Außergewöhnliche Berufe: Ein Interview mit einem Berufskletterer

Hast du dich auch schon mal gefragt, wer im Freizeitpark eigentlich dafür sorgt, dass bei der Achterbahn oder dem Freefall-Tower alles funktioniert? Dass alle Schrauben festgezogen sind? Es ist ja gar nicht so leicht, auf 100 Meter Höhe mal schnell nach dem Rechten zu schauen. Dafür gibt es Berufskletterer, die sich wie Spiderman von Hochhäusern, Brücken und Achterbahnen herabseilen, um zu reparieren, restaurieren oder zu reinigen. Wir haben mit dem Berufskletterer Ralf V. Laier über seine Arbeit gesprochen.

Sie sind Berufskletterer. Können Sie kurz erklären, was ein Berufskletterer macht?

Ralf V. Laier: „Wir sind Höhenarbeiter, machen aber eigentlich alles, was wir auf dem Boden auch machen würden, d. h. Installationsarbeiten, Malerarbeiten, Wartungsarbeiten, usw..‟

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Wie wird man Berufskletterer? Gibt es eine Ausbildung dazu?

Ralf V. Laier: „Eine Ausbildung zum Berufskletterer gibt es nicht. Die meisten Berufskletterer haben eine Ausbildung zum Zimmermann, Dachdecker oder Elektroniker gemacht und bilden sich dann zum Höhenarbeiter mit Lehrgängen weiter, bei denen man lernt, wie man am Seil sicher auf- und absteigt. Es gibt aber auch Berufskletterer, die keine Ausbildung oder kein Studium gemacht haben, die aus Spaß an der Sache darangekommen sind. Man verdient ja auch viel Geld damit, da es keine ungefährliche Arbeit ist.”

Woraus besteht Ihre Arbeit? Worauf klettern Sie?

Ralf V. Laier: „Wir machen unter anderem Reinigungen von Kraftwerken. Ein Kraftwerk verbrennt ja Kohle und da bleiben große Kohlegesteinsbrocken in den Türmen zurück. Wenn man die Gesteinsbrocken nicht regelmäßig abschlagen würde, könnten sie herunterfallen und Menschen, die dort arbeiten, schwer verletzen. Wir reinigen Fenster, stellen Antennen auf und warten Windkraftanlagen.”

Was war das aufregendste Projekt? Was war das Höchste?

Ralf V. Laier: „Wir machen viele Wartungsarbeiten im Heide-Park Soltau. Beim Scream, der höchste Freefall-Tower der Welt, mussten wir nachschauen, ob sich Schrauben gelockert haben. Da hingen wir auf 100 Meter. Es gibt aber viele spannende Projekte. Der Beruf macht unglaublich viel Spaß!”

Was muss ein Berufskletterer gut können?

Ralf V. Laier: „Er muss Gefahren richtig erkennen und einschätzen können. Es ist das A und O, dass man weiß, was man tut. Wenn man z. B. auf dem Hochmast ist, gibt es dort auch Strahlen und in den Kraftwerken, hat man mit Gasen zu tun. Man muss sich richtig schützen können. Die Arbeit kann teilweise hochgefährlich sein.”

Hatten Sie schon Unfälle?

Ralf V. Laier: „Nein, es ist noch nichts passiert, nur Beinahe-Unfälle. Wir hatten aber schon Leuten, denen schlecht wurde.”

Was würden Sie Schülerinnen und Schülern empfehlen, die mit der Idee spielen, Berufskletterer zu werden?

Ralf V. Laier: „Es ist wichtig, eine anständige Lehre zu machen. Berufskletterer sind selten festangestellt, sondern arbeiten auf Projektbasis. Außerdem ist der Beruf sehr anstrengend. Ab einem bestimmten Alter kann man es nicht mehr machen. Wenn man aber einen vernünftigen Beruf gelernt hat, sei es Schlosser oder Elektrofachkraft, hat man ein zweites Standbein. Das Klettern alleine kann man nicht ein Leben lang machen.”

Unsere letzte Frage: Was wollten Sie als Kind mal werden?

Ralf V. Laier: „Ich wollte immer Indianer werden.”

Mehr über Ralf V. Laier und seinen Beruf erfährst du auf seiner Webseite.

Titelbild: ©privat & ©iStock.com/AnatolyTiplyashin

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