Montessori-Schulen: „Träumen die da nicht nur?“ – Erfahrungen einer Mutter

Katharina von Stadt Land Mama wünschte sich für ihre Tochter einen Lernort, zu dem sie gerne geht und in dem sie individuell gefördert wird. Doch nicht alle verstehen die Entscheidung für das Montessori-Konzept.

Als ich eingeschult wurde, ging ich auf die Grundschule um die Ecke. So wie meine großen Geschwister und alle Kinder aus der Straße. Es gab keine Diskussion darüber, welches Konzept diese Schule hatte, wie Kinder dort gefördert wurden und ob die Lehrerinnen und Lehrer dort gut oder weniger gut waren. Die Schule war fußläufig erreichbar, das reichte für die Schulwahl.

Als meine Tochter vor zwei Jahren eingeschult wurde, hatten wir einen kleinen Schul-Besichtigungsmarathon hinter uns. Die Einzugsschule war bei uns nicht automatisch gesetzt. Wir Eltern hatten uns vorher genau überlegt, in welcher Umgebung unsere Tochter lernen sollte, was wir uns für sie wünschen und welches Konzept für sie passen könnte.

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Ich weiß, dass wir mit diesen Gedanken nicht allein waren. Fast alle unsere Freundinnen und Freunde hatten sich so ausgiebig mit der Schulwahl beschäftigt, dass sie dazu hätten promovieren können.

Wir alle wissen: Die perfekte Schule gibt es nicht

Das muss nicht unbedingt gut sein. Dass wir heute so viele Wahlmöglichkeiten haben, setzt uns unter Druck, die perfekte Schule zu finden. Und eigentlich wissen wir alle: Die perfekte Schule gibt es nicht. Nichtsdestotrotz hatte die Beschäftigung mit dem Thema etwas sehr Positives. Wir lernten das Montessori-Prinzip kennen, das uns schnell überzeugte. Unsere Tochter geht also seit zwei Jahren auf eine Montessori-Schule.

Seitdem habe ich oft das Gefühl, mich dafür rechtfertigen zu müssen. In vielen Köpfen ist noch drin, dass die Kinder dort nur lernen müssen, wenn sie Lust haben und dass sie leistungsmäßig hinterherhinken. „Aber wir leben nun mal in einer Leistungsgesellschaft. Meinst du nicht, dass sie später Probleme bekommt, wenn sie an Druck nicht gewöhnt ist?“, werde ich oft gefragt.

Dass wir in einer Leistungsgesellschaft leben, kann ich nicht verneinen. Aber Kinder sind keine kleinen Erwachsenen und sollten Zeit haben, in Ruhe ihren Platz in unserer Gesellschaft zu finden. Ich möchte einfach nicht, dass Leistung für meine Achtjährige an erster Stelle steht.

Meine Tochter lernt in ihrem Tempo

Außerdem kann ich nicht behaupten, dass meine Tochter ja gar nichts leistet. Sie lernt jeden Tag Neues und ist begeistert bei der Sache. Das Beste: Sie geht gerne in die Schule. Weil sie dort alles in ihrem Tempo machen kann. Weil sie länger bei einem Thema bleiben kann, wenn sie etwas besonders interessiert. Hat sie gerade besonders Spaß am Rechnen, bekommt sie zusätzliche Arbeitsblätter, um ihren Wissensdurst zu stillen – und kein Lehrer bzw. keine Lehrerin zwingt sie zum Lesen von Texten für den Deutschunterricht.

Obwohl alle Kinder in ihrem Jahrgang unterschiedlich weit in den Fächern sind, stellt meine Tochter keine Vergleiche an. Sie wertet nicht, sondern bleibt komplett bei sich selbst. Weil sie weiß, dass sie auch von den Lehrerinnen und Lehrern nicht verglichen wird. Es ist okay, wenn sie in einem Fach schneller oder langsamer ist als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler. Sie merkt, dass man ihr vertraut und sie individuell fördert.

Da sie in einer jahrgangsübergreifenden Klasse sitzt und mit Kindern von der ersten bis zur dritten Klasse zusammen lernt, sind die Übergänge fließend. In Mathe zum Beispiel rechnet sie schon oft den Stoff der dritten Klasse, während sie im Schreibschriftheft eher langsamer vorankommt. Sie selbst hat damit kein Problem und fühlt sich nicht abgewertet – die Freude am Lernen bleibt ihr also erhalten.

Die altersgemischten Klassen haben einen weiteren Vorteil: Die Größeren helfen den Kleineren, übernehmen Verantwortung. Das tut beiden Seiten gut.

Auch das Wegträumen gehört mal dazu

Ich konnte einmal im Unterricht hospitieren. Die Atmosphäre da war ganz anders, als ich sie aus meiner Schulzeit kannte. Die Kinder saßen in Gruppen zusammen, einige rechneten auf dem Boden liegend. Manche Kinder hatten sich in den Flur zurückgezogen, um mehr Ruhe zu haben. „Meinen Sie nicht, dass dieses Arbeiten einigen Kindern ermöglicht, sich zu verstecken und sich eine ganze Stunde mal wegzuträumen?“, fragte ich die Lehrerin anschließend. „Das kann schon sein, aber meinen Sie nicht, dass sich Kinder auch im Frontalunterricht aus dem Klassenraum träumen können?“, antwortete sie. Das erinnerte mich an die zahlreichen Schulstunden meiner Kindheit, in denen ich am Ende gar nicht wusste, was wir eigentlich durchgenommen hatten.

Noch fast zwei Jahren auf einer Montessori-Schule ist mein Fazit: Unsere Tochter macht genau die Erfahrungen, die wir uns für sie gewünscht hatten: Sie sieht Lernen als etwas Wunderbares und nicht als Last. Sie muss keine Höchstleistungen vollbringen, sondern macht alles so gut, wie sie kann. Bisher sind wir sehr glücklich mit unserer Entscheidung für diese Schulart – und können uns eine Regelschule nicht mehr vorstellen.

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Titelbild: © Steven Van Aerschot/shutterstock.com

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