Kinderfotos im Internet – ja oder nein?

Schöne Familienmomente bei Facebook oder Instagram teilen? Bei Bildern Ihrer Kinder gilt Vorsicht.

Momente, in denen das Kind verträumt aus dem Fenster schaut, mit roten Wangen Fange spielt oder bei Papa auf dem Arm einschläft, sind drollig. Viele Eltern wollen ihr Glück gern mit Freunden und Bekannten teilen. Also veröffentlichen sie Fotos ihrer Kinder in sozialen Netzwerken. Das ist jedoch bedenklich.

Digital Natives

Die Generation Ihres Kindes ist die erste, deren ganzes Leben im virtuellen Raum dokumentiert wird. Während Sie sich noch aussuchen können, ob Sie Bilder aus Ihrer Kindheit online posten, kann Ihr Kind schlimmstenfalls nur noch feststellen, dass Sie es mit nackten Hintern beim Badeurlaub auf Facebook gezeigt haben.

Mit Spaß zum Lernerfolg – so geht's
30 Tage kostenlos testen

Selbst wenn es sich um harmlose Motive handelt, sollten Sie sich daher genau überlegen, ob Sie Bilder Ihrer Kinder publizieren. Laut einem Bericht der BBC online veröffentlichen britische Eltern, die einen Social-Media-Account haben, bis zum fünften Geburtstag ihres Kindes stolze 1498 Fotos vom Kind im Netz. Eine Umfrage des Internetsicherheitsanbieters AVG fand heraus, dass hierzulande drei Viertel der Mütter innerhalb der ersten beiden Lebensjahre ihres Kindes ein Bild online publizieren.

Erste Rückmeldungen an die vernetzten Eltern

Doch auch wenn Sie erst Fotos Ihres Kindes veröffentlichen, wenn es zustimmen kann, verbergen sich hinter dieser Zustimmung Fallstricke. So zitiert die BBC junge Menschen, die zwar zum Zeitpunkt der Veröffentlichung damit einverstanden sind – sich zu einem späteren Zeitpunkt jedoch wünschten, nicht zugestimmt zu haben. Oft sind ihnen die Bilder später peinlichn.

Das Problem ist außerdem, dass Sie durch das Posten dieser Fotos sehr früh Einfluss auf die Fremdwahrnehmung Ihres Kindes durch Dritte nehmen: Sie bestimmen – gewollt oder ungewollt –, wie andere Ihr Kind wahrnehmen und haben somit Einfluss auf die Identitätsbildung Ihres Kindes. Diese Identitätsfindung ist für Kinder und Jugendliche ein wichtiger Teil der persönlichen Entwicklung. Durch online abrufbare Fotos auf den Profilen der Eltern wird sie eingeschränkt. Auch wenn Sie Ihr Kind darauf nicht taggen, sind diese Fotos für Dritte verfügbar. Sie zeigen eine Person, als die Ihr Kind in der späteren Entwicklung nicht mehr präsentiert werden möchten. Egal, wie süß Sie als Eltern das Foto finden.

So wie sich Persönlichkeit, Aussehen und Verhalten im Laufe des Erwachsenwerdens verändert, ändert sich das Profil Ihres Kindes bei Facebook, Twitter und Instagram. Dazu stehen die Erinnerungen auf Ihrer Timeline im krassen Gegensatz.

Eltern als Vorbilder

Als Elternteil zeigen Sie Ihrem Kind, wie es mit seinen Daten im Netz umgehen sollte, z. B. dass es keine Bilder und persönliche Daten auf frei zugängliche Seiten postet. Dazu gehört ebenfalls ein reflektierter Umgang mit sozialen Netzwerken. Sie sind in der Verantwortung abzuwägen, ob ein Bild Ihres Kindes mittel- oder langfristig Konsequenzen für dieses haben kann. Auch wenn die Bilder Ihrer Meinung nach keine peinlichen Momente darstellen, sind sie im Netz, können verbreitet und vervielfältigt werden – gegen Ihren Willen und den Ihres Kindes. Ein besonders dramatisches aber bekanntes Beispiel war ein Bild eines blonden Kleinkindes in Indien, dass von der CDU-Politikerin Erika Steinbach aus dem Kontext gerissen und für politische Zwecke missbraucht wurde. Auch nachträglich gelöschte Bilder sind nicht für immer aus dem Internet verschwunden. Sie befinden sich auf den Servern der sozialen Netzwerke und können weiterhin verbreitet werden. Die Nutzungsrechte der Bilder liegen zudem bei den Betreibern der Website und damit nicht mehr in Ihren Händen.

Verwandte und Bekannte über Risiken aufklären

Wenn Sie eine Entscheidung getroffen haben, wie Sie mit Fotos von Ihrem Kind umgehen, sollten Sie diese Ihrem Umfeld mitteilen. Denn Verwandte müssen vor der Veröffentlichung von Fotos Ihres Kindes bei Ihnen um Einverständnis bitten. Sollte das nicht geschehen, haben Sie einen Anspruch auf Unterlassung. Wenn Ihr Kind bereits älter ist und zur Einwilligung fähig – meistens geht man von einem Alter ab 14 Jahren aus – muss es zusätzlich gefragt werden, ob es der Veröffentlichung zustimmt.

Wenn posten, dann richtig

Häufig posten Eltern, um eine Bestätigung für sich selbst zu erhalten. Zu dieser Erkenntnis kommt Sarah Schoppe-Sullivan, Professorin für Humanwissenschaften an der Universität von Ohio, die die Motivation junger Mütter beim Posten von Kinderfotos in einer Studie untersuchte: Vor allen Dingen Eltern, die unter hohem sozialen Druck stünden, würden Fotos in sozialen Netzwerken veröffentlichen, um durch die Reaktionen eine positive Bestätigung zu erfahren. Versuchen Sie diese Herangehensweise ebenfalls zu reflektieren, ehe Sie ein Bild hochladen.

Wenn Sie dennoch gern Bilder von Ihrem Kind veröffentlichen möchten, sollten Sie Folgendes beachten:

  • Achten Sie bei der Veröffentlichung der Fotos immer auf die Privatsphäre-Einstellung. Machen Sie das Bild nur für die Personen zugänglich, an die Sie sich wenden möchten.
  • Stellen Sie bei den Einstellungen Ihres Profils sicher, dass die von Ihnen geteilten Inhalte nicht für Google durchsuchbar sind. Bei Facebook finden Sie diesen Punkt unter „Einstellungen – Privatsphäre – Wer kann nach mir suchen? – Möchtest du, dass Suchmaschinen außerhalb von Facebook dein Profil anzeigen?“.
  • Bitten Sie Verwandte und Freunde diese Bilder nicht weiterzuverbreiten oder den Namen Ihres Kindes online zu verwenden.

Fazit: Es gibt keine allgemeingültige Antwort. Sie sollten jedoch vor dem Veröffentlichen von Kinderfotos darauf achten, dass diese nicht frei verfügbar sind und Ihr Kind nicht mittel- oder langfristig in eine unangenehmen Situation gerät.

Weitere Artikel:



Titelbild: © clownbusiness/shutterstock.com

Was Sie jetzt tun sollten ...

  1. Motivation beim Lernen ist der Schlüssel zum Lernerfolg Ihres Kindes. Holen Sie sich die Motivationstipps von Lehrer Giuliano in diesem Video.
  2. Gehen Sie auf Entdeckungsreise und schauen Sie sich an, was sofatutor für Sie und Ihr Kind anbietet.
  3. Überzeugen Sie sich selbst und testen Sie sofatutor 30 Tage lang kostenlos.