Außergewöhnliche Berufe: Interview mit einem Tatortreiniger

Hast du dich mal gefragt, wer das Blut an einem Tatort entfernt? Die Serie „Der Tatortreiniger“ beschäftigt sich damit. Christian Heistermann ist ein echter Tatortreiniger und bildet sogar welche aus. Wir haben uns mit ihm über seinen sehr blutigen Beruf unterhalten.

Sie sind von Beruf Tatortreiniger. Können Sie kurz erklären, was eine Tatortreiniger macht?

Christian Heistermann: „Ein Tatortreiniger ist ein Gebäudereiniger, der Orte reinigt und desinfiziert, an denen Menschen – entweder durch einen Mord, Selbstmord oder eines natürlichen Todes – verstorben sind. Weil diese Orte besonders unangenehm riechen oder Blutflecken hinterlassen wurden, traut sich dort oft kein anderer hin.
Dann werden wir Tatortreiniger von den Angehörigen, von Hausverwaltungen, Wohnungsbaugesellschaften oder Nachlassverwalter gerufen, um in der Wohnung die Flächen zu reinigen und Desinfektionsmaßnahmen durchzuführen, damit die Wohnräume wieder begehbar sind.“

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Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Tatortreiniger zu werden?

Christian Heistermann: „Meine Mutter war Gebäudereinigerin und mein Vater Teppichreiniger. Und dann habe ich auch eine Ausbildung zum Gebäudereiniger absolviert und mich mit 21 Jahren selbstständig gemacht.

2007 haben ich dann eine amerikanische Serie über einen Tatortreinger gesehen. Das hat mich sehr interessiert und auch fasziniert.


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Christian Heistermann ©Sebastian Hänel

Dann wurde ich eines Tages von einer Hausverwaltung angerufen, die in einer Wohnung einen Todesfall hatte und hat mich gefragt, ob ich mir die Reinigung zutrauen würde. Also habe ich mir die passende Ausrüstung gekauft, wie beispielsweise Ganzkörperanzüge, Masken und spezielle Reinigungsmittel, und habe zusammen mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Wohnung gesäubert.

Anschließend war ich mir sicher, dass ich mich mit meinem Betrieb in diesem Bereich spezialisieren möchte.

Ich will nicht unbedingt sagen, dass ich der Erfinder des Tatortreinigens in Deutschland bin, aber man kann sagen, dass ich es in Deutschland medial und mit einem gewissen fachlichen Know-How eingeführt habe. Auch meine Auszubildenden werden in diesem Bereich geschult.“

Und was wollte Sie als Kind werden?

Christian Heistermann: „Ich wollte immer Millionär werden.“ Er lacht.

Was ist das Schlimmste, wenn Sie an einen Tatort fahren?

Christian Heistermann: „Das Schlimmste ist es eigentlich, wenn jemand sehr einsam in seiner Wohnung verstorben ist und über mehrere Wochen womöglich tot da lag, ohne, dass es jemand bemerkt hat. Wenn es dazu noch stark riecht, ist die Arbeit schon eine große Belastung – physisch aber auch psychisch.“

Wie verarbeiten Sie und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen solchen Einsatz?

Christian Heistermann: „Der Beruf bringt es mit sich, dass man viel über den Tod nachdenkt, was zeitweise belastend sein kann. Deswegen ist es umso wichtiger, dass wir intern über das Gesehene sprechen und dass jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter sich eine eigene persönliche Methode aneignet, das Gesehene zu verarbeiten. Wenn ich an einem meiner Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen eine Verhaltensveränderung feststellte, dann rate ich auch, sich professionelle Hilfe zu suchen.“

Welche Eigenschaften muss ein Tatortreiniger mitbringen?

Christian Heistermann: „Es ist nicht so, dass ein sensibler Mensch den Beruf des Tatortreinigers nicht ausüben kann, aber es ist schon so, dass man eine gewisse Härte oder Distanz mitbringen muss, um die Bilder anschließend schnell verarbeiten zu können.
Als Tatortreiniger sollte man andererseits aber auch einfühlsam sein, da er oft auf die Angehörigen der Toten trifft und sich viele Geschichten anhören muss. In diesen Momenten muss der Tatortreiniger wissen, wie er reagieren muss und die richtigen Worte finden. Außerdem sollte man schon Vertrauen ausstrahlen. Schließlich ist er ein Fremder in der Wohnung eines anderen.“

Also kann man sich den Beruf wirklich so vorstellen, wie er in der Serie „Der Tatortreiniger” dargestellt wird?


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Christian Heistermann ©Sebastian Hänel

Christian Heistermann: „Ja, genau. Die Serie ist in vielen Dingen sehr nah an der Realität. Die Menschen möchten an dem Geschehensort noch etwas loswerden und treffen oftmals nur auf uns, also auf die Tatortreiniger.

Bjarne Mädel, der Schauspieler des Tatortreinigers, hat mir einmal einen Anhänger geschenkt, auf dem „Spube” steht. Das finde ich witzig. Denn es ist wirklich so. Die Spurensicherung, auch „Spusi” genannt, sichert die Spuren des Mordes und wir beseitigen sie. Wir sind somit die Spurenbeseitiger, also die „Spube”. Das klingt natürlich toll.“

Was würden Sie jemandem raten, der Tatortreiniger werden möchte? Wie sieht hier der berufliche Werdegang aus?

Christian Heistermann: „Jeder sollte sich genau überlegen, ob er oder sie wirklich Tatortreiniger werden möchte eben aus den genannten Gründen.
Dann sollte er oder sie die dreijährige Ausbildung zum Fachmann für Gebäudereinigung machen und einen Ausbildungsbetrieb suchen, der sich auch auf die Tatortreinigung spezialisiert hat. Anschließend ist eine Fortbildung zum Desinfektor zu raten. Hier lernt man, wie man mit Ungeziefer umgeht und setzt sich mit dem Desinfektionsschutzgesetz auseinander. Alles das sollte ein Tatortreiniger unbedingt wissen und auch umsetzen können.“

Titelbild: ©Gerd Engelsmann & ©iStock.com/AnatolyTiplyashin

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