Sharenting: Wenn Eltern die Persönlichkeitsrechte ihrer Kinder verletzen

Das Deutsche Kinderhilfswerk warnt in einer neuen Studie davor, dass Eltern Fotos ihrer Kinder unbekümmert online veröffentlichen. Das untergrabe das Mitbestimmungsrecht der Sprösslinge.

Die Mitbestimmung und das Recht am Bild nicht ausreichend beachtet

Die Untersuchung des Deutschen Kinderhilfswerks in Zusammenarbeit mit der Uni Köln zeigt, dass Eltern bemüht sind, ihren Kindern den sicheren Umgang mit digitalen Medien zu ermöglichen. Gleichzeitig stehen viele Familien den Gefahren der digitalen Mediennutzung jedoch hilflos gegenüber. Besonders bei sozialen Netzwerken wie WhatsApp, Facebook, Instagram und YouTube ist das der Fall. Die Mitbestimmungsrechte von Kindern findet hier vor allen Dingen bei der Veröffentlichung persönlicher Daten nicht ausreichend Beachtung, schlussfolgern die Macherinnen und Macher der Studie. Beim „Sharenting“ geht es um das Teilen von Bildern und Fotos der eigenen Kinder durch die Eltern. Als Kofferwort ist es zusammengesetzt aus „Share“ für „Teilen“ und „Parenting“ für „Erziehung“. Dieses Phänomen wurde im Rahmen der Studie „Kinder. Bilder. Rechte. Persönlichkeitsrechte von Kindern im Kontext der digitalen Mediennutzung in der Familie.“ qualitativ untersucht, um herauszufinden, wie sicher sich Familien im Umgang mit digitalen Medien fühlen.

Zentrale Befunde der Studie

Auf der Basis von 37 qualitativen Interviews mit Eltern und deren Kindern im Alter von sechs bis 15 Jahren wurde empirisch rekonstruiert, wie die Medienerziehung in den befragten Familien abläuft. Die Befragung fand in fünf verschiedenen Städten und Regionen in vier Bundesländern statt.

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Die Befunde der Studie zeigen, dass digitale Medien heute ein fester Bestandteil der familiären Alltagspraktiken sind. In allen befragten Familien sind soziale Netzwerke und mobile Medien ein selbstverständlicher Teil der Kommunikation zwischen den Familienmitgliedern. Alle befragten Eltern haben Smartphones und darauf in der Regel die einschlägigen Apps installiert. Die Mehrheit der Eltern unterscheidet dabei Facebook als „öffentlich“ und WhatsApp als „privat“. Dies führt dazu, dass die Eltern stärker reflektieren, was sie auf Facebook veröffentlichen und dagegen weitgehend bedenkenlos Daten über WhatsApp teilen. Eltern wollen auch prinzipiell die Daten ihrer Kinder schützen, fühlen sich aber zumeist nicht ausreichend kompetent. Ein Zusammenspiel aus unzureichender Informiertheit und Unsicherheit aber auch Nutzungsroutinen führt zu unzureichenden Datenschutzstrategien bei den Eltern.

Erziehung und digitale Medien

Die erzieherische Herausforderung, Kindern sowohl Freiräume als auch Schutz bei der Mediennutzung zu bieten, führt darüber hinaus oft dazu, dass die Eltern zu Strategien wie der Chat- oder Browserkontrolle greifen, die die Privatsphäre der Kinder massiv verletzen. Kinder haben selbst oft genaue Vorstellungen davon, ob, wann und mit wem Bilder von ihnen geteilt werden sollten. Allerdings werden sie von den Eltern in der Regel nicht an den Entscheidungen beteiligt, wenn diese Fotos von ihnen verbreiten. Die Rechte von Kindern spielen insofern im Rahmen von Medienerziehung in der Familie oftmals kaum eine Rolle.

„[…] [E]s [bedarf] verständlicher und umsetzbarer gesetzlicher Vorgaben für die Erhebung, Verbreitung und Verarbeitung digitaler Daten“, fordert der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerks, Thomas Krüger. Sein Vorschlag ist, den Jugendmedienschutz entsprechend der UN-Kinderrechtskonvention zu aktualisieren, um das Bewusstsein stärker zu fördern.

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Titelbild: © Dragon Images/shutterstock.com

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