Lesekompetenzen“ haben 42 Prozent der Kinder und Jugendliche angegeben, nicht zum Vergnügen zu lesen. Bei den Erwachsenen sieht es nicht viel besser aus. Laut PIAAC Studie (“Programme for the international Assessment of Adult Competencies“ der OECD) verfügt ein Sechstel der Erwachsenen nur über Lesekenntnisse auf Grundschulniveau. Im internationalen Durchschnitt ist die Anzahl geringer. Zudem liest nur jeder Fünfte in Deutschland regelmäßig ein Buch.

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Lesen leistet mehr als nur eine neue Geschichte zu kennen

Während man beim Lesen eines Buches durch neue, spannende Welten rauscht, wird man unbemerkt in einem umfassenden Maße gefördert und gefordert ‒ sei es im Wortschatzausbau, der Konzentrationsfähigkeit, im Sprachgebrauchs, im Ausdrucks- und Kommunikationsvermögen etc.. All diese Fähigkeiten, die durch das Lesen gefördert oder erst herausgebildet werden, sind vor allem in der Schule wichtig: Auffassungsgabe, Artikulation, Reflexion, Hinterfragung… drum:

“Früh übt sich“- wer gerne und gut lesen will

Bei der Leseförderung kann nicht früh genug angefangen werden. Der Schritt von Bilder- zu Vorlesebüchern stellt die notwendige Verbindung her, um schon früh zwischen dem Vorgelesenen und den dazugehörigen Bildern eine Vertrautheit mit der Schriftsprache zu ebnen. Auch der Schritt vom Vorlesen zum eigenständigen Lesen sollte von den Eltern begleitet und nicht unterschätzt werden. Er ist eine wichtige Phase in der Ausbildung der Lesekompetenz. Der Prozess des Vorlesens muss nicht zwingend mit Schulbeginn enden, denn genau da kann es zu ungewollten Entwicklungen kommen. Kinder lernen erst das Lesen, widmen daher die meiste Konzentration der Technik. Die Möglichkeit in die spannenden Welten von Büchern einzutauchen, der Spaß und die Neugier an der Geschichte, kann dabei auf der Strecke bleiben und Bücher werden nur noch mit Schule und Arbeit in Verbindung gebracht. Den Spaß am Lesen wieder zu entdecken und freiwillig ein Buch in die Hand zu nehmen, ist dann keine Selbstverständlichkeit mehr.

Wie gerne wird hierzulande vorgelesen?

DIE ZEIT, der Stiftung Lesen und der Deutschen Bahn haben die Studie „Neuvermessung der Vorleselandschaft“ zum Vorleseverhalten in Deutschland ins Leben gerufen, in der das familiäre Vorleseverhalten untersucht wurde. Ergebnis: vor allem in Familien mit Kindern im Vorschulalter wird gerne zum Buch gegriffen und vorgelesen. 70 Prozent der befragten Eltern lesen ihren Kindern täglich oder mehrmals in der Woche vor. Wenig bis keine Bedeutung hat das Vorlesen bei 14 Prozent der Familien, in denen seltener als ein- bis zweimal in der Woche vorgelesen wird.

Dabei schafft gemeinsames Lesen das, was im schnelllebigen Familienalltag oft zu kurz kommt: Entspannung, Ruhe und Nähe. Für die Bindung zwischen Eltern und Kind sind diese Momente notwendig. Da tritt die Leseoptimierung vor diesem Hintergrund fast in den Schatten.

Am meisten wird in Familien mit Migrationshintergrund gemeinsam gelesen. 28 Prozent der Eltern mit ausländischen Wurzeln lesen täglich vor, in Familien ohne Migrationshintergrund sind es 26 Prozent. Spricht man von Eltern, sind damit meist die Mütter gemeint, denn diese unterscheiden sich in ganzen 20 Prozentpunkten von den Vätern, die deutlich weniger Vorleseambitionen zeigen. Allerdings stieg der Anteil der Vorleser im Vergleich zu einer Studie von 2007 um 13 Prozent.

Vorlesen ist nicht gleich Vorlesen

Der Lesestoff sollte der Stimmung angepasst werden. Geht es um eine Gute-Nacht-Geschichte, ist der spannende Abenteuerroman vielleicht nicht die beste Wahl. Wichtig und hilfreich sind Vorleserituale, d.h: eine Regelmäßigkeit in das gemeinsame Lesen zu bekommen. Das ist natürlich nicht immer kontinuierlich einzuhalten, Pausen sollten dann jedoch aufgeholt werden. So wie die ein oder andere Fernsehsendung ein selbstverständliches Ritual ist, kann man genauso gut zur selben Zeit auf dem Sofa gemeinsam lesen. Wenn das Kind beginnt mitzulesen ist es wichtig, es nicht zu überfordern. Die Länge der Lesestunde sollte dann im Auge behalten werden, um die Konzentration nicht komplett aufzubrauchen. Und das Handy bleibt natürlich aus!

Lesen kann man nie genug

Vorlesen scheint wieder an Popularität zu gewinnen. Doch zu viel Lobeshymnen kann es auf dem Gebiet nicht geben. Viele, aber offensichtlich nicht alle Eltern verstehen es als zentrale Aufgabe, ihren Kindern eine gute Lesefähigkeit mit auf den Weg zu geben. Was sich wesentlich verändert hat, ist der Zugang: Das Buch mit seinen Papierseiten ist nicht mehr die einzige Möglichkeit (vor)zu lesen. Aber ob nun auf Papier, dem Bildschirm oder Tablet geblättert wird – wichtig ist, dass gelesen wird. Und mit Initiativen wie dem Vorlesetag sind wir auf einem guten Weg, einen Beitrag zur Festigung und Förderung unserer Lesekultur zu leisten.

Titelbild: ©iStock.com/diego_cervo

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