Abi und was dann? Wie wärs mit Produzent?

Organisierst und planst du gern? Kannst du mit Zahlen und Geld umgehen, findest Gefallen am telefonieren und löst dabei am liebsten Probleme? Und – liebst du Filme? Dann ist der Job eines Filmproduzenten vielleicht das richtige für dich. Robert Zahn ist so einer, sogar noch ein ziemlich junger. Vor drei Jahren hat er zusammen mit einem Studienfreund die Firma „Founders Reserve Media” gegründet. Wir haben mit Robert gesprochen und er hat uns verraten, wie man Produzent wird, was man dafür braucht und mit welchen Ängsten man zu kämpfen hat.

Hallo Robert, wer bist du und wo kommst du her?

Robert: Ich bin 27 Jahre alt und wurde in einem Land geboren, das es nicht mehr gibt (DDR). Nach dem Abi habe ich direkt studiert und mit Anfang 25 eine eigene Firma gegründet.

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Was genau ist dein Beruf. Erkläre das mal in ein paar Worten!

Robert: Also, ich bin Produzent/ Producer/ Herstellungsleiter/ Produktionsleiter – mein Beruf umfasst viele Begrifflichkeiten, von denen ich aber eigentlich gar nicht so viel halte. In einer jungen Firma muss man eben viele dieser Sachen abdecken, um die entsprechenden Erfahrungen zu sammeln. Ein etablierter Produzent nennt sich natürlich nur „Produzent” und lässt die anderen Sachen seine Mitarbeiter für sich machen. Aber das sind die wenigsten. Am Anfang bedient jeder erst mal diese ganzen Zweige, was auch wichtig ist und dazu gehört. Ansonsten produziert unsere Firma in erster Linie Werbefilme. Wir entwickeln aber auch Filmstoffe für Langfilme und neuartige transmediale Projekte.

Was sind denn „transmediale” Projekte?

Robert: Das bisher bekannteste und wohl auch älteste transmediale Projekt ist Star Wars. Denn dazu gibt es nicht nur Filme, sondern Comics, Bücher, Hörspiele, Blogs, Communities, Fan-made-Videos usw.. D. h., aus einer Storywelt entstehen unterschiedliche Geschichten, die über verschiedene Medien erzählt werden (Online, Buch, Film) und wir finden es spannend, solche Storywelten zu entwickeln.

Was hast du studiert? Hat dich dein Studium zum Filmdreh gebracht oder gab es den Plan schon vorher?

Robert: Ich habe Theater- und Medienwissenschaft mit Germanistik im Nebenfach in Bayreuth studiert. Ich bin eigentlich als Theaterinteressierter in das Studium gegangen, weil ich Schauspieler werden wollte und am Ende stand ich da, als Gründer einer kleinen Filmproduktionsfirma, mit der ich während des Studiums schon angefangen habe, Studentenfilme zu produzieren. Der Bruch kam, als ich als Schauspieler an Filmsets gedreht habe und dort alles so schlecht organisiert fand. Zudem war mir irgendwann wichtig, die Dreharbeiten mit zu planen, was uns in der Praxis nie wirklich jemand gezeigt hat.

Was macht man als Produzent eigentlich?

Robert: Man ist der Motor eines Projektes und zugleich auch der Fahrer. Es wird ja immer gesagt, der Produzent ist der, den niemand kennt und sieht, aber der das ganze Geld einsackt – schön wärs! Man hat zwar viel mit Geld zu tun, arbeitet aber in erster Linie damit. Und je mehr Geld man investiert, desto mehr Risiko geht man ein.

Ein Produzent ist daher vor allem für die Finanzierung eines Projekts verantwortlich. D. h, er sucht Geldgeber wie Fernsehsender, Filmverleiher und Investoren. Dafür muss man viel Verständnis für Betriebswirtschaft und juristischen Kram mitbringen, was ich im Studium gar nicht gelernt habe und mir selbst beibringen musste. Aber da wächst man schnell rein, wenn man ein wenig Freude daran findet. Daneben stellt ein Produzent die wichtigsten Positionen für ein Projekt zusammen (Regie, Autor, Kamera, Schauspieler etc.). Und das vor allem nicht nur aus künstlerischer sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht. Trotzdem geht die Kreativität nicht verloren, denn man muss Geschichten erzählen und nachempfinden können. Unendlich viele Aufgaben also, was man abschließend vielleicht so erklären könnte: Wenn du eine tolle Geschichte in der Zeitung ließt und glaubst, dass das ein guter Film werden könnte, dann ist man ab dem Moment bis zu dem wo man im Kino sitzt, an allen Prozessen beteiligt.

Warum warst du an keiner Filmhochschule? Das gilt doch eigentlich als Einstieg in die Film- und Fernsehbranche – oder braucht man das eigentlich nicht?

