Schuleinführung – ein Fest der Superlative

Bevor für die Schulkinder der sprichwörtliche „Ernst des Lebens“ beginnt, steht auch bei Mama Henrike in Sachsen die Schuleinführung an: Die ABC-Schützinnen und -schützen betreten das erste Mal ihre neue Schule, es gibt eine Festrede, die Zuckertüten werden überreicht. Hurra!

Während die „Schuleinführung“ oder der „Schuleingang“ in vielen Bundesländern dieser schönen Republik nahezu langweilig normalitätsnah abläuft, ist das in den neuen Bundesländern zum Teil ein Riesenevent! Das ist geschichtlich gewachsen. Aus diesem Grund käme niemand hier auf die Idee, den ersten Schultag auf einen Mittwoch zu legen. Es muss zwingend ein Montag sein, weil wir es am Wochenende davor richtig krachen lassen!
An jedem Samstag vor dem jährlichen Schulbeginn fahren bei uns im Viertel die Lieferwagen der Caterer umher. In keinem Restaurant der Stadt findet man noch einen Platz zum Mittagessen. Auch nicht zum Eis oder Kuchen essen und schon gar nicht zum Abendessen! Überall wimmelt es von herausgeputzten Menschen. Autos werden mit Blumengebinden geschmückt und kleine Menschen tragen stolz handgebastelte oder aufwendig designte Zuckertüten, die beinahe größer als sie selbst sind. Es fahren Dampfer auf der Elbe, auf denen gefeiert wird. Manch findiger Wirt organisiert ein Schuleingangsevent mit Menü, Clown und Programm, für das man Karten kaufen kann, um die Eventplanung auszulagern.

Feuerwerk im August

Am Abend knallt und zischt und pufft es stundenlang, denn natürlich endet jede zünftige Schuleingangsfeier mit einem Feuerwerk! Was sonst?!

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Ich bin marginal betroffen, denn im kommenden Jahr wird unser Kleiner eingeschult. Das heißt, ich mache mir schon seit letztem Jahr Gedanken, wie das ablaufen soll.

Es gab da so eine Situation im Herbst vergangenen Jahres: Der Angeheiratete und ich saßen abends in einer sehr gemütlichen Wirtschaft, ich blickte mich um und meinte, das sei doch ein hübscher Ort für die Schuleinführungsfeier des Sohnes, oder? Und dass ich doch gleich mal reservieren sollte, für alle Fälle.

Der Mann griff sich an die breite Brust und erklärte mich für verrückt, denn immerhin hätten wir ja noch fast zwei Jahre Zeit!

Ich ließ mich nicht beirren und unterbreitete der Wirtin mein Ansinnen. Diese schüttelte freundlich aber bestimmt den Kopf. Daraufhin erklärte ich etwas deutlicher und leider wohl auch lauter: „Ich meine nicht für nächstes Jahr! Ich möchte für 2020 reservieren!“. Darauf antwortete sie ebenso laut: „Und ich meine, wir waren schon 2017 für 2020 ausgebucht! Sie sind einfach viel zu spät dran!“.

Restaurant – drei Jahre im Vorfeld ausgebucht

Was für ein Schock.

Die letzte Schuleinführung lag elf Jahre zurück und ich war wohl ein wenig aus der Übung. Mittlerweile ist beinahe ein Jahr vergangen und ich habe aufgeholt!

Es bestehen aktuell Reservierungen in drei Restaurants fürs Mittagessen, weil ich auf Nummer sicher gehen will, falls eines überraschend schließen sollte. Ich habe eine Hüpfburg – Modell „Tinkerbell“ – bestellt und schon geklärt, wann die wie zu liefern ist und wieder abgeholt werden muss. Ich habe bei diversen Veranstaltern nach Tischen und Stühlen gefragt. Keine Bänke, die sind viel zu unbequem!

Ich habe nach Partyzelten für unseren Garten gegoogelt, falls es regnet, und selbstverständlich werde ich eine Mottotorte anfertigen lassen. Ich habe bereits verschiedene Motive in der engeren Auswahl. Es gibt Catering für abends, kalt und warm. Die Zuckertüte wird ebenfalls etwas ganz Besonderes werden, zumindest ist das der Plan. Ob ich selbst basteln werde oder in Auftrag gebe, das entscheide ich noch. Bald. Also ich muss das bald entscheiden! Ich muss alles ziemlich bald entscheiden, wir sind schließlich in Sachsen. Unnötig zu erwähnen, dass ich diverse Excel-Listen dazu pflege.

Die Gästeliste – ein Projekt für fortgeschrittene Projektmanager

Besonders die Gästeliste ist ständig im Umbau. Wenn wir Müllers einladen, müssen wir Schulzes auch einladen. Und Schneiders brauchen ein Hotel oder sollen wir die bei uns unterbringen? Und Lehmanns mit dem gehbehinderten Großvater … Und was ist eigentlich mit dem Feuerwerk?

Der Mann, der mir die Kinder mitsamt den notwendigerweise stattfindenden Schuleinführungen eingebrockt hat, meint, ich würde auch für sächsische Verhältnisse übertreiben und dass das schon vor zwölf Jahren beim Großsohn der Fall gewesen sei.

Wir erinnern uns:

Damals hatten wir ein angesagtes Kindercafé für beinahe die ganze Familie und unsere Freundinnen und Freunde gemietet. Dort gab es ein dreigängiges Mittagsmenü. Danach beschäftigten zwei Animateurinnen die anwesenden Kinder und Erwachsenen über den Nachmittag mit allerlei lustigen Spielen und am Abend haben wir dort gegrillt. Ich erinnere mich vage, dass ich für das Abendessen alles selbst vorbereitet hatte und unzählige Male Schüsseln mit Couscous-Spargel-Salat und anderem seltsamen Essen hin- und Verwandte hergefahren hatte. Und dass ich ziemlich sicher am Abend meine zitternde Faust in den Nachthimmel gereckt und ausgerufen hatte, dass ich sowas (!) ganz sicher niemals wieder machen würde!

Und ich stelle beim Erinnern fest, dass ich eigentlich kaum noch weiß, was ich an diesem doch so wichtigen Tag außer der Feierstunde in der Schule mit meinem tollen großen Sohn gemeinsam gemacht habe.

Der Plan – weniger ist mehr

Mein Mann hat eine kluge und einsichtige Frau. Die die Hüpfburg „Tinkerbell“ abbestellt hat und nun plant, mit den engsten Verwandten nach der Feierstunde zum Mittagessen zu gehen und danach gibt es selbstgebackenen Kuchen bei uns im Garten. Auf Biertischgarnituren, und zwar unbequemen, damit alle nach dem Kaffee beizeiten gehen und wir ganz viel Zeit allein mit unserem kleinen großen Schulkind haben werden. Und natürlich wird es kein Feuerwerk geben!

Aber vielleicht einen Clown? Einen ganz kleinen Clown? Einen, der Luftballontierchen bastelt?! Entschuldigt mich, ich muss googeln …

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Titelbild: © Avigator Fortuner/shutterstock.com

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