Außergewöhnliche Berufe: Interview mit einem Erschrecker

Seinen echten Namen wollte er uns nicht verraten und auch sein Gesicht durften wir nur mit Maske fotografieren. Allgemein war alles sehr geheim und gruselig, denn Phlip Ghost ist Berufs-Erschrecker und arbeitet im Berliner Gruselkabinett. Wir haben uns mit ihm und der Geschäftsführerin des Kabinetts, Marlit Friedland, in der Hexenküche über einen ungewöhnlichen Beruf unterhalten.

Phlip, können Sie kurz erklären, was ein Erschrecker ist und was er den ganzen Tag macht?

Phlip Ghost: „Meinen Arbeitstag verbringe ich hier in den dunklen Ecken des Luftschutzbunkers zwischen Skeletten, Kakerlaken und Monstern.
Wenn uns nun eine Gruppe besucht, laufe ich los und suche mir ein passendes Versteck. Sobald sich die Besucher nähern, springe ich aus meinem geheimen Lager, schreie und heule und jage ihnen Angst ein.”
(Er lacht. Er hat eine sehr unheimliche Lache.)

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Das klingt, als hätten Sie sich mit Ihrem Beruf einen Kinderwunsch erfüllt.

Phlip Ghost: „Nicht ganz! Als Kind wollte ich immer Feuerwehrmann werden und bin nur rein zufällig zum Erschrecker geworden. Meine Freundin hatte im Internet eine Stellenanzeige gelesen „Erschrecker gesucht” und meinte dann aus Spaß: „Hier guck mal, Menschen im Berliner Gruselkabinett erschrecken, das ist doch genau der richtige Job für dich.” Ich habe das dann aber ernst genommen und mich beworben. Nun arbeite ich hier schon seit einem halben Jahr als Erschrecker.”

Also gibt es keine Ausbildung zum Erschrecker?

Phlip Ghost: „Nein, leider nicht. Jedoch muss man schon bestimmte Eigenschaften mitbringen, um ein guter Erschrecker zu sein. Besonders wichtig ist körperliche Fitness. Ich renne sehr viel und brauche aus diesem Grund eine gute Ausdauer. Der Bunker ist rund 3000 qm groß und ich muss immer schnell an meinem nächsten Versteck sein. Wenn wir ein volles Haus haben, kann das wirklich sehr anstrengend werden.

Außerdem ist es wichtig, ein gutes Gespür für Menschen und für Timing zu haben, um abschätzen zu können, wie stark und wann man bestimmte Menschen erschrecken kann. Und viel Fantasie sollte man als Erschrecker auch mitbringen. Ich brauche immer wieder eine neue Idee, wo ich mich als nächstes verstecken kann, damit es immer spannend bleibt.”

Frau Friedland, Sie sagten einmal, Sie seien die Erste gewesen, die Vollzeit-Erschrecker eingestellt hat.

Marlit Friedland: „Ja, das war die Erfindung meiner Tochter. Die ersten zehn Jahre gab es in Deutschland nur ein Gruselkabinett und das waren wir. Die vielen anderen, die dann nachkamen, haben keine richtigen Erschrecker, sondern nur Schausteller, die ein paar gruselige Geschichten erzählen.

Zu Halloween findet man diesen Beruf vielleicht mal in ein paar Freizeitparks, aber das sind dann keine Menschen, die den Job des Erschreckers professionell und hauptberuflich ausführen.”

Dann bekommen Sie bestimmt viele Bewerbungen auf Ihre Stellenanzeigen.

Marlit Friedland: „Nein, eigentlich nicht. Meine Stellenanzeigen nimmt keiner ernst. Aus diesem Grund schreibe ich nun auch nicht mehr „Erschrecker gesucht”, sondern „pflichtbewusstes Monster” oder „zuverlässiges Bunkergespenst gesucht”.”

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Marlit Friedland und Phlip Ghost ©sofatutor

Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Erschrecker aus?

Marlit Friedland: „Ich suche Menschen, die einerseits pflichtbewusst und zuverlässig sind, aber andererseits auch mit viel Spaß an die Arbeit gehen. Weil hier alles schon so gruselig ist, brauche ich keinen Erschrecker, der den ganzen Tag griesgrämig durch die Gegend läuft. So haben ich Phlip wegen seiner Freundlichkeit und seiner Frohnatur als Erschrecker eingestellt.

Außerdem möchte ich ein flinkes und flottes Bunkergespenst. Das heißt, ich brauche niemanden, der zehn Zentner wiegt oder zwei Meter groß ist. Auch muss ein Erschrecker gute Augen haben, um sich in der Dunkelheit schnell orientieren zu können. Somit ist es sehr schwer, einen guten Erschrecker zu finden.”

Hatten Sie auch schon einmal eine Erschreckerin in Ihrem Gruselkabinett?

Marlit Friedland: „Das geht nicht. Denn wenn sich jemand erschreckt und einer Frau vor die Brust haut, wird ihr schwarz vor Augen. Das haben wir schon einmal durchgemacht. Aus Sicherheitsgründen würde ich auch niemals eine Frau alleine mit den männlichen Erschreckern hier im dunklen Bunker lassen.”

Phlip, gucken Sie gerne Horrorfilme?

Phlip Ghost:„ Ja, sehr gerne. Das gehört zu meinem Beruf. So informiere ich mich darüber, was bei den Jugendlichen gefragt ist und wovor sie sich gerade gruseln.

Außerdem gibt es tatsächlich Unterschiede in den Kulturen: In manchen Ländern sind die Menschen schreckhafter als in anderen. Darüber informiere ich mich auch sehr gerne.”

Sind Sie beide eigentlich gruselfrei oder erschrecken Sie sich noch manchmal vor etwas?

Phlip Ghost: „Klar, wir Erschrecker – momentan sind wir fünf – erschrecken uns immer gegenseitig. Selbst als Erschrecker ist man hier nicht sicher und es bleibt immer spannend.”

Marlit Friedland: „Deswegen bin ich ganz froh, dass ich hier die Chefin bin. Ich gehe nämlich nie alleine in den Bunker. Ich versammele meine Mitarbeiter vor Arbeitsbeginn draußen vor der Tür und erst wenn ich mir ganz sicher bin, dass ich alle zusammen habe, gehe ich mit ihnen gemeinsam in das dunkle Gruselkabinett.”

Titelbild: ©sofatutor & ©iStock.com/AnatolyTiplyashin

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