Die Generation Selfie und das Wohlbefinden

Soziale Medien wollen Menschen weltweit verbinden. Gleichzeitig weist eine US-Psychologin darauf hin, dass Kinder und Jugendliche sich zunehmend einsamer und ausgeschlossen fühlen.

Jedes Kind hat mittlerweile Zugang zum Smartphone. Die meisten haben ein eigenes, die anderen dürfen das der Eltern nutzen. Die aktuelle JIM-Studie belegt, dass deutsche 12- bis 19-Jährige das Internet als Teil ihres Alltags erleben –  eine Realität ohne Internet ist nicht mehr denkbar.

Generation Selfie

Psychologin Jean Twenge beschreibt in ihrem Buch „Me, my Selfie and I“ und im Interview mit Nido, dass sich seit dem Jahr 2012 bedeutende Veränderungen im Verhalten und dem emotionalen Zustand von US-Teenagern zeigen würden. Dem Jahr, in dem sich die meisten Menschen in den USA ein Smartphone zulegten. Und dieser Zustand habe sich bis heute nicht wieder normalisiert, so die Psychologin weiter. Sie nennt die Generation der nach 1995 Geborenen die „Generation Selfie“, die noch vor der weiterführenden Schule ein Instagram-Konto hätten und im Schnitt 80-mal am Tag ihr Handy checkten.

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Befunde der Generation Selfie

Wer heute als Aufwachsende/r ständig über Zugang zum Internet per Smartphone verfügt, weist andere charakterliche Merkmale auf als die Generationen zuvor: Twenge fand heraus, dass heutige Kinder sehr sicherheitsbedürftig seien, sich nicht um Vorurteile in Bezug auf Geschlecht, Hautfarbe und sexuelle Vorlieben scherten und tatsächlich langsamer erwachsen würden als ihre Vorgängergenerationen. Sie seien auch weniger von sich selbst überzeugt als noch die Generation der Millenials. Gleichzeitig sei die Zahl der Depressionen und des Suizids unter Teenagern mit dem Aufkommen von Smartphones als Mainstream-Medium stark angestiegen.

Twenge vermutet, dass die allgemeine Zufriedenheit von Kindern und Jugendlichen zurückgeht, weil sie mehr Zeit mit ihrem Smartphone und weniger Zeit mit ihren Freundinnen und Freunden verbrächten. Laut ihrer Untersuchungen fühlten sich Kinder und Jugendliche deshalb zunehmend einsamer und ausgeschlossen. Mädchen seien von diesen Entwicklungen stärker betroffen als Jungen.

Nicht von der Allgemeinheit auf den/die Einzelne/n schließen

Die Psychologin warnt davor, dass diese Merkmale sicherlich nicht für alle gelten würden. So seien besonders kontaktfreudige Jugendliche mehr in den sozialen Medien unterwegs, würden aber auch ihre Freundinnen und Freunde in der Offline-Welt treffen. Andersrum könne es auch sein, dass Einsamkeit bei einer einzelnen Person die Nutzung von Smartphones zur Folge hat und kein Resultat dessen ist. Wahrscheinlich sei es aber für die Gruppe der heutigen Jugendlichen so, dass die Benutzung sozialer Medien die Ursache, nicht die Folge eines zunehmenden Gefühls der Einsamkeit sei.

Gemeinsam für einen gesunden Umgang mit Smartphones sorgen

Auch wenn sich durch gemeinsame Regeln zu Hause nicht das Internet verbieten lässt, können Eltern für einen behutsameren Umgang mit dem Smartphone sensibilisieren. Wichtig ist hierbei, dass sie selbst vorleben, wie das Smartphone so eingesetzt werden kann, damit es die Kommunikation erleichtert, aber nicht zum alles bestimmenden Realitätsfresser wird.

Wichtige Tipps für den Umgang mit Smartphones – für Eltern und Kinder

  1. Sich nicht vom Blinken ablenken lassen. Während man sich unterhält, möchte man nicht unterbrochen werden. Auch der Gesprächspartner bzw. -partnerin findet es nicht schön, wenn er bzw. sie mitten im Satz das Gefühl bekommt, unwichtig zu sein. Eltern sollten also vermitteln und vorleben, dass das Handy ausgeschaltet wird, wenn zu blinken oder klingeln beginnt. Man kann es auch auf die Vorderseite drehen oder den Flugmodus einschalten.
  2. Das Handy kindersicher machen. Bevor das Handy an das Kind übergeben wird, sollten einige Einstellungen angepasst werden: Das Bluetooth sollte deaktiviert, eine Bildschirmsperre eingerichtet, eine Anitviren-App installiert und In-App-Käufe ausgestellt werden. Weitere Tipps bekommen Sie hier.
  3. Spiele und Apps erklären lassen: Bevor das Kind ein Spiel oder eine App installiert, sollte es die Eltern vorher informieren. Wenn Eltern Bedenken haben, weil sie die App nicht kennen, sollten sie es sich von ihrem Kind zeigen lassen. Gemeinsam kann man die Anwendung bzw. das Spiel erkunden und feststellen, ob die Inhalte altersgerecht sind. Sollten sich Gefahren in dieser App verbergen, kann man diese am Beispiel erklären. Das funktioniert besser, als alles Unbekannte abzulehnen.
  4. Das Handy an der Ladestation parken. Damit es nicht zur Gewohnheit wird, sich mit dem Mobiltelefon abzulenken, sollten Smartphones zu Hause z. B. an der Ladestation im Wohnzimmer geparkt werden. Nur wer wirklich damit etwas „erledigen“ möchte, darf sein Handy abholen. Auch nachts sollten die Handys nicht mit ans Bett genommen werden, sondern im Wohnzimmer bleiben.
  5. Beim Essen bleiben Smartphones aus. Es schleicht sich manchmal ein: Kurz vor dem Essen möchte das Kind noch kurz etwas auf dem Smartphone zeigen und schon ist das Handy beim gemeinsamen Abendessen am Tisch. Spätestens wenn es ans Tischdecken geht, sollten alle Smartphones vom Tisch verschwinden. So kann Ruhe einkehren und das Essen schmeckt viel besser.
  6. Die Regeln nicht kontrollieren, sondern vertrauen. Wenn die Regeln gemeinsam aufgestellt wurden, sollten Eltern ihren Kindern das Vertrauen schenken, dass sie sich daran halten werden. Auch Fehler sind erlaubt und sollten offen besprochen werden können. So wird das Smartphone nicht zum Dauerkonflikt zu Hause.

Titelbild: © Peter Snaterse/shutterstock.com

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