Robert: Punkt eins: Ich habe mich nie beworben, weil es nie dazu gekommen ist, da ich direkt nach dem Studium einen Job als Producer in einer Werbeagentur begonnen hatte und dann alles fließend ineinander lief. Zweitens: Ich hatte bei Filmhochschulprojekten auch schon extern als Produktionsassistenz mitgemacht und habe da keine großen Unterschiede zu dem gesehen, was ich selbst schon gemacht habe. Und drittens: Ich wollte einfach nicht mehr studieren.
Und ob das generell der Einstieg ist? Naja, es ist auf jeden Fall ein guter Einstieg, denn wer dort angenommen wird, hat die Chance, wichtige Leute kennenzulernen und ein Netzwerk aufzubauen, was in dieser Branche sehr wichtig ist. Aber ein Filmhochschulstudium entbindet einen nicht, sich in der Wirtschaft etablieren zu müssen und das ist das schwerste.

Du hast zusammen mit einem Studienfreund Jérôme eine Firma gegründet. Was spuken einem da für Gedanken im Kopf herum? Hattest du nicht Angst, so jung eine Firma zu gründen, in einem so riesigen Markt wie der Filmbranche?

Robert: Große Zweifel, Zukunfts- und Versagensängste – oder sagen wir mal, die Angst davor, dass man sich hinter niemanden verstecken kann, sondern alle Entscheidungen selbst zu verantworten hat. Die Angst in der Filmbranche unterzugehen, hatte ich nicht, weil wir schon gute Referenzen nachweisen und auf unsere Fähigkeiten stets vertrauen konnten und bis heute können. Jérôme und ich bezeichnen uns selbst übrigens nicht als Geschäftspartner, denn wenn man zusammen eine Firma gründet, dann ist das wie eine Ehe. Da gibt es viel Streit aber auch immer wieder Versöhnung, was sehr produktiv sein kann und auch ist.

Aber man muss auch sagen, dass uns der Einstieg etwas erleichtert wurde, weil wir ein „Bürostipendium“ der VGF (Verwertungsgesellschaft für Film- und Nutzungsrechte) bekommen haben. Das ermöglichte uns, für die ersten 18 Monate kostenlos ein Büro im Bayrischen Filmzentrum auf dem Bavaria-Filmstudiogelände in München zu nutzen. Eine gute Adresse, wo wir auch heute noch sitzen, nur dass wir jetzt Miete zahlen müssen (lacht).

Der Traum vieler ist Regisseur oder Kameramann – warum ist es bei dir Produzent?

Robert: Das ist schwer zu sagen. In der Schule war ich schon Klassen- und Schulsprecher – Organisieren, Leiten, das liegt mir einfach und nebenbei habe ich richtig viel Theater gespielt. Jeder, der in sich mehr als nur eine kreative Ader spürt, für den ist das Produzieren eigentlich ideal, weil man vieles vereinen kann. Und – ich telefoniere mehr und lieber als meine Freundin (lacht).

Man mag ja meist nicht alles an seinem Beruf. Was macht dir am wenigsten Spaß daran? Und als Gegensatz: Was ist das absolut Beste dabei?

Robert: Am wenigsten Spaß macht es mir, wenn das Telefon nicht klingelt (lacht), nichts los ist und man nur stupide Büroarbeit macht. Und die meiste Freude habe ich daran, Probleme zu lösen. Obwohl wir Probleme nie als Probleme ansehen, sondern als Aufgaben. Herausforderungen wie, wenn dir einen Tag vor dem Dreh ein Darsteller abspringt, das ist zwar erstmal ein Schock, aber wenn man das dann gebacken bekommt, dann ist das ein doppeltes Erfolgserlebnis. Es gibt immer eine Lösung, man muss sich nur anstrengen. Und diese Anstrengung ist es, die mir am besten gefällt.

Wie zufrieden seid ihr mit eurer Firma, seid ihr schon da, wo ihr hinwolltet?

Robert: Das Gefühl an seinen Projekten zu arbeiten und für seine eigene Firma jeden Morgen aufzustehen, das ist schon ein tolles Gefühl. Zufrieden ist man ansonsten nie, dass wäre ja auch irgendwie Stillstand. Man versteht aber auch schnell, dass alles seine Zeit braucht und man sich Schritt für Schritt weiterentwickelt (dafür 5 Euro ins Phrasenschwein, aber es ist nunmal so). Wir versuchen uns als Werbefilmproduktion zu etablieren, was gerade auch gut läuft. Aber irgendwann möchten wir auch unsere eigenen Stoffe verfilmen und eben auch Spielfilme machen.

Hast du ein paar Tipps für junge Menschen, die das hier lesen und vielleicht auch Produzent werden wollen? Was rätst du ihnen?

Robert: Filme machen und Filme schauen. Rausgehen, sich ausprobieren, selbst wenn es am Anfang nur die Handykamera ist. Und die einzigen Dinge, die dafür wichtig sind, sind meiner Meinung nach Disziplin, Geduld, das nötige Handwerkszeug (für Kalkulationen, Stoffentwicklung, Organisation, Aquise etc..) sowie Neugier und Begeisterungsfähigkeit.

Danke für das Interview

Website von Founders Reserve Media

Titelbild: ©Founders Reserve Media

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