Studie: Tests schüren Mathe-Angst bei Schülern

Die Zeit läuft unaufhaltsam ab: Der Stress nimmt zu. Wie man Kindern dennoch ein besseres Gefühl für Mathe-Tests vermitteln kann.

Mathe-Professor warnt vor Schäden

Tests mit Zeitvorgaben sind schädlich, fand Jo Boaler, Professor der Uni Stanford, heraus. Sie schüren Ängste und Stress von Schülerinnen und Schülern in Bezug auf das Schulfach Mathe.

Die Zahl der Mathemuffel, Matheverweigerer und sogar Zahlenanalphabeten nimmt in den USA laut Mathematiker Boaler stetig zu. 50 Prozent aller Kinder der ersten und zweiten Klasse haben demnach Mathe-Angst. Einen Grund dafür sieht er in den Mathe-Tests, die eine bestimmte Leistung in einer vorgegebenen Zeit einfordern.

Mathe-Angst als psychologisches Phänomen

Die Mathe-Angst wird im Laufe der Schulzeit häufig immer schlimmer. Die Folgen sind schlechte Noten, das Vermeiden mathematischer Rechnungen in Unterricht und Alltag sowie eine allgemein negative Einstellung zu Mathe – oft ein Leben lang.

Ein Faktor, der dieses negative Mathe-Bild befeuert, ist der zeitlich begrenzte Mathe-Test. Laut Boaler wurde nachgewiesen, dass Schülerinnen und Schüler, die die gleichen Mathe-Aufgaben ohne Zeitdruck lösten, viel weniger Stress verspürten, als wenn sie diese in einer bestimmten Zeit bearbeiten sollten.

Neurowissenschaftlerinnen und -wissenschaftler konnten zudem zeigen, dass bei zeitlich begrenztem Lösen von Mathe-Aufgaben Bereiche im Gehirn aktiv waren, die das Gefühl der Angst produzieren. Parallel dazu wurden die Bereiche im Gehirn gehemmt, die für eine Problemlösung zuständig sind. Das hat fatale Folgen: Schon Erstklässler und Erstklässlerinnen verspüren Stress während Mathe-Tests. Und selbst wenn die Kinder und Jugendlichen gut im Test abschnitten, war das Stresslevel während der Prüfung sehr hoch.

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Stress schlägt Wissen

Mathe-Professor Boaler weist zudem auf ein Paradox hin: Gerade Schülerinnen und Schüler, die eigentlich gut auf einen Test vorbereitet sind, neigen dazu, durch den Stress während der Testsituation zu blockieren. Das zuvor hart erarbeitete Potenzial kann nicht abgerufen werden und das Resultat ist eine schlechte Note. Diese lässt den Lernenden an den eigenen Fähigkeiten zweifeln und vergrößert in der Folge die Angst vor dem Fach Mathe.

Wie Kinder und Eltern besser mit Mathe-Tests umgehen können

Da Tests mit Zeitvorgabe nicht abgeschafft werden können und es auch Befürworter dieser Methode gibt, sollte die Einstellung zu ihnen verbessert werden. Schließlich gibt es auch in der Uni oder später im Job Deadlines, die eingehalten werden müssen. Also gibt der Stanford-Professor Hinweise, wie man eine Abneigung gegen Mathe verhindern kann:

  • Zeit ausnutzen: Es ist ein allgemeiner Irrglaube, dass Schülerinnen und Schüler, die als Erste ihren Test abgeben, die besten sind. Viele gute Kinder und Jugendliche lassen sich absichtlich Zeit, um die Antworten noch einmal durchzugehen, Schusselfehler zu beseitigen und mit einem guten Gefühl aus der Prüfung zu gehen.
  • Gemeinsam üben: Eltern können Kindern passende Mathe-Aufgaben geben und sie darüber nachdenken lassen, wie die Lösung lautet. Auch sie rechnen die Lösung im Kopf nach. Wenn beide eine Lösung haben, verkünden sie diese gleichzeitig und erklären sich im Anschluss gegenseitig den Lösungsweg, wobei das Kind beginnt. So wird Mathe als kreativer Denkprozess mit verschiedenen Wegen und nicht als sture Leistungsabfrage begriffen. Auch das Üben in kleinen Gruppen mit Gleichaltrigen bietet sich an.
  • Automatisierung: Mathe-Regeln und -Formeln sollten im Schlaf sitzen. Tägliches Üben und Wiederholen, z. B. mit den Übungen von sofatutor, senkt das Stress-Gefühl von Schülerinnen und Schülern während der Tests. So müssen sie nicht mehr über den richtigen Lösungsweg nachdenken, sondern können ihn einfach abrufen. Nur wer die Grundrechenarten beherrscht und nicht mehr über die Lösung für 3×4 nachdenken muss, kann sich später mit tiefergehenden Algebra-Problemen auseinandersetzen.
  • Frühzeitig beginnen: Lernen braucht Zeit, gerade wenn es um eine abstrakte Kunst wie Mathe geht. Dabei sind vor allem die ersten Jahre essenziell, in denen Kinder sich mit dem Rechnen beschäftigen. Zu Hause sollte spielerisch und ohne Stress Mathe geübt werden. Einige Ideen für Mathe im Alltag finden Sie hier.

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