Schüchtern von Geburt an?

Schüchternheit ist eine Eigenschaft, die betroffene Kinder gerade zum Schulstart vor ganz neue Herausforderungen stellt.

Angst vor Ablehnung

Schüchterne Kinder sind oft selbstkritisch. Sie sorgen sich um ihr Auftreten gegenüber anderen und befürchten, mit ihrem Verhalten auf Ablehnung zu stoßen. Deshalb halten sie sich lieber im Hintergrund und beobachten das Geschehen quasi aus „sicherer Entfernung“. Früher oder später tritt aber trotzdem ein, was sich im Leben nicht vermeiden lässt: Sie machen eine schlechte Erfahrung oder werden abgewiesen.

Das geht ihnen dann sehr nahe, sie sind traurig und verletzt und ziehen sich vielleicht sogar noch mehr zurück – ein Teufelskreis. Wer sich aber bewusst mit Schüchternheit als Charakterzug auseinandersetzt, kann lernen, besser mit solchen Erfahrungen und Situationen umzugehen. Aber warum sind manche Kinder schüchtern und andere nicht?

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Psychologe Carl E. Schwartz glaubt, dass Schüchternheit sogar angeboren sein könnte. Bei verschiedenen Untersuchungen stellte er fest, dass diejenigen, die schon als Kleinkinder zurückhaltend waren, auch als junge Erwachsene noch schüchtern sind. Schon als Babys reagieren manche unterschiedlich auf Fremde. Einige weinen los, andere sind neugierig und offen.

Obwohl nicht 100%ig sicher ist, ob Schüchternheit tatsächlich angeboren ist, konnte mit Sicherheit festgestellt werden, dass schüchterne Menschen auch nach mehr als 20 Jahren diese Eigenschaft nicht von allein überwinden konnten. Neben den Genen können aber auch die Verhaltensweisen der Eltern auf den Nachwuchs abfärben. Das liegt einfach daran, dass sie sich an ihnen orientieren.

Introvertiert oder schüchtern?

Wie Sie schon ganz richtig vermuten, handelt es sich dabei nicht um dasselbe. Schüchterne Menschen würden gern mehr mit anderen unternehmen und dazugehören. Introvertierte dagegen ziehen sich freiwillig zurück, wenn es ihnen zu viel wird. Introvertierte hören gern anderen zu und überlegen länger als andere, bevor sie etwas zum Gespräch beisteuern. Das liegt nicht daran, dass sie weniger intelligent sind. Sie wollen nur vermeiden, etwas Halbherziges zu sagen und durchdenken alles genau. Extrovertierte hingegen sprechen gerne erst und denken dann darüber nach.

Introvertierte sind gern von anderen umgeben, doch sie brauchen auch Zeit für sich. Sie sind ab und an lieber allein, denken nach und verarbeiten ihre Erlebnisse. Wer dagegen schüchtern ist, dem ist Kontakt zu anderen in den meisten Fällen unangenehm oder wird sogar als anstrengend empfunden. Oft haben sie dann ein dumpfes Gefühl im Magen oder werden rot. Die andauernde Angst abgelehnt zu werden, beeinflusst ihr Verhalten maßgeblich.

Was kann man gegen Schüchternheit tun?

Wie kann man Schüchternheit überwinden? Wer schüchtern veranlagt ist, muss vor allem eines tun, nämlich immer wieder aufs Neue seine Angst überwinden. Das hört sich natürlich einfach an, aber für schüchterne Menschen ist das eine wahre Anstrengung. Sie überwinden quasi täglich ihren inneren Schweinehund und achten bewusst darauf, sich selbst mehr zuzutrauen und an sich und die eigenen Fähigkeiten zu glauben. Genau das ist entscheidend, um auch mal aus sich herauszukommen und entspannt am Geschehen teilzunehmen. Es sind nicht immer alle Augen mit kritischem Blick auf einen gerichtet, wie viele glauben.

Zur Überwindung von Schüchternheit gehört auch, sich Erfolge zuzuschreiben und sie als solche zu respektieren. Die gute Note kam nicht durch die Gnade des Lehrers oder gar durch Glück zustande, sondern durch die eigene Leistung. Kurz gesagt: Ermutigen Sie Ihr Kind dazu, stolz auf seine Leistungen zu sein und versuchen Sie ihm klarzumachen, dass es nicht unnötig darüber nachgrübeln soll, was andere denken könnten.

Wie gehe ich am besten mit Schüchternen oder Introvertierten um?

Bei einem kurzen Kennlerngespräch haben zurückhaltende Menschen meist schlechte Karten. Es kann schnell ein negativer Eindruck entstehen, einfach weil sie weniger sagen als andere. Heutzutage muss alles schnell gehen und Kommunikation ist sehr wichtig. Wer also lieber erst einmal den Mund hält und überlegt, was er sagen soll, der wird schnell übergangen oder als weniger engagiert eingeschätzt. Das ist oftmals unfair und nicht gerechtfertigt, denn Schüchterne und Introvertierte sind nicht weniger bemüht oder weniger intelligent als andere.

Auch in der Schule spielt mündliche Mitarbeit eine große Rolle. Während viele direkt die Hand heben und losquatschen, überlegen andere lieber länger und dann ist die Chance, sich zu melden, auch schon vorbei. Schüchterne und introvertierte Klassenkameraden bekommen also meist auch schlechtere Noten für ihre Mitarbeit. Auf Grund dieser Erfahrungen sollten Sie auf keinen Fall versuchen, Ihr schüchternes oder introvertiertes Kind in einen extrovertierten „Pausen-Clown“ umzuerziehen.

Seien Sie also mit Introvertierten oder Schüchternen geduldig – egal, ob es sich dabei um Ihr eigenes Kind oder jemand anderen handelt. Dazu gehört auch, Zeit zum „warm werden“ zu geben, richtig zuzuhören und nicht sofort Antworten auf alle Fragen zu erwarten. Man wird es Ihnen danken und dafür lieber in Ruhe überlegen, bevor man Ihnen antwortet.

Titelbild: ©iStock.com/miflippo

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