Metapher, Alliteration und Ellipse – so bestimmst du rhetorische Mittel

Die Wörter „Metapher“ und „Anapher“ klingen kompliziert und langweilig? Dabei sind rhetorische Figuren wirklich spannend. Hier erfährst du, welche es gibt und wie du sie erkennst.

Was sind rhetorische Mittel?

Rhetorische Mittel bzw. rhetorische Stilmittel werden auch rhetorische Figuren oder Stilfiguren genannt. Sie begegnen uns überall: in der Werbung, in (politischen) Reden, in Büchern, in Gedichten, in Theaterstücken – eben in Texten aller Art. Aber was sind das für Mittel? Wenn ein Autor bzw. eine Autorin ein rhetorisches Mittel benutzt, will er oder sie etwas beim Leser bzw. bei der Leserin bewirken, etwas betonen, etwas veranschaulichen oder Spannung erzeugen. So wird ein Text nicht einfach aufgeschrieben, sondern mit Besonderheiten ausgestattet, z. B. können mehrere Wörter in einem Satz mit dem gleichen Anfangsbuchstaben anfangen (rhetorisches Mittel: Alliteration). Das macht den Text lebendig.

Wie findet und bestimmt man rhetorische Stilmittel?

Du erfährst also viel mehr über den Inhalt und die Wirkung eines Textes, wenn du die rhetorischen Figuren heraussuchst und interpretierst, statt den Text einfach nur zu lesen. Befolge einfach diese fünf Schritte:

  1. Mache dich mit dem rhetorischen Stilmitteln vertraut. Lies die Erklärungen zu den einzelnen Formen ein paar Mal durch, damit du weißt, auf welche Besonderheiten du beim Lesen des Textes achten solltest. Wenn du die rhetorischen Mittel noch nicht auswendig kannst, drucke dir die Liste aus und lege sie einfach beim Lesen in Reichweite.
  2. Lies den Text mehrmals sorgfältig durch. Markiere dabei alle Sätze und Passagen, die dir besonders erscheinen.
  3. Schaue dir nun die markierten Textstellen noch einmal in Ruhe an: Was fällt auf? Taucht ein bestimmtes Wort oft auf? Fangen alle Wörter mit demselben Buchstaben an? Gibt es Widersprüche? Wird etwas bildlich beschrieben? usw.
  4. Wenn du die Besonderheit der Textstelle beschreiben kannst, überlege, welche Stilfigur hier verwendet wurde. Dafür kannst du auch die Liste mit den rhetorischen Mittel durchgehen und schauen, ob du das passende findest.
  5. Überlege am Schluss, welche Wirkung die rhetorischen Stilmittel in dem Text haben sollten. Wollte der Autor oder die Autorin etwas verdeutlichen, in dem er ein sprachliches Bild verwendet hat? Wollte er oder sie etwas betonen? usw.

Tipp: Niemand findet gleich alle rhetorischen Mittel in einem Text und kann sie sofort richtig bestimmen. Um eine Gefühl für sie zu bekommen, braucht es Zeit und Übung. Setze dich nicht unter Druck. Falls du am Anfang nicht alle rhetorischen Figuren in einem Text siehst, lasse ihn liegen und mache erst einmal etwas anderes. Wenn du ein wenig Abstand vom Text hattest, siehst du beim zweiten Versuch gleich viel mehr.

