Erziehung: 5 Fehler, durch die Ihr Kind ein „Tyrann“ wird

Ein Kind lernt im Laufe seines Lebens, empathisch zu sein und Rücksicht auf andere zu nehmen. Wir zeigen, was dabei durch Erziehung mitgegeben wird.

Was Tyrannen-Kinder auszeichnet

Auch Eltern, die ihr Kind fürsorglich und mit klaren Vorgaben erziehen, treibt die Angst um, ihr Kind könne zu einem Tyrannen aufwachsen. Damit ist eine Person gemeint, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht ist und keinerlei Empfindungen für ihre Mitmenschen aufbringt.

Das kann biologische Gründe haben: Der präfrontale Cortex, eine Gehirnregion im Frontallappen, in der unser gesellschaftliches Verhalten reguliert wird, wurde in der entscheidenden Entwicklungsphase nicht stark genug ausgeprägt. Der präfrontale Cortex verbindet vorhandene Erinnerungen mit emotionalen Bewertungen und kann so die weitere Handlung eines Menschen „planen“. Dadurch können Entscheidungen, z. B. wie reagiert jemand auf eine bedrohliche Situation durch einen anderen Menschen, blitzschnell getroffen werden. Davon wird aber auch bestimmt, ob ein Kind Ziele hat, die es verfolgt und sich dabei mit anderen zusammenschließt oder sich über andere hinwegsetzt.

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Neben genetischen Dispositionen können auch Erziehungsfehler dazu führen, dass ein Kind sich im späteren Leben wie ein Tyrann aufführt. Welche das sind und wie Sie sie vermeiden können, erfahren Sie hier in fünf Schritten:

1. Dem Kind gegenüber die wahren Gefühle verbergen

Um einem Kind die Chance zu geben, einen „Erfahrungsschatz“ an Gefühlen und Reaktionen aufzubauen, muss es diese zunächst erlernen: Welchen Gesten und Mimik gibt es? Wie reagieren andere Menschen auf meine Emotionen? Das sind wichtige Eindrücke, deren Nuancen sich nach und nach erschließen. So lernen Kinder im besten Fall, wann sie jemanden verletzt haben, wann jemand genervt ist oder wann sie eine Freude bereitet haben. So bedeuten Tränen z. B. oft Trauer oder ein Lächeln Freude. Wenn man sich also als Elternteil ärgert oder von etwas gerührt ist, sollte man dieses Gefühl zeigen und dem Kind auch erklären, was dieses „Verhalten“ zu bedeuten hat.

Daneben lernt ein Kind darüber, wie sich die Eltern gegenüber anderen verhalten, die z. B. Trauer ausdrücken: Sie kümmern sich um die andere Person, nehmen sie in den Arm, halten die Hand oder hören geduldig zu. Das Kind wird diese Reaktion im besten Fall imitieren, wenn es eine traurige Person sieht.

Tipp: Eltern sollten sich authentisch verhalten! Sie sollten sagen, wenn sie von einem Verhalten genervt sind oder wenn sie sich freuen. Dann kann sich das Kind diese Emotion merken und die Entwicklung des präfrontalen Cortex wird begünstigt. Wichtig ist, darauf zu achten, ob es sich um eine ehrliche Reaktion handelt oder sie vielleicht einen anderen Ursprung hat, z. B. vom Stress auf Arbeit herrührt. Das Kind sollte aufgestaute Emotionen nicht „abbekommen“, sondern nur direktes Feedback erhalten.

2. Dem Kind nicht klar mitteilen, wann es eine Grenze überschreitet

Eltern neigen oft dazu, ihrem Kind zu viel durchgehen zu lassen. Auch wenn sie selbst bereits total erschöpft sind und genau wissen, dass das Kind die Spielchen nur aus Faulheit macht oder um sich besser zu fühlen. Das Gefühl, sich selbst zurückzunehmen, und sich den Mitmenschen anzupassen, und somit die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse einen Moment auszuhalten, ist ebenfalls ein wichtiges Attribut, um einen „Tyrannen“ als Kind zu vermeiden.

