Heute schon ein Kompliment bekommen?

Jeden Tag ein Kompliment machen ‒ das hat sich die Psychologiestudentin Rosa Stark vorgenommen. In ihrem Blog A Compliment A Day schreibt sie über die Reaktionen und uns hat sie erzählt, warum Komplimente so wichtig sind.

Du hast dir zur Aufgabe gemacht, ein Jahr lang jeden Tag ein Kompliment zu machen? Wie kamst du darauf und warum machst du dieses Projekt?

Rosa Stark: „Die Initialzündung entstand aus verschiedenen Situationen. In San Francisco habe ich Straßenmusik gemacht. Ich saß allein mit meiner Geige auf der Straße und habe erfahren, wie viele Menschen sich bedanken, weil ich sie berühre oder gut spiele. Nach ein paar Wochen war ich viel entspannter und selbstsicherer, nicht nur beim Geigespielen. Dadurch entfalten sich, jedenfalls in meiner Erfahrung, Potentiale ganz selbstverständlich.

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Kurz darauf war ich in Paris und habe am Bahnhof Gare Du Nord eine Frau entdeckt.
Ich war fasziniert: Sie war wunderschön. Nicht dem Schönheitsideal getreu sondern ganz sie selbst. Es war ihre kerzengerade Körperhaltung und ihre Ruhe, die mich begeistert hat. Gestrahlt hat die! Ich lief an ihr vorbei und dachte: ‚Unfassbar. Wie schön sie ist.‛ Fünf Schritte später dann: ‚Moment! Warum sage ich ihr das nicht?‛ Mir wurde klar: Ich hatte Angst vor der Reaktion. Das wollte ich nicht akzeptieren. Ich ging zu ihr und sagte: ‚Ich finde, Sie sehen aus wie ein Kunstwerk.‛ Sie schaute mich zuerst ungläubig an, dann ging ihr Gesicht auf und sie umarmte mich spontan.”


<Rosa Stark Komplimente

Komplimente von Rosa Stark ©Rosa Stark

Wie kommst du auf deine „Komplimente-Empfänger”? Ergibt sich das spontan?

Rosa Stark: „Das ist unterschiedlich. Sind es fremde Leute, dann ergibt sich das spontan in der Bahn, im Konzert oder an der Uni. Dabei kristallisiert sich mittlerweile eines heraus: Was mich anspricht, ist Authentizität. Ein freies Lächeln, ehrliche Tränen oder ein radikaler Ausdruck der Person selbst. Oft sind das auch Situationen: eine einzigartige Aussprache, die Art einen Stift zu halten oder ein lebendiges Erzählen. Dann, wenn jemand bei sich ist und nicht versucht, irgendwas oder irgendwem zu entsprechen. Ein Kompliment ist dann nichts anderes als ein Dankeschön: Für den schönen Augenblick und dafür, dass ich ihn erleben und genießen durfte.”

Wie reagieren die Leute auf deine Komplimente?

Rosa Stark: „Die Reaktionen darauf sind jedes Mal unterschiedlich und je nach Land und Geschlecht zeichnen sich Muster ab. In Amerika sind die Menschen beispielsweise geübter im Umgang mit Komplimenten und nehmen sie einfach an. In Deutschland, vor allem in Berlin, entgegnet mir im ersten Moment häufig Irritation. Wenn dann ankommt: Ich will nichts, ich will nur etwas Nettes sagen, dann öffnet sich in 99 Prozent der Fälle das Gesicht und es entsteht ein schöner Moment. Mein Aushalten dieser Irritation lohnt sich immer.”

Warum sind Komplimente wichtig?

Rosa Stark: „Weil sie Wertschätzung ausdrücken. Egal, ob Fremder, bester Freund oder Arbeitskollege. Wenn ich dem anderen sage, was ich an ihm mag, dann öffne ich mich. Ich stehe als Mensch vor jemandem, dessen Menschlichkeit ich anerkenne und sogar schön finde! Vielleicht klingt das pathetisch, aber so fühlt es sich an. Statt ihn in seiner Funktion zu sehen oder dem, was ich von ihm erwarte, was mich an ihm stört oder wo er versagt hat, nehme ich bewusst das war, was ihn für mich schön macht.

