Wenn Kinder von der Schule gestresst sind

Rückschläge gehören zum Lernen dazu. Sie helfen, die Perspektive zu wechseln. Was passiert aber, wenn Kinder Schule dauerhaft mit Stress verbinden?

Stress beim Übertritt

Eine neue US-Studie untersucht den Stress von Schülerinnen und Schülern beim Übertritt an die High School. Dabei konnte gezeigt werden, dass dauerhafter Notenstress langwierige Schäden bei Kindern und Jugendlichen hervorrufen kann.

In der Untersuchung der Uni Texas wurden 14- bis 15-Jährige beim Übertritt auf die High School untersucht, also während einer besonders stressigen Phase. Zum einen wurde die Entwicklung der Schulnoten dokumentiert. Zum anderen wurden Speichelproben genommen, um den Cortisol-Gehalt zu messen. Das Hormon Cortisol wird typischerweise in Stresssituationen ausgeschüttet und sorgt z. B. dafür, dass die Konzentration kurzzeitig gesteigert wird oder man schnell aus gefährlichen Situationen fliehen kann.

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Ist Intelligenz veränderbar?

Dass sich die Noten beim Übertritt an die weiterführende Schule verschlechtern, war für die meisten Jugendlichen normal. 68 Prozent hatten im ersten Jahr der High School einen schlechteren Schnitt als an der vorherigen Middle School. Der Stress, der durch eine schlechte Note in einer Prüfung hervorgerufen wurde, hielt bei den meisten Schülerinnen und Schülern maximal einen Tag an. Danach war das Cortisol-Level wieder auf einem Normalwert. Während der Untersuchung fanden die Psychologinnen und Psychologen heraus, dass es aber auch Teenager gab, bei denen dieses Level nach einer schlechten Note dauerhaft hoch war – sie waren durch diesen Rückschlag dauerhaft gestresst.

Um herauszufinden, womit dieses hormonelle Ungleichgewicht zusammenhing, ließen die texanischen Forscherinnen und Forscher Tagebücher anfertigen. Darin sollten die Jugendlichen festhalten, wie sie sich fühlten und wie sie mit dem Stress in der Schule umgingen.

Zusätzlich wurde erfragt, welche Vorstellung die Jugendlichen von Intelligenz hätten: Ist Intelligenz veränderbar? Oder ist sie fix, sodass man nicht selbst beeinflussen kann, wie intelligent man ist?

Erstaunlich war, dass diejenigen Schülerinnen und Schüler eher langanhaltend von einer schlechten Note gestresst waren, die glaubten, dass Intelligenz eine feste Konstante sei. Diejenigen, die daran glaubten, dass sie ihre Intelligenz ändern könnten („growth mindset“), hatten einen nachweislich ausgeglicheneren Cortisol-Haushalt.

Cortisol fördert und hemmt kognitive Fähigkeiten gleichermaßen

Wenn Schülerinnen und Schüler kurzfristig gestresst sind, also viel Cortisol ausschütten, kann das gute und schlechte Auswirkungen haben. Cortisol steigert den Blutzuckergehalt, regt den Metabolismus an und erhöht die Merkfähigkeit kurzzeitig. Es hilft außerdem, die Motivation zu steigern und Entscheidungen zu treffen. Diese Eigenschaften sind bei Schülerinnen und Schülern zu beobachten, die „auf den letzten Drücker“ lernen. Einige behaupten sogar, sie könnten erst dann richtig lernen, wenn die Zeit so richtig knapp sei.

Langfristig ist das keine gute Idee. Dauerhafter Stress beeinträchtigt die Gehirnkapazitäten, schwächt das Immunsystem und führt nachweislich zu Langzeitschäden. Eine Untersuchung der Uni Harvard hat zudem herausgefunden, dass das Gehirn von Jugendlichen noch plastisch ist und dauerhafter Stress es „umprogrammiert“. Dann reagiert das Gehirn auf Stress übermäßig stark. Das Fazit der Harvard-Untersuchung war: Zu viel Stress in Jugendjahren stört eine normale Entwicklung des Gehirns und erhöht das Risiko für Krankheiten wie Depression als erwachsene Person.

Unterstützung für Kinder und Jugendliche in stressigen Zeiten

Um Jugendlichen zu helfen, die durch schlechte Noten gestresst sind, sollten Eltern und Lehrkräfte ein abwechslungsreiches Programm anbieten: Gezielte Nachhilfe, eine Hausaufgaben-Gruppe, kurzfristige Motivationsangebote und eine offene Gesprächskultur, bei der Fehler nicht als Schwäche angesehen werden, sind hier wichtige Bausteine.

Titelbild: © UfaBizPhoto/shutterstock.com

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