Ein gemeinsames Spielen mit anderen Kindern kann wahre Wunder bewirken. Kinder sind direkt und geben sofort eine Rückmeldung, wenn sie etwas nicht wollen oder nicht aushalten.

Tipp: Eltern sollten ihre eigenen Grenzen klar aber freundlich kommunizieren. Es bringt dem Kind nichts, wenn eine Situation akzeptiert oder ausgehalten wird, obwohl sie unangemessen ist.

3. Die Grenze des Kindes nicht respektieren

Wenn ein Kind verbal oder nonverbal kommuniziert, dass es eine Sache nicht möchte, sollten Eltern dies respektieren. Auch wenn sie der Meinung sind, es besser zu wissen. Das Kind lernt durch das Verhalten der Eltern, wie es die Grenzen anderer respektiert. Wenn dem nicht so ist, wird es Im schlimmsten Fall im Glauben belassen, dass der Stärkere immer recht behält und es egal ist, ob eine Grenze überschritten wird.

Tipp: Wenn Eltern bewusst mit ihrer „Macht“ umgehen und sie nur einsetzen, wenn es Schlimmeres zu verhindern gilt, sind sie gut beraten. Eine Abwägung, ob eine Grenze aus Schutz oder Faulheit bzw. Zeitmangel übergangen wird, sollte so oft wie möglich erfolgen.

4. Das Kind vor Enttäuschung schützen wollen

Ähnlich wie das Erlernen von emotionalen Reaktionen muss auch die Verarbeitung von Enttäuschung trainiert werden. Man spricht hierbei von Resilienz, also der inneren Stärke einer Person in Krisensituationen. Das lernen Kinder, indem sie sich ihrer eigenen Wirkung bewusst werden: Was löst mein Verhalten aus? Welche Auswirkung hat es auf mich, wenn ich meinen Willen gekriegt habe oder nicht bekommen habe? Gelingt nun eine Sache nicht, kann das den inneren Antrieb ankurbeln, diese Sache doch noch einem erfolgreichen Ende zu bringen. Scheitern will also bereits früh gelernt sein.

Tipp: Es ist unendlich schwer für Eltern, ihr Kind traurig zu sehen, weil etwas nicht auf Anhieb so funktioniert hat, wie es das wollte. Sie sollten das Kind jedoch viel mehr in seiner Enttäuschung begleiten und mögliche Lösungen aufzeigen, anstatt die Situation schnell zu beheben. So lernt ein Kind, mit Frust produktiv umzugehen.

5. Das Kind mit Geschenken statt Zuwendung ruhigstellen

Wenn ein Kind statt der Auseinandersetzung, z. B. mit Enttäuschung, mit einem Ersatz beschenkt wird, wird ein anderer Bereich des Gehirns aktiviert. Dabei wird die Bedürfnisbefriedigung kurzzeitig gestillt und es erlebt ein leichter zu erreichendes Glücksgefühl. Statt Resilienz wird also der Ausweichkonsum gefördert: Schokolade zu essen bei Traurigkeit oder Shoppen zu gehen bei Unzufriedenheit, sind klassische Bedürfnisbefriedigungen. Das kann mal funktionieren, sollte aber nicht auf keinen Fall als Dauerlösung verwendet werden. Aus Angst zu versagen oder einen Zurückweisung zu erleben, könnte ein Kind sich sonst in der Zukunft gar nicht erst diesen Herausforderungen stellen.

Tipp: Eltern sollten das eigene schlechte Gewissen aushalten und den schwereren, aber sinnvolleren Weg der Zuwendung immer bevorzugen. Auch wenn es in einem hektischen Arbeits- und Familienalltag unmöglich scheint: Eine halbe Stunde Zeit, in der sich das Kind bei den Eltern mit seinen Emotionen ernsthaft auseinandersetzen kann, wirkt nachhaltiger als ein neues Spielzeug, damit es nicht mehr so traurig ist.

Titelbild: © Kamelia Ilieva/shutterstock.com

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