Gleichzeitig gibt es die Seite der Empfänger. Ich glaube, das Komplimente anzunehmen den Selbstwert erhöht und das Vertrauen stärkt. Wenn da jemand ist, der etwas Schönes in mir sieht, dann kann die Welt doch nicht ganz grau sein, oder?”

Wie formuliert man denn am besten ein Kompliment?

Rosa Stark: „Indem man sich nicht zu viele Gedanken darüber macht, wie man es formulieren soll! Im Klartext: Kopf aus, Herz an. Ehrlich sein, bei sich bleiben. Das ausdrücken, was wirklich da ist. Gern detailliert, gern großzügig preisen, statt mit Worten zu geizen. Und sich nicht zu viele Sorgen machen, wie der andere das jetzt verstehen könnte, denn dann wirkt es schnell aufgesetzt und das lässt den anderen eher zweifeln. Ich glaube, wir spüren, ob jemand ein Kompliment ehrlich meint, oder ob das Kompliment Mittel zum Zweck ist. Und danach sortieren wir, ob wir es annehmen.”

Viele Menschen sagen, sie können nicht mit Komplimenten umgehen. Hast du eine Idee, warum das so ist?

Rosa Stark: „Tolle Frage, vielen Dank dafür! Das ist nämlich etwas, das mich sehr beschäftigt. Ich glaube, das hat etwas mit dem Selbstbild zu tun. Bin ich in meiner eigenen Vorstellung hässlich, untalentiert oder im besten Fall durchschnittlich, dann lebt mein Weltbild auch davon. Vielleicht brauchte ich dieses Selbstbild in meiner Kindheit, um aus meiner Umgebung Sinn zu machen. Oder irgendwo anders auf meinem Weg sind Dinge passiert, die mich haben klein und unbedeutend fühlen lassen.

Nicht mit Komplimenten umgehen zu können, heißt eigentlich, irgendwann mal effektiv einen Schutz vor dem Verletztwerden aufgebaut zu haben.”

Und was rätst du Leuten, die nicht mit Komplimenten umgehen können?

Rosa Stark: „Sich bewusst zu machen, woran das liegen könnte, um Verständnis für sich selbst aufzubauen. Wenn ich mich beobachte und merke, dass ich das nicht annehmen kann, dann ist das oft das alte Muster des negativen Selbstbildes. Schöner fände ich ein ‚Das tut mir für mich selbst leid‛.

Ja, man darf sich ruhig selber leid tun. Und dann das Risiko eingehen und Komplimente lernen anzunehmen. Dabei gilt, genau wie beim Komplimente machen: Den Kopf ruhig mal ausschalten. Du bekommst ein Kompliment für dein schönes Lächeln und solltest dich dann nicht anfangen zu fragen: ‚Wie ist das jetzt gemeint? Ironisch? Oder hat der Hintergedanken? Will der was von mir? Der meint bestimmt nur die weißen Zähne.‛

Und hier beginnt das Experiment: Statt auch nur einen dieser Sätze auszusprechen, oder das schöne Lächeln anders zu rechtfertigen, sagst du einfach ‚Danke‛. Und wenn es dich freut: ‚Das freut mich.‛ Man sollte auch versuchen, dem Impuls nachzugeben, ganz schnell etwas zurückzugeben. Oft glauben wir, das Miteinander wäre ein Handel. Die Frau in Paris schaute zum Beispiel flugs an mir herunter und sagte ‚Danke! Ich, äh, mag deine Hose!‛. Das fand ich schade. Ich hab gefühlt: Das kommt jetzt, weil sie denkt, sie sei es mir schuldig.”

Wie gehst du selbst mit Komplimenten um?

Rosa Stark: „Lange war das für mich schwierig. Komplimente anzunehmen, fiel mir generell sehr schwer. Dann gab es eine Phase, in der ich mich ganz bewusst dafür entscheiden musste, zu sagen: ‚Danke, süß von dir!‛. Ich habe das regelrecht geübt. In San Francisco wurde ich dann so mit Komplimenten bombardiert, da konnte ich nicht anders, als irgendwann zu verstehen: Ich kann was. Ich bin was. Ich hab was zu geben.
Und genau deshalb will ich dazu beitragen, dass mein Umfeld großzügiger Komplimente macht. Weil ich weiß: Das kann einen großen Unterschied machen.”

Titelbild:© Gonzalo Aragon/shutterstock.com

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