Rhetorische Figuren von A bis L

Die wichtigsten rhetorischen Stilmittel – eine Übersicht

Rhetorisches Stilmittel Erklärung Beispiele
Allegorie Ein Gleichnis; eine Abfolge von Metaphern: Ein Gedanke oder Gegenstand wird anhand einer Folge von sprachlichen Bildern (s. Metapher) verdeutlicht. In Fabeln ist von Tieren die Rede, gemeint sind jedoch sinnbildlich Menschen bzw. die Gesellschaft.
Alliteration Eine Reihe von Wörtern mit dem gleichen Anfangsbuchstaben. „Milch macht müde Männer munter.“
„Fischers Fritz fischt frische Fische.“
Anapher Eine einmalige oder mehrmalige Wiederholung eines Wortes oder mehrerer Wörter am Anfang aufeinanderfolgender Sätze bzw. Satzteile, Verse oder Strophen Wer nie sein Brot mit Tränen aß, wer nie die kummervollen Nächte auf seinem Bette weinend saß.“ (J. W. v. Goethe)
Aufgestanden ist er, welcher lange schlief, aufgestanden unten aus Gewölben tief.“ (G. Heym)
Antithese Gegensätze werden gegenübergestellt. „Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein.“ (A. Gryphius)
„Ich schlafe am Tage, in der Nacht wache ich.“
Asyndeton Eine Aufzählung, eine Aneinanderreihung von Wörtern oder Sätzen, die nicht durch Bindewörter (z. B. und) verbunden sind. „Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet, ein kleines kaum begonnenes Profil […]“ (R. M. Rilke)
„Alles rennet, rettet, flüchtet.“ (F. Schiller)
Chiasmus Satzglieder oder Teilsätze werden kreuzweise entgegengesetzt. „Die Kunst ist lang und kurz ist unser Leben.“ (J. W. v. Goethe)
„Ich weiß nicht, was ich will, ich will nicht, was ich weiß.“ (M. Opitz)
Ellipse Eine Auslassung von Satzteilen „Wie du mir, so ich dir.“
„Je früher der Abschied, desto kürzer die Qual.“
Epipher Eine einmalige oder mehrmalige Wiederholung von einem Wort oder mehreren Wörtern am Ende aufeinander folgender Sätze bzw. Satzteile, Verse oder Strophen „Ich fordere Moral, du lebst Moral.“
„Doch alle Lust will Ewigkeit-, will tiefe, tiefe Ewigkeit!“ (F. Nietzsche)
Euphemismus Eine Beschönigung; ein unangenehmes Wort wird mit angenehmen Wörtern umschrieben. „kräftig gebaut“ statt „dick“
„das Zeitliche segnen“ statt „sterben“
Hyperbel Eine starke Übertreibung „Dort sitzt ein Hund, der hat ein Paar Augen, so groß wie Mühlräder.“ (H. C. Andersen)
„ein Meer aus Tränen“
Inversion Eine Umkehrung der normalen Wortstellung im Satz „Ein Dieb ist er!“ statt „Er ist ein Dieb!“
„Groß ist der Mann” statt „Der Mann ist groß.“
Klimax Eine stufenweise Steigerung von Wörtern „Er kam, sah und siegte!“
„Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich der Königin ihr Kind.“ (Märchen Rumpelstilzchen)
Litotes Eine Untertreibung durch doppelte Verneinung „Er hat damit nicht unrecht.“
„Das ist kein dummer Gedanke.“
Metapher Eine Bedeutungsübertragung; ein Ausdruck wird durch etwas ersetzt, das bildlicher bzw. anschaulicher ist. „Am Fuße des Berges“
„das Herz brechen“
Metonymie Eine Umbenennung; ein Ausdruck wird durch einen bildlichen aber verwandten Ausdruck ersetzt. „Goethe lesen“ statt „ein Werk von Goethe lesen“
„Berlin entscheidet” statt „die Bundesregierung entscheidet“
Neologismus Eine Wortneuschöpfung „Knabenmorgenblütenträume“ (J. W. v. Goethe)
Onomatopoesie Eine Lautmalerei; der Klang des Wortes erklärt die Bedeutung. „Es knistert und knastert.“
„Tut, tuuut.“
Oxymoron Eine Formulierung, bei der zwei gegensätzliche, widersprüchliche Begriffe verbunden sind. „bittersüß“
„kleiner Riese“
Paradoxon Eine scheinbar widersprüchliche Aussage „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ (Sokrates)
„Das Leben ist der Tod und der Tod ist das Leben.“
Parallelismus Sätze oder Teilsätze sind parallel aufgebaut. „Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft.“ (E. Zátopek)
„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“
Pars pro toto Ein Teil steht für ein Ganzes. „die Kosten pro Nase“ statt „die Kosten pro Person“
„Dach über dem Kopf haben“ statt „ein Haus haben“
Periphrase Eine Umschreibung eines Begriffs durch Einzelmerkmale „Halbgötter in Weiß“ statt „Ärzte“
„das Auge des Gesetzes“ statt „Polizei“
Personifikation Gegenständen oder Tieren werden menschliche Eigenschaften zugewiesen. „Die Sonne lacht.“
„Wahrheit und Lüge gehen Hand in Hand.“
Pleonasmus Eine Zusammenstellung sinngleicher Wörtern, die jedoch verschiedene Wortarten aufweisen. weißer Schimmel“
„runde Kugel“
Rhetorische Frage Eine Scheinfrage; Frage, auf die keine Antwort erwartet wird/ gegeben werden kann. „Wollen Sie sich das etwa entgehen lassen?“
„Wer ist schon perfekt?“
Symbole Ein (sprachliches) Bild, das auf etwas Abstraktes verweist. „weiße Taube“ für „Frieden“
„rotes Herz“ für „Liebe“
Tautologie Eine Wiederholung gleichbedeutender Wörter derselben Wortart „Angst und Bange“
„nie und nimmer“
Vergleich Zwei Elemente werden verglichen. Ein Vergleich wird mit dem Wort „wie“ eingeleitet. „Ein Mann wie ein Baum“
„stark wie ein Löwe“

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Rhetorische Figuren von M bis Z

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Titelbild: © Samo Trebizan/shutterstock.com

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