Elternabend abschaffen: Gebt mir meinen freien Abend zurück!

Kann es sein, dass wir alle seit Jahren pflichtschuldig zu Elternabenden gehen, weil wir denken, das müsste so sein? Ketzerische Gedanken einer müden Mutter.

In den 19 Jahren, die ich nun schon Mutter bin, habe ich auf vielen kleinen Stühlen oder Holzbänken gesessen. Von der Krippe über die Kita zur Grundschule bis zum Gymnasium und der Gemeinschaftsschule, überall gab es mindestens zweimal im Jahr einen Elternabend. Da wurden dann ausführlich die anstehenden Projekte vorgestellt und uns Eltern jeweils mindestens 90 Minuten – eher zwei Stunden lang – viel mehr Dinge erzählt, als uns interessierten. Und das alles zu einer Zeit, zu der ich eigentlich längst auf dem Sofa oder schon im Bett sein wollte.

Welcher Stoff wann dran ist – muss ich das auf dem Elternabend erfahren?

Die jeweiligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Teams kennenzulernen, ist nett und auch die Lehrkräfte mal zu sehen, eine gute Sache. Dann kann man sich mit den Kindern darüber unterhalten, dass der Kunstlehrer Herr Strobel* echt cool und die Mathelehrerin Frau Schmidt* eine garstige Ziege ist, jawohl. Ansonsten habe ich von keinem der unzähligen Elternabende, die ich besuchte, nennenswerte Erkenntnisse mitgenommen. Mir ist egal, was in Grammatik in Klasse 3 durchgenommen wird. Ich muss nicht wissen, ob das Mündliche 50 Prozent oder 30 Prozent bei der Benotung zählt. Selbst wenn, kann ich doch all das auch wunderbar schriftlich erfahren – dafür muss ich doch nicht bis 21:45 Uhr im Klassenzimmer herumsitzen!

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Insgeheim hege ich ja den Verdacht, dass Elternabende hauptsächlich dazu dienen, dass Elternsprecherinnen und -sprecher gewählt werden können, weil das halt Vorschrift ist. „Bevor hier niemand gewählt ist, kann ich Sie nicht nach Hause gehen lassen!“, sagte mal eine resolute Grundschullehrerin in die Runde der anwesenden Eltern. Die schauten nämlich alle geflissentlich auf den Boden, als es darum ging, wer sich als Kandidat bzw. Kandidatin für die Elternvertretung zur Verfügung stellt. Es fanden sich dann nach fünf Minuten lähmenden Schweigens doch zwei Eltern, die bereit waren, dieses Amt auszuüben – die anderen Anwesenden atmeten erleichtert auf.

Zu müde für Socializing bei Apfelschorle oder Sekt

Elternvertreterinnen und -vertreter zu finden, war in der Kita-Zeit noch nicht so schwierig. Da hatten die Väter und Mütter noch mehr Elan, so scheint es mir – und insgesamt ist die Kita eine ziemlich kuschelige Angelegenheit im Vergleich zur Schule, wie ich rückblickend feststellen musste. In der Kita schien mir der Hauptzweck von Elternabenden das gegenseitige Kennenlernen der Eltern zu sein, die sich während der Bring- und Abholzeiten aufgrund unterschiedlicher Arbeitszeiten nie über den Weg liefen. Es gab, zumindest in den Kindergärten, die meine Kinder besuchten, auch nach dem eigentlichen Elternabend immer noch einen Teil, an dem man „Socializing“ machte, sich also bei Apfelschorle oder sogar Sekt und Salzstangen unterhalten konnte. Das fand ich ganz nett, war aber leider um 21:30 Uhr meist zu müde, um mich dort länger aufzuhalten.

Was, wenn niemand Elternabende mag?

Die Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher selbst schienen nie so müde oder gar lustlos zu sein wie ich – was mich wundert, wenn ich mich heute in meinem Freundeskreis umhöre. Hinter vorgehaltener Hand verraten mir meine Lehrerfreundinnen und -freunde (von Grundschule bis Gymnasium ist alles dabei), dass sie Elternabende hassen und froh sind, wenn möglichst wenig Eltern kommen. Dann müssen sie nämlich nicht endlos über Pausenbrote, den aktuellen Lehrstoff und Klassenfahrten diskutieren. Und dass sie eigentlich viel lieber früh ins Bett wollen, das Ganze aber veranstalten, weil die Eltern es erwarten und sich wertgeschätzt fühlen sollen.

Wenn ich gründlich darüber nachdenke, lässt die Faktenlage eigentlich nur einen einzigen logischen Schluss zu: Mit den Elternabenden verhält es sich wie mit den beiden Brötchenhälften und dem alten Ehepaar, das nach 50 Jahren Ehe feststellt, dass beide Partner jeweils dem anderen zuliebe die Ober- bzw. Unterhälfte des Brötchens gegessen haben, weil sie dachten, sie tun dem bzw. der anderen damit einen Gefallen. Vielleicht probieren wir es mal fünf Jahre lang ohne Elternabend und schauen, ob etwas fehlt?

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Titelbild: ©Ken Wolter/shutterstock.com

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